08.10.14: Ausbilder Schmidt

Kein Abend für Luschen, Ex-Zivis oder Studenten

Ausbilder Schmidt präsentiert: „Schlechten Menschen geht es immer gut“ in Lantershofen

Comedian „Ausbilder Schmidt“ kommt am Mittwoch, 8. Oktober, nach Lantershofen. Kulturlant e.V. präsentiert ab 20 Uhr im Winzerverein das Programm „Schlechten Menschen geht es immer gut.“ In einem politisch korrekten Land, in dem alles grün wird ist die Sehnsucht nach wunderbarer politischer Unkorrektheit größer denn je. Die CDU, der FC Bayern, RWE… selbst die Bild Zeitung wird grün. Gut, der Ausbilder ist auch grün, aber olivgrün. Und das macht den Unterschied. Gerade die kleinen Gemeinheiten des Alltags lassen die Glückshormone sprießen, sagt der Ausbilder und gibt Beispiele: Geh doch mal in den Bioladen und bestell dir einfach mal ein Ei aus der Käfighaltung…Ruf doch mal die Hotline an und brüll direkt los – warum sich erst ärgern lassen…? Drängel dich mal in der Einkaufsschlange vor und erzähl allen, dein Porsche Cayenne steht mit laufendem Motor vor der Tür – sie lassen dich durch …!“

Ausbilder Schmidt passt auf, dass unsere „piep-piep-piep-wir-haben-uns-alle-lieb-Gesellschaft“ nicht eine Generation von „bettnässenden Ja-Sagern“ heran zieht. Jaaaa, wer will denn beim Fußball die stille Treppe statt der roten Karte? Wer will denn zu einer Politesse sagen „ja sie haben recht, es tut mir leid“ anstatt sie in Grund und Boden zu beschimpfen. Und nein, wir wollen keinen Unisextarif für die Kindergartengebühr. Jungs kloppen sich und Mädels ziehen sich an den Haaren. Basta. Zum Glück gibt es Ausbilder Schmidt, denn dieser opfert sich mal wieder und geht ganz selbstlos in den Kindergarten um präventiv mit den Kindern zu arbeiten: Keine Macht dem Weicheinismus! Jawoll.

In seinem nun 6. Abendprogramm geht Holger Müller, der Erfinder und Darsteller der Bühnenfigur „Ausbilder Schmidt“ noch mehr auf aktuelle und politische Themen ein. Schließlich gibt der tägliche, aktuelle politische Wahnsinn, wunderbare Erkenntnisse für die „Drill Instructor Sichtweise.“ Der „Chef“, der gerne mal seine Mitmenschen mir-nichts-dir-nichts einfach so anschnauzt… „die werden es schon verdient haben“, gilt als Drecksack der Nation. Ein Komiker der schon seit Jahren bewusst polarisiert. Begeisterte Fans aber auch zahlreiche „Feindgruppen“ sitzen im Publikum des Ausbilders: Frauen, Luschen, Studenten, Lehrer, Ex-Zivis und Warmduscher.

27.06.14: Kai Kramosta

Ein Plädoyer für Schwergewichte

Kai Kramosta war mit seiner Leseshow in Karweiler zu Gast

Kai Kramosta, schwergewichtiger Comedian aus Köln mit Wurzeln im Eifelort Nickenich, stellte auf Einladung von Kulturlant e.V. im Rahmen einer „Leseshow“ am Freitagabend in der Alten Schule in Karweiler sein Buch „Darf der Kleine ein Stück Wurst“ vor. 30 Zuhörer krümmten sich teilweise vor Lachen.

