06.03.15: Purple Schulz

Lieder zum Lachen und Lieder zum Weinen

Purple Schulz präsentierte in Lantershofen ein anspruchsvolles Konzert

„Purple Schulz“, Kölner Sänger und Liedermacher, war am vergangenen Freitagabend zu Gast bei Kulturlant in der Grafschaft. Gemeinsam mit seinem Begleiter “Der Schrader“ bot er im Winzerverein Lantershofen ein beinahe dreistündiges Konzert, das einen musikalischen Querschnitt durch sein mehr als 30-jähriges musikalisches Schaffenswerk aufzeigte. Natürlich waren sie dabei alle zu hören, die Hits, die Purple Schulz in den 1980er Jahren prägten, und das waren beileibe nicht wenige. „Ich hatte eigentlich nur noch „Verliebte Jungs“ und „Sehnsucht“ im Hinterkopf, aber das es doch so viele Hits waren, hätte ich nicht gedacht“, drückte ein Konzertbesucher am Freitagabend in Lantershofen aus, was wohl viele der gut 150 Besucher im Winzerverein gedacht haben mögen. Mit Schulz trat dort einer der Deutsch-Pop-Sänger aus den 1980er Jahren auf, die seinerzeit kurz nach den Blödeltexten der Neuen Deutschen Welle die Hitparaden eroberten. Damals füllte Purple Schulz riesige Hallen und räumte Preise wie die „Goldene Europa“ ab. „Darauf habe ich längst keinen Bock mehr“, gab er gegenüber den Veranstaltern vom Verein Kulturlant e.V. zu. Kleine Säle und dabei ganz nah am Publikum sein, dass macht dem Kölner Sänger und Entertainer heute Spaß. Und darum war er auch nach Lantershofen gekommen.

Dort waren es beileibe nicht nur die bekannten Gassenhauer, mit denen Schulz das sangesfreudige Publikum zu unterhalten wußte. „Es wird ein Drei-Gang-Menue werden heute Abend“, war die klare Ansage. Das bedeutete zunächst einen Einblick in sein aktuelles Werk „So und nicht anders“, dem ersten gemeinsam Werk von Schulz und seiner Frau nach mehr als 25 Ehejahren.

Im Saal des Winzervereins war es beinahe stockdunkel, als sich „Purple“, wie ihn all seine Freunde nennen, singend leise singend den Weg durchs Publikum auf die Bühne bahnte. „Ich hab Feuer gemacht“ erzählte vom Werdegang des kleinen Kindes hin zum Erwachsenen. „Geh deinen eigenen Weg“ wollte Schulz ausdrücken, verdeutlicht durch Verse, wie „Visionen sind wichtig, Träume sind gut. Spinnen ist richtig, verrückt sein braucht Mut.“ Gleich mit dem ersten Titel hatten Schulz und Schrader das Publikum auf ihrer Seite. In der Folge ließen sie kaum ein aktuelles Thema aus. Sei es die Alzheimer-Erkrankung des Vaters im Lied „Fragezeichen“ oder aber die aktuelle Religionsdebatte mit all ihren Folgen. Sei es die Gratwanderung zwischen Normalität und Wahnsinn in „Die dünne Wand“ oder aber der veräppelnde Aufarbeitung der Ernährungs- und Gesundheitswelle, die aus Metzgereien Bioläden werden lässt: „Ich wollt doch nur Aufschnitt nehmen und nicht diese Tofu-Creme.“

Im zweiten Gang des Menüs kamen dann die auf ihre Kosten, die Schulz aus den 1980er-Jahren kannten. „Verliebte Jungs“, „Du hast mir gerade noch gefehlt“, „Sehnsucht“ oder „Kleine Seen“, da wurden Erinnerungen wach. Klar fehlt auch der Schrei, der Schulz berühmt machte, nicht: „Ich will raus.“ Und ebenso klar, dass ein Kölner nicht am Thema Nummer eins seiner Stadt, dem Karneval, vorbeikommt, auch wenn er dort nicht auftritt. Seine Persiflage auf das jecke Treiben aber kam an, der Saal stimmte lauthals ins „Kölle Alaaf“ ein. Da war das Duo schon längst beim dritten Gang seines Menüs, dass mit einem ernsten Thema endete. Im Stück „Der letzte Koffer“ hat der Künstler das Thema „Tod und Abschied nehmen“ in Gedenken an seinen Freund Fritz Roth aus Köln verarbeitet. Am Ende: Frenetischer Applaus und stehende Ovationen. Nicht nur für Purple Schulz, sondern auch für dessen genialen musikalischen Partner „Schrader“, der großen Anteil am Erfolg des Abends hatte. Auch Schrader ist hochdekoriert, komponiert und co-produziert beispielsweise mit Guildo Horn & den Orthopädischen Strümpfe, mit denen er am Grand Prix d’Eurovision ’98 in Birmingham teilnahm. „ECHO“, die „goldene Stimmgabel“ und den „Viva-Comet“, als das hat er in der Vitrine stehen. Zurecht, so das Publikum in Lantershofen.

