12.12.14: Winterjeck

Auf Weihnachtslieder geschunkelt

Bei Winterjeck stimmte die Mischung zwischen Weihnachten und Karneval

Das ist nicht leicht für den echten Rheinländer: kaum hat am lange ersehnten 11. im 11. die neue Karnevalssession begonnen, muss diese auch schon wieder abrupt unterbrochen werden, weil das Weihnachtsfest mit der vorgeschalteten Adventszeit vor der Tür steht. Manch eine der einschlägigen Karnevalsbands tauscht dann die Narrenkappe mit Rauschebart und der roten Zipfelmütze. „Kölsche Weihnacht“ ist seit Jahren ein Renner der Vorweihnachts-Veranstaltungen. In Lantershofen waren es am Freitag rund 100 Gäste, die sich auf Einladung des Vereins Kulturlant eine Show namens „Winterjeck“ anschauten. Die wurde präsentiert vom kölschen Trio „Joker Colonia“, dass seit einigen Jahren die Mischung aus Weihnachten und Karneval vollzieht. Das heißt dann im Untertitel „Christelowend.“ Die Band mit Marcel Feger, Patrik Reichwein und Hebby Keulerz macht eigentlich im Karneval ihr Ding, kann aber auch besinnlich. In der Mischung sah dies am Freitag in Lantershofen so aus: Joker Colonia spielte Weihnachtsmusik und das Publikum im Saal des Winzervereins schunkelte dazu.

Kaum hatten Joker Colonia mit der Präsentation ihrer kölsch-weihnachtlichen Songs begonnen, tauchte ein überproportioniertes Engelchen auf. Hinter dessen Flügeln verbarg sich Comedian Kai Kramosta, der nicht zum ersten Mal im Lantershofener Saal zu sehen war, erstmals aber in diesem Outfit. Kramosta sah zwar so aus, mit Weihnachten hat der Kölner Büttenredner aber nicht viel am Hut. Da sind eher derbe Sprüche gefragt, und wer in vorderster Reihe sitzt, muss sich nicht wundern, wenn er in der Show ungewollt auch eine Rolle spielt. Kramosta trat gar nicht erst auf die Bühne, sondern spielte davor und spielte vor allem mit dem Publikum. Auf die kaputte Strumpfhose des Engelskostüms angesprochen, meinte er nur: „Wo der Wellensittich tot ist, kann der Käfig ruhig offen stehen.“ Auch so manch Prominenter bekam sein Fett weg: „Wenn Conchita Wurst alleine in der Sauna sitzt, ist es schon eine gemischte Sauna.“ Gut zu wissen. War er zunächst noch ein Engelchen, trat Kramosta später in die Rolle des Eifelhandwerkers, die ihm auf den Leib geschneidert schien. In bestem Pellenzer Dialekt – der Comedian kommt aus dem Eifelort Nickenich – zog er über alles und jeden her. Das Publikum bog sich vor Lachen, auch wenn es selbst Zielscheibe Kramostas war.

Es war aber auch richtig weihnachtlich bei Winterjeck, dafür sorgte Sängerin Sarah Lutze. Die begeisterte Hobby-Sängerin war einst im Kölner Jugendchor St. Stephan aktiv, der für sein Engagement im Karneval bekannt ist. Im glitzernden Kleid gab Sarah Lutze der Veranstaltung des Weihnachtstouch, sang kölsche, deutsche und auch internationale Weihnachtslieder und regte das Publikum an, mitzusingen. Die Mischung aus Karneval und Weihnachten stimmte auf jeden Fall bei Winterjeck, auch wenn es am Ende das „Jecke“ überwog. Denn Joker Colonia durften sich erst nach vier Zugaben von der Bühne verabschieden, da mussten sie zwangsläufig auf ihr karnevalistisches Repertoire zurückgreifen.