Kramosta ist gerade einmal 30 Jahre alt, im Kölner Karneval als vom Festkomitee ausgebildeter Redner aber schon seit Jahren in der Bütt aktiv. Seit geraumer Zeit tourt er mit einem Comedy-Programm durch die Hallen des Landes, präsentiert seine Sketche vom Eifelhandwerker im Radio und hat jetzt auch noch ein Buch geschrieben. „Darf der Kleine ein Stück Wurst“ fasst Kramostas Tätigkeiten und Erlebnisse zusammen und ist ein deutliches Plädoyer für schwergewichtige Menschen. Klar, dass er da auch feststellt: Nicht 75 Prozent der Deutschen sind zu dick, sondern 25 Prozent sind zu dünn. 160 Seiten stark ist das Taschenbuch. „Ich wollte einmal im Leben was schlankes produzieren“, erklärt Kramosta die überschaubare Dicke des Werkes.

In Karweiler las der Wahl-Kölner nicht nur aus einzelnen Kapiteln, anschaulich brachte er seine Erlebnisse zu Gehör, fand wie die jecken Redner in der Domstadt im Publikum seine „Opfer“ und schlüpfte in vielfältige Rollen. Wie in die des Fußball-Managers Rainer Calmund, der sich zum Frühstück mal eben vier Eier gebraten hat, wie sein Diät-Tagebuch verriet: „Das hat lecker geduftet, denn die Eier waren noch in den Hühnern.“ In der Rolle des Schauspielers Ottfried Fischer tanzte und rappte Kramosta, als karnevalistischer Grabredner mit schwarzer Pappnas und gleichfarbiger Narrenkappe nahm er „pietät-frei“ kein Wort vor den Mund. Seine Paraderolle als „Eifelhandwerker“, der irgendwo zwischen speziellem Fachwissen und absolutem Größenwahn lebt, hielt er dem Publikum ebenfalls nicht vor – und zwar im tiefsten Nickenicher Dialekt.

Gelesen wurde auch, zum Beispiel aus dem Kapitel „Reif von der Insel“, das getreu dem Motto „Aller Umfang ist schwer“ vom Aufenthalt als 15-jähriger im Abnehm-Camp auf Sylt erzählte. Oder im Sport-Kapitel, das feststellte: Schwimmen ist der richtige Sport zum Abnehmen. „Ist klar, das sieht man ja am Blauwal“, konterte Kramosta. Auch die Kinder- und Jugendtage in Nickenich finden Erwähnung, da war die Welt nämlich noch in Ordnung. „Ich war sieben Jahre Messdiener. Der Weihrauch war unser Kiffen.“ Warum nicht?

Auf alle Fälle fand Kramosta, der gerade drei Diäten auf einmal macht, weil er von einer nicht satt wird, massenhaft Gründe, auf das Abnehmen zu verzichten und statt Body-Mass-Index (BMI) eher auf den WFI zu bauen, also den Wohl-Fühl-Index. Und weil es so, sagte er durch seine parodierte Figur „Rainer Calli Camund“ auch ganz deutlich: „Ich bin Second-Hand-Vegetarier: Kuh frisst Gras, ich fress Kuh.“

27.05.14: Dota

Liedermacherin Dota verzauberte ihr Publikum

Die bekannte Berlinerin gastierte zusammen mit Jan Rohrbach bei Kulturlant

Waren die Veranstaltungen bei Kulturlant, der Grafschafter Kulturverein, zuletzt in erster Linie von Kabarett und Comedy geprägt, so beschritt der Verein am Dienstag einen ganz neuen Weg. Auf der Bühne stand die Berliner Liedermacherin Dota Kehr, die sich in den Anfängen ihrer musikalischen Karriere einen Namen als „Kleingeldprinzessin“ machte. Den brachten ihr die vielen Auftritte als Straßensängerin ein. Mittlerweile gehört „Dota“ aber zu den wenigen Menschen, die von ihrer Musik leben können. „Seit neun Jahren ist das so und das ist toll! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich von dem leben kann, was ich am liebsten mache“, gab die frisch gebackene Mutter jüngst in einem Interview zu Protokoll. Ihr musikalischer Weg führte sie durch die halbe Welt mit Stationen in Brasilien, Neuseeland oder Asien. Stationen, die Dotas Musik mit prägten.