15.01.15: Hennes Bender

Das Entkleiden gelang selbstständig

Comedian Hennes Bender präsentierte sich in Lantershofen in Bestform

Mit dem Gastspiel „klein/laut“ des TV-bekannten Comedian Hennes Bender hat der Verein Kulturlant e.V. am Donnerstag seine Comedyreihe im Lantershofener Winzerverein fortgesetzt. Gut 150 Gäste wollten dabei hören, was Bender, den sein Comedy-Kumpel Jochen Malmsheimer als das „Cornichon des deutschen Kabaretts“ tituliert, zu sagen hat. Bender brachte das Publikum dabei zu einem Dauergrinsen. Kein Wunder, wenn der 1,62-Mann mit den Worten „Früher, als ich klein war…“, beginnt. Denn klein ist er heute noch, sogar noch kleiner, als vor ein paar Jahren. Da war es noch 1,63 Meter. „Andere Körperteile wachsen im Alter“, wußte Bender zu berichten. Aber: „warum werden die Ohren größer und ich höre trotzdem immer schlechter.“

Bender gab sich in Lantershofen keineswegs kleinlaut, er war gewohnt klein und laut, wenn auch nicht mehr so laut, wie in früheren Programmen. Ist auch kein Wunder, er ist ja schon 47 und regt sich nicht mehr über alles auf. „Das ist ein Art resignative Reife“, so die Selbstdiagnose. Zudem habe man sich in diesem Alter auch zu benehmen, wie ein 47-jähriger. Aber was heißt das und woher soll er das wissen. Bender war ja vorher noch nie 47. Sprach es, und zeigte dem Publikum stolz die Verpackung seines Reisegepäcks: ein Rollkoffer im Design des tollpatschigen Robotors R2D2 aus der Kult-Serie „Stars-Wars.“ Ja, Bender ist auch heute noch durch und durch Star-Wars-Fan. Aber dazu später mehr.

Der „König der Stand-up-Comedy“ machte sich erst einmal ein Bild: von Lantershofen, der Grafschaft, der Weingegend und von seinem Publikum, mit dem er den ganzen Abend über köstlich zu kommunizieren wußte. Dabei setzte er zu einem Rundumschlag über seine Wahrnehmungen in der realen und der virtuellen Welt um. Kaum ein Thema, dass nicht zur Sprache kam. Oberflächlichkeit konnte man ihm dennoch nicht vorwerfen. Wenn es was zu nörgeln gab, dann auch bitte detailliert. So schaute er früher gerne Fernsehen, bis zu jener ominösen Verkaufsshow, in der die Fernsehverkäuferin den Brotkasten mit den Worten „Viel Spaß beim Brotaufbewahren“ anpries. Seither ist bei Benders in Bochum die Mattscheibe schwarz. „Wenn Werbung nervt, boykottiere ich die Produkte“, machte der Comedian klar. Soll heißen: er ißt kein Müsli von Saitenbacher. Und wenn die Windschutzscheibe kaputt ist und ein Schneesturm tobt – zu Carglass fährt er trotzdem auf keinen Fall. Ein wenig politisch wurde es auch, da ging es in Richtung von Verteidigungsministerin von der Leyen (die Waffen der Bundeswehr sind Restbestände von Yps), gegen oberflächliche Aussagen der Bundeskanzlerin und natürlich zu Peer Steinbrücks „Was-Wäre-Wenn“ Spruch „Hätte, hätte Fahrradkette.“ So manch einer bekam sein Fett weg, nur für Papst Franziskus fand Bender lobende Worte: „Er sagt Sachen, die hat noch nie ein Papst gesagt.“ Dafür aber widmete er dem „Grafen“, also dem Sänger der Band „Unheilig“ für dessen Erfindung des Beerdigungs-Pop eine Hommage.

Mehr als zwei Stunden plauderte Hennes Bender in Lantershofen, zumeist in rasender Geschwindigkeit. Wer zu lange lachte, hatte schon wieder einen Gag verpasst. Kultig wurde es dann bei den beiden Zugaben, wo er zunächst im SpongeBob Schwammkopf-Kostüm auflief. Bender wird vielfach mit dem deutschen Synchronsprecher Santiago Ziesmer verwechselt, der den Spongebob fürs deutsche Fernsehen spricht. Bender hat die Quietsch-Stimme aber auch drauf, an der Nummer kommt er in keiner seiner Shows vorbei. Am Ende gab es dann auch noch einen Strip zu Joe Cockers Musik „You can leave your hat on.“ Kein normaler Strip, denn Bender entblätterte sich zu Disco-Nebel und Light-Show aus einem Star-Wars-Kostüm, und zwar bis aufs Blech. Auslöser der Nummer war vielleicht sein Befund aus dem letzten Gesundheits-Check-Up, in dem der Arzt notiert hatte: „Das Entkleiden gelingt selbstständig.“

10.01.15: Jazz ohne Stress

Jazz kann unheimlich spannend sein

Mehr als 250 Musikfans erlebten in Lantershofen hochklassige Konzerte

Bereits zum 11. Mal fand am vergangenen Wochenende die Konzertreihe „Jazz ohne Stress“ statt. Nach einem Ausweichjahr in Dernau war der Wahl-Essenener Jonas Röser dieses Mal zurück in seinen Heimatort Lantershofen gekehrt, präsentiert wurden die beiden Jazzabende im Saal des Winzervereins erstmals vom Verein Kulturlant e.V. Hinter „Jazz ohne Stress“ steckt die Idee, bei guter Musik und einem Glas Wein oder Bier einmal komplett abschalten zu können.

Dabei war es in der Vergangenheit stets die Veränderung bei der Zusammenstellung der Musiker, welche Jonas Röser von einem Jahr zum nächsten um sich scharrte, die immer wieder für neue musikalische Überraschungen sorgte. Genau darauf hat Saxofonist Röser in diesem Jahr zumindest im ersten Teil des Konzertes verzichtet. Die Besetzung mit ihm am Altsaxophon, Caspar van Meel am Kontrabass und Schlagzeuger Dominic Brosowski entsprach exakt der Vorjahresformation. Die drei treten inzwischen immer wieder unter dem Bandnamen „Tricycle“ auf. „Das hat viele Vorteile“, so Röser, der weiter erläuterte: „Wir haben Tricycle aus unserem ehemaligen Quartett formiert. In dieser Besetzung können wir gelebte Kunst zeigen. Wir leben alle in Essen und können regelmäßig zusammen proben, unsere eigene Musik gestalten und dabei ein sehr hohes Niveau erreichen.“

Dass die drei perfekt eingespielt waren und dabei sprichwörtlich blind miteinander musizieren können, kam beim äußerst jazzkundigen Publikum in Lantershofen sehr gut an. Es war ein musikalisch recht ruhig und entspannend präsentierter erster Teil. Eigenkompositionen, wie der erst vor wenigen Tagen entstandene Klagegesang „Johnny’s Lament“ mit Elementen der Groovemusik in Anlehnung an die Popkultur fanden ebenso viel Beifall, wie ideenreiche Covermusiken. Beispielhaft war hier das Arrangement Caspar van Meel‘s zum Nirvana-Hit „Come as you are.“

Im zweiten Konzertteil wurde es enger auf der Bühne, aus dem Trio war nun ein Sextett geworden. Pianist Lukasz Flakos hatte Platz genommen, dazu gesellten sich die Geschwister Marion Wichterich und Michael Feist. Die beiden kommen aus dem niedersächsischen Städtchen Dassel. Der Zufall führte sie mit Tricycle zusammen, man hatte sich am Rande des Jazzfestivals in Marienthal im Ahrtal kennengelernt. „Das war eine total spannende Zusammenarbeit“, berichtete Jonas Röser. Die Musik von Marion Wichterich und Michael Feist wurde auf ihre Essener Musikerkollegen abgestimmt und von diesen so bearbeitet, dass sie gemeinsam zu Gehör gebracht werden konnte. Dabei trafen kreative Improvisationen auf ehrliche Grundfeste des Songwriting. Denn die Geschwister schreiben Musik, die direkt aus dem Bauch ins Herz trifft. Die Lieder, die sich stilistisch zwischen Country, Blues, Jazz, Rock und Funk bewegen, handelten von den großen Gefühlen, die die Welt bewegen. Liebe und Hass, Freude und Not, Verzweiflung und Hoffnung fanden Ausdruck im rohen, erdigen Sound der beiden. Es wurde musikalisch nun lebhafter, wofür nicht zuletzt Sängerin Marion Wichterich mit ihrer markant soulhaften Stimme verantwortlich war. Songs wie „Conclusion“ oder „Not at all“ sorgten zumindest für ein Wippen mit den Füßen beim Publikum, dass mit zunehmender Konzertdauer immer mehr mitging und sich von den Musikern begeistern ließ. Am Ende waren dann mehr als drei stressfreie Stunden vergangen, die den Jazzfreunden ein sichtlich großes Vergnügen bereitet hatten.

12.12.14: Winterjeck

Auf Weihnachtslieder geschunkelt

Bei Winterjeck stimmte die Mischung zwischen Weihnachten und Karneval

Das ist nicht leicht für den echten Rheinländer: kaum hat am lange ersehnten 11. im 11. die neue Karnevalssession begonnen, muss diese auch schon wieder abrupt unterbrochen werden, weil das Weihnachtsfest mit der vorgeschalteten Adventszeit vor der Tür steht. Manch eine der einschlägigen Karnevalsbands tauscht dann die Narrenkappe mit Rauschebart und der roten Zipfelmütze. „Kölsche Weihnacht“ ist seit Jahren ein Renner der Vorweihnachts-Veranstaltungen. In Lantershofen waren es am Freitag rund 100 Gäste, die sich auf Einladung des Vereins Kulturlant eine Show namens „Winterjeck“ anschauten. Die wurde präsentiert vom kölschen Trio „Joker Colonia“, dass seit einigen Jahren die Mischung aus Weihnachten und Karneval vollzieht. Das heißt dann im Untertitel „Christelowend.“ Die Band mit Marcel Feger, Patrik Reichwein und Hebby Keulerz macht eigentlich im Karneval ihr Ding, kann aber auch besinnlich. In der Mischung sah dies am Freitag in Lantershofen so aus: Joker Colonia spielte Weihnachtsmusik und das Publikum im Saal des Winzervereins schunkelte dazu.