Jetzt kam sie für zwei Konzerte auf kleine Bühnen ins Rheinland, und das auch nicht in Begleitung ihrer kompletten Band, sondern an der Seite von Jan Rohrbach. Der begleitete die 34-jährige mit seiner Bassgitarre, aber auch am ganz seltenen „Toy-Piano“, einer Art Mini-Klavier, spielte die Ukulele und blies in die Melodika. „Die soll eigentlich das Akkordeon ersetzen und damit eine Seemannsliederstimmung erzeugen“, erklärte Dota bei der Vorstellung ihres Songs über die alte Piratin.

Allzu viel erklären wollte die Liedermacherin auf der Bühne in Lantershofen aber nicht, eindeutig stand die Musik im Vordergrund. Und die sprach für sich. „Ihre Texte sind poetisch, wortgewandt, bissig und gesellschaftskritisch“, hatte Kulturlant-Vorstand Klaus Dünker das bereits bei der Begrüßung angekündigt, was die gut 70 Gäste dann von der Bühne aus erwarten durften. Da musste man dann schon genau hinhören und überlegen, wenn Dota versuchte, musikalisch klarzumachen: „Die Erde ist eine Scheibe, und bis zu ihrem Rand erschlossenes Land.“ Kritisches erklang mitunter witzig verpackt, wie der Song vom vermeintlichen Sklaventreiber, der seine Arbeiter nicht bezahlt, weil „Geld verdirbt den Charakter.“

Ein Dutzend Tonträger hat Dota bislang veröffentlicht, teils solo, teils mit Band. Ihr neuestes Werk „Wo soll ich suchen“, steht seit Herbst 2013 als CD und auf Vinyl gepresst in den Läden. Erstaunlich: hierfür hatte sie ein Angebot eines großen Musikproduzenten, das sie ablehnte. Das neue Album stand in Lantershofen im Mittelpunkt ihrer Titelliste. Mit „Hoch oben“ eröffnete die Liedermacherin den Abend. Von sich selbst sagte sie später: „Ich mache nur zwei verschiedene Arten von Lieder, traurige und beängstigende.“ Ganz so extrem war es aber nicht. Titel wie „Sommer“ oder „Das Leben der Glut“ offenbarten fröhliche Töne. Brasilianisch wurde es, als Dota Lieder von Danilo Guilherme spielte, auch mit deutscher Übersetzung.

Es waren am Ende mehr als eineinhalb Stunden, in denen das sympathische Duo sein Publikum bei Kulturlant zu begeistern wusste. Mit gleich drei Zugaben verabschiedeten sich die beiden Berliner dann von Lantershofen, zu dem Dota nur soviel einfiel: „Lantershofen haben wir vorher nicht gekannt, aber es gefällt uns sehr gut hier bei euch.“

21.05.14: Maria Vollmer

Adonisröschen von Marianne für Gerhard

Maria Volmer begeisterte in Lantershofen mehr als 100 zumeist weibliche Gäste

Mehr als 100 zumeist weibliche Gäste waren am Mittwochabend nach Lantershofen gekommen, wo der Verein Kulturlant e.V. die Kabarettistin Maria Vollmer präsentierte. Die sorgte im Winzerverein für viel Gelächter und erntete dabei auch eine Menge Applaus. Ihr Thema: was passiert, wenn sich diejenigen, die in den wilden 70/80er Jahren groß geworden sind, plötzlich als brave Ehepartner mit zwei Kindern im Reihenhaus in Köln-Nippes wiederfinden? Kann man, oder besser: kann frau die wilde Zeit im neue Familienleben Aufrecht erhalten? Schön wärs, aber es bleibt eher ein Traum. Denn jetzt heißen die Themen anders: „Einkaufserlebnis auf der belebten Neusser Straße“ zum Beispiel, bei dem am Ende die Fashionabteilung des Discounters für die Einkleidung verantwortlich ist. Jetzt heißt es auch: „wer hat den schönsten Garten hinterm Reihenhaus?“ Rollrasen, japanisch, oder doch die eigene Saat, die Maria Vollmer in der Rolle der biederen Marianne mit den gedanklichen Ausflügen in die 70er, bevorzugt. Und deren einzigen Grashalm sie hegt und pflegt, bis auch dieser vom Rollrasen erdrückt wird.