Kaum hatten Joker Colonia mit der Präsentation ihrer kölsch-weihnachtlichen Songs begonnen, tauchte ein überproportioniertes Engelchen auf. Hinter dessen Flügeln verbarg sich Comedian Kai Kramosta, der nicht zum ersten Mal im Lantershofener Saal zu sehen war, erstmals aber in diesem Outfit. Kramosta sah zwar so aus, mit Weihnachten hat der Kölner Büttenredner aber nicht viel am Hut. Da sind eher derbe Sprüche gefragt, und wer in vorderster Reihe sitzt, muss sich nicht wundern, wenn er in der Show ungewollt auch eine Rolle spielt. Kramosta trat gar nicht erst auf die Bühne, sondern spielte davor und spielte vor allem mit dem Publikum. Auf die kaputte Strumpfhose des Engelskostüms angesprochen, meinte er nur: „Wo der Wellensittich tot ist, kann der Käfig ruhig offen stehen.“ Auch so manch Prominenter bekam sein Fett weg: „Wenn Conchita Wurst alleine in der Sauna sitzt, ist es schon eine gemischte Sauna.“ Gut zu wissen. War er zunächst noch ein Engelchen, trat Kramosta später in die Rolle des Eifelhandwerkers, die ihm auf den Leib geschneidert schien. In bestem Pellenzer Dialekt – der Comedian kommt aus dem Eifelort Nickenich – zog er über alles und jeden her. Das Publikum bog sich vor Lachen, auch wenn es selbst Zielscheibe Kramostas war.

Es war aber auch richtig weihnachtlich bei Winterjeck, dafür sorgte Sängerin Sarah Lutze. Die begeisterte Hobby-Sängerin war einst im Kölner Jugendchor St. Stephan aktiv, der für sein Engagement im Karneval bekannt ist. Im glitzernden Kleid gab Sarah Lutze der Veranstaltung des Weihnachtstouch, sang kölsche, deutsche und auch internationale Weihnachtslieder und regte das Publikum an, mitzusingen. Die Mischung aus Karneval und Weihnachten stimmte auf jeden Fall bei Winterjeck, auch wenn es am Ende das „Jecke“ überwog. Denn Joker Colonia durften sich erst nach vier Zugaben von der Bühne verabschieden, da mussten sie zwangsläufig auf ihr karnevalistisches Repertoire zurückgreifen.

Mit der Show Winterjeck feierte Kulturlant Geburtstag. Der Kulturverein war auf den Tag genau ein Jahr vor der Christelowend-Show gegründet worden und hat seither 13 Kulturveranstaltungen in der Grafschaft ausgerichtet. Das neue Jahr beginnt für den Verein mit der Doppelveranstaltung „Jazz ohne Stress“ am 9. und 10. Januar, ehe am 15. Januar Comedian Hennes Bender sein aktuelles Programm „klein/laut“ in Lantershofen präsentiert. Für beide Veranstaltungen sind noch Karten erhältlich.

23.11.14: Stingchronicity

„De Do Do Do De Da Da Da“

Stingchronicity sorgten in Lantershofen für ein ausverkauftes Haus und allerbeste Laune

Knapp zehn Jahre lang war die britische Band „The Police“ eine der tonangebenden Musikgruppen, die in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren die Pop-Rock-Musik entscheidend beeinflusste. The Police gelten als die erfolgreichste Rockformation der Post-Punk- und New Wave-Bewegung. Anfangs vom Reggae und Ska inspiriert, experimentierte das Trio später auch mit Elementen von Weltmusik und Jazz. Markantes Erkennungsmerkmal der Band: die Stimme ihres Sängers „Sting“, der in den 1980er Jahren auch als Solomusiker zu Weltruhm kam.
Genau diese markante Stimme ist auch Stephan Maria Glöckner zu Eigen. Der Musiker aus dem Ahrtal coverte schon vor vielen Jahren die Musik von Sting und The Police. Jetzt hat Glöckner ein neues Bandprojekt ins Leben gerufen, dass sich noch intensiver mit der Musik der Briten befasst: „Stingchronicity.“ Die vierköpfige Formation lässt das Werk von Sting aufleben, die beinahe identische Stimme Glöckners mobilisiert die Fans. Wie am Samstagabend, als Stingchronicity in Lantershofen im ausverkauften Winzerverein gut zweieinhalb Stunden das Publikum zu begeistern wußten. Der Grafschafter Verein Kulturlant hatte eingeladen.

Hit an Hit hatten Sting und The Police produziert. Alleine vier der fünf Studioalben von The Police belegten in den britischen Hitparaden Platz eins. Kein Wunder, dass von der Bühne herab ein Gassenhauer nach dem anderen zu hören war. Schnell war der Funke zum Publikum übergesprungen, dass begeistert mitmachte und sich textsicher präsentierte. Hits wie „Roxanne“, „Message in a bottle“, „So lonely“ und natürlich „De Do Do Do De Da Da Da“ wurden begeistert mitgesungen. Und auch, als es bei den Sting-Stücken wie „Englishman in New York“, „Russians“ oder „Fields of gold“ musikalisch etwas ruhiger wurde, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Band wurde frenetisch gefeiert. Kein Wunder, brachten sie die Musik doch mit hoher Professionalität und Perfektion zu Gehör.

Neben Frontmann Stephan Maria Glöckner zu hören waren der studierte Jazz-Gitarrist Thomas Schmittiger, der bisher unter anderem in Bands wie Triowabohu oder der Frank Zappa Cover Band „Grandsheiks“ sein Können unter Beweis stellte. Achim Klein spielte E- und Kontrabass, auch er ist im Jazz zu Hause. Michael Wilsberg bewies dazu, dass er Schlagzeuger aus Leidenschaft ist. Souverän stellte er die rhythmische Basis. Und sang ganz nebenbei die Backings.

Zum Auftakt des Konzertabends gab der erst 18-jährige Silvan Dünker einen Einblick in sein musikalisches Schaffen. Der junge Musiker aus Ahrweiler, der sich in der Songwriter-Tradition von Philipp Poisel und Clueso beheimatet sieht, präsentierte selbstkomponierte Stücke, die vom Alltag junger Erwachsener und deren Ansichten handelten. „Das hätte ich mich mit 18 nicht getraut“, war auch Stephan Maria Glöckner vom Auftritt Silvan Dünkers angetan, der erfahrene Musiker zollte dem Nachwuchstalent großes Lob.

13.11.14: Michael Eller

Schwere Zeiten für einen alternden Rocker

Mit Mitte 40 sieht Comedian Michael Eller die Welt aus allerlei Perspektiven

Zu den TV-Stars der Comedy-Szene in Deutschland gehört Michael Eller nicht, aber das, was er rund 100 Gästen bei Kulturlant e.V. am Donnerstag in Lantershofen zu sagen hatte, strapazierte die Lachmuskeln dennoch extrem. Eller, 46 Jahre alt und im tiefen Inneren immer noch ein junger Rock’n’Roller, brachte dabei offen zutage, dass er so seine Problemchen mit dem Älterwerden hat, seit er eines morgens beim Blick in den Spiegel erschreckt feststellen mußte: „Auch ich welke.“ Grund genug, Blicke zurück und nach vorne zu wagen. Was war früher, was ist heute? Eines fiel dem bekennenden Zigaretten-Konsumenten gleich auf: dank des Rauchschutzgesetzes sterben die Raucher heute nicht mehr an Lungenkrebs, sondern an Lungenentzündung.

Und wie denken die Menschen anderen Alters über den Mitt-Vierzieger? Klar, die heutige Jugend sieht in ihm den gaaanz alten Menschen. Das war in den jungen Jahren des Michael Eller nicht anders, nur nutzen die Teens von heute dazu einen anderen Satzbau: Subjekt – Prädikat – Beleidigung – „Alder!“ Ein Beispiel: „Ey, geh doch wo du wohnst, Alder.“ Oder so ähnlich. Krasser Gegensatz: die Uralt-Senioren mit klarer Ansage: „Mitte 40? Das ist doch gar nix, du hast doch noch nix erlebt.“

Also muss sich Nachkriegskind Eller (nach dem Vietnam-Krieg) seine eigene Sicht auf seine Situation machen. Und er fängt bei den Haaren an. Die Geheimratsecken sind nur noch Ratsecken, weil nicht mehr geheim zu halten. Dafür wachsen die Haare woanders, zum Beispiel in den Ohren: „Höre ich jetzt vielleicht flauschiger?“ Mitte 40 ist auch eine gute Zeit, die Ehe scheitern zu lassen. „Aber da sind meistens beide dran schuld“, weiß Eller, „also Frau und Schwiegermutter!“ Auch der Drogenkonsum ändert sich, und zwar von Koks auf Granufink. „Und wenn ich merke, dass ich pinkeln muss, habe mich meistens schon angefangen.“ Auch das mußte mal gesagt werden, wie so viele Sprüche, die der Altrocker raushaute. Die meisten davon waren gesellschaftstauglich, manche sollte man sich vor der Wiedergabe gründlich überlegen. Unter die Gürtellinie rutsche der Comedy-Vortrag deswegen aber nicht, da bekam Eller immer wieder rechtzeitig die Kurve und schwenkte in die eigene Jugend. Da gab im Fernsehen drei Programm, „Biolek“ begann zu kochen und „Klementine“ machte die Wäsche sauber. Es gab drei Sorten Pflegmittel für die Zähne, darunter „Blendi“ für die Kinder. „Heute haben wir Hartz IV, früher hatten wir Winnetou III.“ Passt nicht ganz, sorgte aber für ein Nicken im Publikum, dass in seiner Altersstruktur dem Wahl-Mainzer, dem man seine sechs Lebensjahre in Frankfurt im Zungenschlag deutlich anhörte, recht ähnlich war. Eller sprach den Gästen in Lantershofen also aus der Seele, und darum konnte er seine Comedy-Tour auch erst nach zwei Zugaben beenden.