Marianne, die seit dem Jahr 2008 stolze 39 Jahre alt ist, wie sie zumindest sagt, schlüpfte in viele Rollen, drehte vor allem im zweiten Teil ihres Programms „Sex & Drugs im Reihenhaus“ so richtig auf und warf ihre tänzerische und musikalische Ausbildung in die Waagschale. Wohlgemerkt: immer mit dem Siedlungsleben im Kopf.

Den Abgesang für die Schlecker-Märkte spielte sie auf der Blockflöte, der Tagesablauf der stets Wasser trinkenden Heidi Klum wurde tänzerisch dargestellt. Trommelwirbel auf Gieskanne und Kehrblech gab es beim „Nippesser Fruchtbarkeitstanz“ auf die Ohren und aus dem Frühjahrputz wurde der Tanz mit dem Wischmob. Ruhepausen waren Mangelware, Maria Vollmer wirbelte auf der Bühne, was das Zeug hielt. Großartig: die Lektüre aus dem Tagebuch ihres Mannes oder aber die Erzählungen vom Babysitten für des Nachbars „Meerschweinchen mit Zahnspange.“

Klar, dass sich die ihre gute Laune auch schnell auf den „Mitmachbereich“ im Publikum vor der Bühne entlud. Hier hatte es ihr vor allem „Gerhard“ angetan, der an diesem Abend keine Ruhe fand. Zur Belohnung gab es am Ende allerdings auch ein Geschenk für Gerhard, nämlich ein Tütchen „Adonisröschen“ für den eigenen Garten. In den zog sich auch Marianne alias Maria Vollmer nach zwei humorvollen Stunden wieder zurück.

07.05.14: Hastenraths Will

Ist Zumba beim Strickverein nur „Yoga für Teletubbies“?

Hastenraths Will nahm bei Kulturlant in Birresdorf kein Blatt vor den Mund

Es war buchstäblich „ein letzter Auftritt“ und es war genial: am Mittwochabend gastierte „Hastenraths Will“ auf Einladung von Kulturlant e.V. im Birresdorfer Dorfgemeinschaftshaus. 75 Gäste wollten sich den charismatischen Landwirt und Ortsvorsteher aus dem Rurtal, also dem Niemandsland im äußersten Westen Deutschlands, anschauen. Sie bogen sich zwei Stunden lang förmlich vor Lachen beim Gastspiel „Das Buffet ist eröffnet.“ Hastenraths Will alias Christian Macharski spielte sein Solo in Birresdorf nämlich nach drei erfolgreichen Jahren zum letzten Mal. Und das in Rheinland-Pfalz, wo er doch eigentlich nur in Nordrhein-Westfalen unterwegs ist. Dort findet der Vorsitzende des Karnevalsvereins „Die Föttchesföhler“, der in der jecken Session alle Hände voll zu tun hat, seine meistens heile Welt. „Ich bin einer von Sie“, versuchte er sich gleich mit vorhandener Ortskenntnis beim Publikum einzuschmeicheln. „Eigentlich wollte meine Frau mitkommen, um mal durch die Fußgängerzone von Birresdorf zu schlendern und die tollen Geschäfte zu gucken.“ Ging aber nicht, kalbte doch zu Hause die Kuh, und zudem war noch Dessousparty angesagt. Also mußte „Will“ mal wieder alleine durch die Welt ziehen, er ist nun Mal ein echter Cosmoprolet. In seinem Heimatdorf muss er als Ortsvorsteher jeden Tag eine Rede halten. Und die endet immer mit den Worten „Das Buffet ist eröffnet“, weil der Satz den meisten Applaus bringt. Wie bei der Einweihung der Erlebnis-Bushaltestelle, unter die bei Regen sieben Schulkinder passen – das letzte wird allerdings an der Schulter nass.