31.10.14: Jukeboxparty

Tanzen bis die Füße qualmen

Lantershofen erlebte zum dritten Mal die „Jukeboxparty“

Zum dritten Mal fand am vergangenen Freitag in Lantershofen die „Jukeboxparty“ statt, eine sogenannte Ü30-Disco. Hinterm Mischpult stand einer, der sein Handwerk versteht: Johannes Held. Der 47-jährige gebürtige Bonner, der heute in Mayen lebt, verstand es, die Tanzfläche von der ersten Minute an zu füllen. Held ist bereits seit den 1980er-Jahren als Discjockey aktiv, seit der Schulzeit also. „Das waren die Zeiten, als die mobilen Discos auf dem Land der große Renner waren. Da haben wir den ganzen Westerwald abgegrast“, erinnert er sich. Die, die es damals in die Festzelte oder Säle zog, sind heute regelmäßige Gäste bei den Ü30-Partys. „Dabei ist das ein großer Oberbegriff für verschiedene Arten von Partys. Im Ruhrgebiet ist bei Ü30-Partys vornehmlich Schlagermusik zu hören, in anderen Gegenden ist es Rockmusik, in den Städten wird eher Clubsound aufgelegt“, so Held. Sein Konzept: Tanzmusik aus den vergangenen fünf Jahrzehnten, Schwerpunkt sind dabei die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Aber auch aktuelle Hits, sind zu hören. Zumal Held keine starre Liedfolge abspielt, Wünsche werden am Abend oder auch per Mail schon vorab gerne entgegen genommen. Klar, dass in Lantershofen neben den Hits von Abba, Boney M. oder der Filmmusik aus „Dirty Dancing“ auch Helene Fischer ihren Platz fand. „Es ist aber auch Musik dabei, die man zwar noch kennt, aber nicht alle Tage zu hören bekommt“, verrät Held, die immer volle Tanzfläche beweist: das Konzept mit dem Mix aus sanften und rockigen Tönen kommt an. Selbst ein „eingestreuter Walzer“ vertreibt niemanden aus dem Saal.

„Jukeboxparty“ ist ein eigenständiges Label, mit dem Johannes Held seit dem Jahr 2002 durch die Lande zieht. Rund 200 Mal hat er sein aufwändiges Konstrukt, dass an eine überdimensional Jukebox erinnert, schon aufgebaut. Einen ganzen LKW an Material brachte das Team am Freitagmittag nach Lantershofen. Das Herzstück ist die Beschallungsanlage. „Das wichtigste ist eine gute Soundanlage, die die Musik angenehm laut wiedergibt“, so Held. Die „Lightshow“, für deren Steuerung der Discjockey einen eigenen Lichttechniker einsetzt, fördere den Stimmungsfaktor im Saal. Hier verwendet die Jukeboxparty modernste Effekte bis hin zu Pyrotechnik und Feuereffekten auf der Bühne.

Held, der als Tontechniker beim Südwestrundfunk arbeitet, ist auch beim Sender als Discjockey aktiv. Gerade dann, wenn der SWR mit seiner „Night Fever Party“ übers Land zieht, steht er oftmals am Mischpult. Diese Party, die von den Moderatoren des Senders präsentiert wird, hat ein ganz anderes Konzept, hier stehen die Hits der 1970er und 1980er Jahre klar im Vordergrund. Seit 2001 gibt es die Night Fever Party, Held war Discjockey der allerersten Veranstaltung des SWR in Enkirch. Ein Jahr später rief er die Jukeboxparty ins Leben und startete damit in Fachbach an der Lahn. Seither schlägt er dort regelmäßig seine Zelte auf, die Veranstaltung dort ist immer schnell ausverkauft.

In Lantershofen legte Held nun zum dritten Mal auf, jeweils am Vorabend des Allerheilige-Feiertags. Dass dann auch „Helloween“ gefeiert wird, interessiert bei der Jukeboxparty nur am Rande. „Dieses Event ist keine Helloween-Party, sondern eine Ü30-Disco“, machte Held deutlich. Und so zog es am Freitag auch keine maskierten Gäste nach Lantershofen, wo der Verein Kulturlant e.V. erstmals Veranstalter der Party war. Der änderte das Konzept gegenüber den Vorjahren grundlegend. Waren bisher die Gäste ausschließlich im Saal des Winzervereins untergebracht, konnten sie nun auch die ehemalige Gaststätte mit nutzen. Als Rückzugsraum, wenn die Füße qualmten, sozusagen. Auch das Getränkeangebot erweiterten die Veranstalter auf die Interessen des Publikums. Bei vergangenen Partys hatte es beispielsweise keinen Wein gegeben, das war nun anders. Die von Kulturlant e.V. als „äußerst angenehmes Publikum“ bezeichneten Gäste nahmen die neue Aufmachung an und fühlten sich wohl. „Eine tolle Veranstaltung für alle, die gerne tanzen oder einfach nur noch einmal die Musik aus früheren Tagen hören wollen“, so eine Besucherin, als wieder einmal einer der „größten Hits aller Zeiten“ angestimmt wurde.

25.10.14: AC/BC

Kanonendonner im Winzerverein

Coverband „AC/BC“ ließen es so richtig krachen

Es war eine Riesenparty für die AC/DC-Fans der Region: die Cover-Band AC/BC wartete am Samstagabend im Lantershofener Winzerverein mit einer Hommage an die australische Rockband auf, die es in sich hatte. Zweieinhalb Stunden lang sah sich der altehrwürdige Saal in einen Rockpalast verwandelt, in dem die fünfköpfige Band um Frontmann Klaus Opreé eine Tribute Show lieferte, die buchstäblich das „volle Programm“ enthielt. Purer Rock’n’Roll, donnernde Kanonen und eine “Angus Kopie” vom Feinsten begeisterten das Publikum im gut gefüllten Saal. Klar, dass das Publikum vor allen Dingen bei den Superhits der Band tobte: „Thunderstruck“, „Hells Bells“ oder „Highway to hell.“ Die Musikauswahl mit mehr als 20 Stücken reichte von der “Bon Scott Ära” bis zum aktuellen “Black Ice Album.”

Vor allen Dingen Klaus Opreé in der Rolle des „Brian“ und Lead-Gitarrist Wolfram als perfekter „Angus Young“ heizten die Menge immer wieder auf. Oberle alleine zog eine Wahnsinnshow ab, rockte auf der Theke statt auf der Bühne und lies im Saal auch mal die Hüllen fallen. Aber auch Bernd Gummersbach am Schlagzeug, Micha Kröll am Bass und Wulf Hanses-Ketteler (Rhytmus Gitarre) stellten unter Beweis, dass AC/BC schon jahrelang zusammen arbeiten und ihre australischen Vorbilder perfekt kopieren können. Höhepunkt und Abschluss der zweieinhalbstündigen Show waren schließlich pyrotechnische Einlagen aus einer echten Kanone, deren Schläge in Kombination mit den johlenden Fans für absolutes Gänsehaut-Gefühl sorgten.

„Eine super Show und ein tolles Konzert“, zeigten sich die AC/BC-Fans, die längst eine eigene Fangemeinde bilden, am Ende überglücklich und hochzufrieden. Für den veranstaltenden Verein „Kulturlant e.V.“ war es ebenfalls ein voller Erfolg. Das erste Konzert der neuen Kultur-Spielzeit des Vereins wurde mit einem neuen Konzept präsentiert, dass neben der Konzert-Location im Saal des Winzervereins auch einen Rückzugsbereich in der ehemalige Gaststätte beinhaltete. Hierhin konnte man sich zurückziehen, um einmal durchzupusten. Live-Musik bietet Kulturlant schon bald wieder an: am 22. November kommt Stephan Glöckner mit seinem neuen Bandprojekt „Stingchronicity“ nach Lantershofen, um dort die Musik von Sting und „The Police“ zu covern.

08.10.14: Ausbilder Schmidt

Kein Abend für Luschen, Ex-Zivis oder Studenten

Ausbilder Schmidt präsentiert: „Schlechten Menschen geht es immer gut“ in Lantershofen

Comedian „Ausbilder Schmidt“ kommt am Mittwoch, 8. Oktober, nach Lantershofen. Kulturlant e.V. präsentiert ab 20 Uhr im Winzerverein das Programm „Schlechten Menschen geht es immer gut.“ In einem politisch korrekten Land, in dem alles grün wird ist die Sehnsucht nach wunderbarer politischer Unkorrektheit größer denn je. Die CDU, der FC Bayern, RWE… selbst die Bild Zeitung wird grün. Gut, der Ausbilder ist auch grün, aber olivgrün. Und das macht den Unterschied. Gerade die kleinen Gemeinheiten des Alltags lassen die Glückshormone sprießen, sagt der Ausbilder und gibt Beispiele: Geh doch mal in den Bioladen und bestell dir einfach mal ein Ei aus der Käfighaltung…Ruf doch mal die Hotline an und brüll direkt los – warum sich erst ärgern lassen…? Drängel dich mal in der Einkaufsschlange vor und erzähl allen, dein Porsche Cayenne steht mit laufendem Motor vor der Tür – sie lassen dich durch …!“

Ausbilder Schmidt passt auf, dass unsere „piep-piep-piep-wir-haben-uns-alle-lieb-Gesellschaft“ nicht eine Generation von „bettnässenden Ja-Sagern“ heran zieht. Jaaaa, wer will denn beim Fußball die stille Treppe statt der roten Karte? Wer will denn zu einer Politesse sagen „ja sie haben recht, es tut mir leid“ anstatt sie in Grund und Boden zu beschimpfen. Und nein, wir wollen keinen Unisextarif für die Kindergartengebühr. Jungs kloppen sich und Mädels ziehen sich an den Haaren. Basta. Zum Glück gibt es Ausbilder Schmidt, denn dieser opfert sich mal wieder und geht ganz selbstlos in den Kindergarten um präventiv mit den Kindern zu arbeiten: Keine Macht dem Weicheinismus! Jawoll.