Es war schon massiver Klamauk, den Christian Macharski da auf die Bühne brachte, übrigens standesgemäß in Gummistiefeln, kariertem Hemd und mit Parka und grüner Schirmmütze bekleidet. So zimmerte er sich sein Weltbild zurecht, das immer irgendwie zu logischen Schlussfolgerungen führte: „Den Hinduismus gibt es nur bei den Indiern, es ist die drittgrößte Religion der Welt und die Hinduisten werden wiedergeboren. Deshalb leben da unten auch so viele Menschen.“ Ach so! Die wahren Lebensweisheiten aber spielen vor seiner Haustüre. Ein Beispiel: „Sexualität gehört zum Leben wie Essen, Trinken und Schwarzarbeit.“ Apropos Schwarzgeld. Ist das ein politisch korrekter Ausdruck oder heißt es nicht eher „Zahlungsmittel mit Migrationshintergrund?“ Fragt einer, der gerne mal die alten Zeiten Hoch leben lässt, als es beispielsweise nur vier Fernsehprogramme gab: „Erstes, zweites, drittes und Schnee.“

Unbedingt frauenfreundlich war das Programm von Hastenraths Will nicht, da gab es zu viele Seitenhiebe, obwohl er empfahl, hin und wieder ein Kompliment zu machen. „Watt hass de dich heute wieder toll vollgeschminkt“, zum Beispiel. Da passte es auch, dass er die Zumba-Übungen der katholischen Strickfrauen, denen Frau Hastenrath als Präsidentin vorsteht, als „Yoga für Teletubbies“ bezeichnete. Der Tipp an die Männer, beim Küssen die Zigarre aus dem Mund zu nehmen, passte ebenso wie die Faust aufs Auge. Männern und Frauen in Birresdorf gefielen die Worte von Hastenraths Will jedenfalls, wie der langanhaltende Applaus zeigte.

05.04.14: Volker Weininger

Wird Hoeneß Ehrenvorsitzender beim Bund der Steuerzahler?

Der Bonner Kabarettist Volker Weininger holte in Lantershofen zum Rundumschlag aus

Woher stammt eigentlich der Begriff „seinen Senf dazugeben“? Einer, der es erklären kann, ist der Bonner Kabarettist Volker Weininger. Der war mit seinem aktuellen Programm „Euer Senf in meinem Leben“ am Samstag auf der Lantershofener Kleinkunstbühne zu Gast. Gut 70 Gäste erlebten dort ein scharfzüngiges Kabarettprogramm, in dem Weininger kaum ein Thema ausließ und dabei zu so manch einem Geschehnis seinen Senf dazugeben mußte, obwohl er doch gerade dies in der heutigen Welt so sehr bemängelte. Zurück zur Frage: die Redewendung stammt nach Aussage diverser Historiker vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Damals galt Senf als ein Gewürz, welches jede Mahlzeit als genüsslicher gelten ließ, selbst dann wenn es nicht dazu passte. Sämtliche Wirte jener Zeit servierten, ob erwünscht oder nicht, einfach ihren Gästen Senf zu jeder Speise dazu. Da dies ebenso unangenehm war wie ein unerwünschter Rat, bürgerte sich auf diese Art und Weise nach einiger Zeit das Sprichwort „seinen Senf dazugeben“ ein.

Der unerwünschte Rat begegnet Weininger an jeder Ecke, wie er in seinem rheinischen Zungenschlag mit stoischer Ruhe zu berichten wusste. Wie beim guten Rat eines Kölner Boulevardblattes, dass über die richtige Einführung eines Zäpfchens zu belehren vermochte. Kein Wunder, dass der Kabarettist dank solch prickelnder Fragen schnell zu den schlagzeilenträchtigen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft schweifte. So entlockte Berlusconis Verurteilung zu vier Jahren Haft Weininger nur ein Lächeln: „Bevor Berlusconi in den Knast geht, wird Uli Hoeneß Ehrenvorsitzender beim Bund der Steuerzahler.“ Hierzulande regiert da eher die Angst, zum Beispiel im Erzbistum Köln, seit bekannt ist, dass Bischof Tebartz van Elst sein Amt in Limburg nicht mehr ausüben darf. Dabei sind es die Männer, die vielmehr an ihren Posten kleben, als Frauen. Margot Käßmann‘s Überreaktion mit schnellem Rücktritt, obwohl sie doch gar nicht als Chauffeurin arbeitete, und das „Kleben am Sessel“ von Helmut Kohl sind die Paradebeispiele. Und wer polarisiert sonst noch? Klar, die Geissens. „Da zweifelt man an der Evolution“, so Weininger, der außerdem die Stadtrundfahrt in Dinkelsbühl nicht zu empfehlen wusste.

Was er feststellte: es wimmelt von Experten. Gab es früher nur zwei davon, nämlich Peter Scholl-Latour und die Zahnarztfrau aus der Perlweiss-Werbung, gibt es heute für alles Experten, egal, ob für Adels- oder Terrorismusfragen.

Volker Weininger präsentierte dem begeisterten Publikum eine ausgesprochen weitreichende Themenvielfalt. Die reichte von der Ouzo-Flatrate-Party des Odysseus bis zur Namensgebung für den Nachwuchs: „Bob Geldof ist dabei wohl am Taufbecken Amok gelaufen, oder wie anders lassen sich die Namen seiner Töchter Fifi Trixibelle und Pixi Frou-Frou erklären?“

Weininger schlüpfte dazu immer mal wieder in seine Paraderolle des angetrunkenen Karnevals-Sitzungspräsidenten mit beschränkt-globaler Sicht der Dinge. Das tat er auch bei seinen beiden Zugaben, ohne die ihn das Publikum nicht verabschiedete.

13.03.14: Markus Krebs

Kneipenwitze im Zehn-Sekunden-Takt

Kulturlant: Comedian Markus Krebs trifft die Lachmuskeln des jungen Publikums

Auftakt nach Maß für den neuen Grafschafter Verein „Kulturlant.“ Nach der ersten Comedy-Veranstaltung im Januar in Leimersdorf war auch das Gastspiel von „Hocker-Rocker“ Markus Krebs am Donnerstag in Lantershofener Winzerverein ausverkauft und vom Programm her ein Volltreffer. Krebs‘ Leben findet eigentlich in der Kneipe statt und eben über dieses Leben berichtete der Duisburger in seinem zweiten Soloprogramm, dass in Lantershofen erst zum siebten Mal zur Aufführung kam. Die Resonanz gab ihm Recht, das Publikum konnte sich über eine Unterbeschäftigung von Zwerchfell und Lachmuskulatur nicht beklagen, denn der bekennende MSV-Duisburg-Fan haute die Kneipen tauglichen Gags beinahe im Zehn-Sekunden-Takt raus. Das Schöne: Krebs kann auch über sich selbst und seine Witze noch herzlich lachen, und so riet er dem Publikum erst einmal: „Genießt die Zeit zwischen den Windeln.“ Er gab unumwunden zu, dass er immer noch Bravo-Leser sei, auch wenn er jetzt schon seit 2008 am Starschnitt von Cindy aus Marzahn sammele. Zwischendurch gab es Zitate aus Krebs‘ neuem Heimatroman „Zu Hause ist, wo der Schlüssel passt.“ Zudem stellte er detailliert jedes einzelne Mitglied seines Kegelclubs anlässlich der nach Boppard geplanten Kegeltour vor, die auf der Reeperbahn endete. Zum Beispiel den, der den Sorgerechtsprozess verlor und nun die Kinder am Hals hat. Oder aber seinen Lieblingskumpel, den „Vollpfosten“, der ein Zielfernrohr für die Gaspistole erfand und jetzt im Knast sitzt, weil er Reinigungs-CD’s gebrannt hat.