In seinem nun 6. Abendprogramm geht Holger Müller, der Erfinder und Darsteller der Bühnenfigur „Ausbilder Schmidt“ noch mehr auf aktuelle und politische Themen ein. Schließlich gibt der tägliche, aktuelle politische Wahnsinn, wunderbare Erkenntnisse für die „Drill Instructor Sichtweise.“ Der „Chef“, der gerne mal seine Mitmenschen mir-nichts-dir-nichts einfach so anschnauzt… „die werden es schon verdient haben“, gilt als Drecksack der Nation. Ein Komiker der schon seit Jahren bewusst polarisiert. Begeisterte Fans aber auch zahlreiche „Feindgruppen“ sitzen im Publikum des Ausbilders: Frauen, Luschen, Studenten, Lehrer, Ex-Zivis und Warmduscher.

27.06.14: Kai Kramosta

Ein Plädoyer für Schwergewichte

Kai Kramosta war mit seiner Leseshow in Karweiler zu Gast

Kai Kramosta, schwergewichtiger Comedian aus Köln mit Wurzeln im Eifelort Nickenich, stellte auf Einladung von Kulturlant e.V. im Rahmen einer „Leseshow“ am Freitagabend in der Alten Schule in Karweiler sein Buch „Darf der Kleine ein Stück Wurst“ vor. 30 Zuhörer krümmten sich teilweise vor Lachen.

Kramosta ist gerade einmal 30 Jahre alt, im Kölner Karneval als vom Festkomitee ausgebildeter Redner aber schon seit Jahren in der Bütt aktiv. Seit geraumer Zeit tourt er mit einem Comedy-Programm durch die Hallen des Landes, präsentiert seine Sketche vom Eifelhandwerker im Radio und hat jetzt auch noch ein Buch geschrieben. „Darf der Kleine ein Stück Wurst“ fasst Kramostas Tätigkeiten und Erlebnisse zusammen und ist ein deutliches Plädoyer für schwergewichtige Menschen. Klar, dass er da auch feststellt: Nicht 75 Prozent der Deutschen sind zu dick, sondern 25 Prozent sind zu dünn. 160 Seiten stark ist das Taschenbuch. „Ich wollte einmal im Leben was schlankes produzieren“, erklärt Kramosta die überschaubare Dicke des Werkes.

In Karweiler las der Wahl-Kölner nicht nur aus einzelnen Kapiteln, anschaulich brachte er seine Erlebnisse zu Gehör, fand wie die jecken Redner in der Domstadt im Publikum seine „Opfer“ und schlüpfte in vielfältige Rollen. Wie in die des Fußball-Managers Rainer Calmund, der sich zum Frühstück mal eben vier Eier gebraten hat, wie sein Diät-Tagebuch verriet: „Das hat lecker geduftet, denn die Eier waren noch in den Hühnern.“ In der Rolle des Schauspielers Ottfried Fischer tanzte und rappte Kramosta, als karnevalistischer Grabredner mit schwarzer Pappnas und gleichfarbiger Narrenkappe nahm er „pietät-frei“ kein Wort vor den Mund. Seine Paraderolle als „Eifelhandwerker“, der irgendwo zwischen speziellem Fachwissen und absolutem Größenwahn lebt, hielt er dem Publikum ebenfalls nicht vor – und zwar im tiefsten Nickenicher Dialekt.

Gelesen wurde auch, zum Beispiel aus dem Kapitel „Reif von der Insel“, das getreu dem Motto „Aller Umfang ist schwer“ vom Aufenthalt als 15-jähriger im Abnehm-Camp auf Sylt erzählte. Oder im Sport-Kapitel, das feststellte: Schwimmen ist der richtige Sport zum Abnehmen. „Ist klar, das sieht man ja am Blauwal“, konterte Kramosta. Auch die Kinder- und Jugendtage in Nickenich finden Erwähnung, da war die Welt nämlich noch in Ordnung. „Ich war sieben Jahre Messdiener. Der Weihrauch war unser Kiffen.“ Warum nicht?

Auf alle Fälle fand Kramosta, der gerade drei Diäten auf einmal macht, weil er von einer nicht satt wird, massenhaft Gründe, auf das Abnehmen zu verzichten und statt Body-Mass-Index (BMI) eher auf den WFI zu bauen, also den Wohl-Fühl-Index. Und weil es so, sagte er durch seine parodierte Figur „Rainer Calli Camund“ auch ganz deutlich: „Ich bin Second-Hand-Vegetarier: Kuh frisst Gras, ich fress Kuh.“