Sollte die Kneipe einmal als Witz-Reservoir versagen, hat der Hocker-Rocker schon eine neue Quelle aufgetan: das Publikum wird um seine Lieblingswitze gebeten, die werden Teil des Programms und bewertet. In Lantershofen war es „Regina aus Bad Neuenahr“, der das Publikum den meisten Applaus für ihren Witz spendete.

Markus Krebs war im Übrigen nicht alleine nicht Lantershofen gekommen, im Gepäck hatte er mit Michael Schönen noch einen Kollegen aus Leverkusen, der vor allem für seine Wortakrobatik bekannt ist. Schönen gab zu, Katholik zu sein, aber keinen Gebrauch davon zu machen und bekannte sich außerdem dazu, die Warnhinweise auf seinem Fertiggericht nicht gelesen zu haben: „Schmeckt wie selbst gekocht.“ Schönens viertelstündiger Auftritt passte prima in den Comedy-Abend, in dem Markus Krebs zu gewohnt großer Form auflief. Dass er gerade erst eine komplette Karnevalssession mit rund 150 Auftritten hinter sich hat, merkte man dem Hocker-Rocker zu keiner Zeit an.

18.01.14: „Thekentratsch“

Eifersuchtsszenen und das „Feindbild Mann“ im Wechsel

Niederrhein-Duo „Thekentratsch“ begeisterte im Haus des Dorfes

thekentratschEinen buchstäblichen „Einstand nach Maß“ feierte Kulturlant, der neue Grafschafter Kulturverein mit seiner ersten Veranstaltung. Am Samstagabend sahen rund 160 Zuschauer im proppevollen Haus des Dorfes in Leimersdorf das Programm „Schönheit hat immer 2 Gesichter“ des niederrheinischen Duos „Thekentratsch.“ Der Name der beiden Künstlerinnen ist Programm, sind deren herzerfrischende Dialoge doch teilweise in der Kneipe von Kerstin Saddeler-Sierp in Dinslaken entstanden. Es ging in den Szenen immer wieder um die kleinen Eifersüchteleien der Frauen untereinander, aber natürlich auch um das „Feindbild Mann.“ Der bekam immer wieder sein Fett weg und die Männer im Saal des Dorfhauses mußten fürchten, vom Thekentratsch-Duo mit ins Programm einbezogen zu werden.

Stellte Kerstin Saddeler-Sierp den eher ruhigen Part dar, war ihre kongeniale Partnerin Heike Becker ein steter Wirbelwind, der mächtig auszuteilen, aber ebenso wenig einzustecken wußte. Sie ist ein wahres schauspielerisches Naturtalent, die wie keine andere durch Ihre einzigartige Mimik das Publikum in Ihren Bann zieht. „Wir sind gestern Morgen losgefahren, um pünktlich hier zu sein“, so Heike Becker zu den eher gemäßigten Fahrkünsten ihrer Partnerin, um weiter festzustellen: „Du wirst auf der Straße nicht geblitzt, du wirst gemalt. Oder in Stein gemeißelt!“ Dass sie selbst wegen Alkohol und Raserei keinen Führerschein mehr habe, wurde eher am Rand bemerkt. Auf alle Fälle schenkten sich die beiden gegenseitig nichts, sie waren nicht auf den Mund gefallen und musikalisch noch dazu. Kerstin Saddeler-Sierp an der Gitarre begleitete das Duo bei seinen musikalischen Vorträgen, die sich gerne und immer wieder an die Männer richteten. „Schütt schon mal das Putzwasser ein“, „Hasskappenblues“ oder „Ich möchte eine Bombe werfen“, so die vielsagenden Titel.

Ebenso brillant aber waren auch die Mutter-Tochter-Telefonate am frühen Samstagmorgen. Sie zeigten, wie herrlich man doch am Telefon aneinander vorbeireden kann und dabei das einfache Backrezept mit dem Rezept für eine langjährige Partnerschaft verwechseln kann. Das Leimersdorfer Publikum bog sich vor Lachen. Kein Wunder, dass „Thekentratsch“ am Ende erst nach zwei Zugaben von der Bühne entlassen wurde.