Mit der Show Winterjeck feierte Kulturlant Geburtstag. Der Kulturverein war auf den Tag genau ein Jahr vor der Christelowend-Show gegründet worden und hat seither 13 Kulturveranstaltungen in der Grafschaft ausgerichtet. Das neue Jahr beginnt für den Verein mit der Doppelveranstaltung „Jazz ohne Stress“ am 9. und 10. Januar, ehe am 15. Januar Comedian Hennes Bender sein aktuelles Programm „klein/laut“ in Lantershofen präsentiert. Für beide Veranstaltungen sind noch Karten erhältlich.

23.11.14: Stingchronicity

„De Do Do Do De Da Da Da“

Stingchronicity sorgten in Lantershofen für ein ausverkauftes Haus und allerbeste Laune

Knapp zehn Jahre lang war die britische Band „The Police“ eine der tonangebenden Musikgruppen, die in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren die Pop-Rock-Musik entscheidend beeinflusste. The Police gelten als die erfolgreichste Rockformation der Post-Punk- und New Wave-Bewegung. Anfangs vom Reggae und Ska inspiriert, experimentierte das Trio später auch mit Elementen von Weltmusik und Jazz. Markantes Erkennungsmerkmal der Band: die Stimme ihres Sängers „Sting“, der in den 1980er Jahren auch als Solomusiker zu Weltruhm kam.
Genau diese markante Stimme ist auch Stephan Maria Glöckner zu Eigen. Der Musiker aus dem Ahrtal coverte schon vor vielen Jahren die Musik von Sting und The Police. Jetzt hat Glöckner ein neues Bandprojekt ins Leben gerufen, dass sich noch intensiver mit der Musik der Briten befasst: „Stingchronicity.“ Die vierköpfige Formation lässt das Werk von Sting aufleben, die beinahe identische Stimme Glöckners mobilisiert die Fans. Wie am Samstagabend, als Stingchronicity in Lantershofen im ausverkauften Winzerverein gut zweieinhalb Stunden das Publikum zu begeistern wußten. Der Grafschafter Verein Kulturlant hatte eingeladen.

Hit an Hit hatten Sting und The Police produziert. Alleine vier der fünf Studioalben von The Police belegten in den britischen Hitparaden Platz eins. Kein Wunder, dass von der Bühne herab ein Gassenhauer nach dem anderen zu hören war. Schnell war der Funke zum Publikum übergesprungen, dass begeistert mitmachte und sich textsicher präsentierte. Hits wie „Roxanne“, „Message in a bottle“, „So lonely“ und natürlich „De Do Do Do De Da Da Da“ wurden begeistert mitgesungen. Und auch, als es bei den Sting-Stücken wie „Englishman in New York“, „Russians“ oder „Fields of gold“ musikalisch etwas ruhiger wurde, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Band wurde frenetisch gefeiert. Kein Wunder, brachten sie die Musik doch mit hoher Professionalität und Perfektion zu Gehör.

Neben Frontmann Stephan Maria Glöckner zu hören waren der studierte Jazz-Gitarrist Thomas Schmittiger, der bisher unter anderem in Bands wie Triowabohu oder der Frank Zappa Cover Band „Grandsheiks“ sein Können unter Beweis stellte. Achim Klein spielte E- und Kontrabass, auch er ist im Jazz zu Hause. Michael Wilsberg bewies dazu, dass er Schlagzeuger aus Leidenschaft ist. Souverän stellte er die rhythmische Basis. Und sang ganz nebenbei die Backings.

Zum Auftakt des Konzertabends gab der erst 18-jährige Silvan Dünker einen Einblick in sein musikalisches Schaffen. Der junge Musiker aus Ahrweiler, der sich in der Songwriter-Tradition von Philipp Poisel und Clueso beheimatet sieht, präsentierte selbstkomponierte Stücke, die vom Alltag junger Erwachsener und deren Ansichten handelten. „Das hätte ich mich mit 18 nicht getraut“, war auch Stephan Maria Glöckner vom Auftritt Silvan Dünkers angetan, der erfahrene Musiker zollte dem Nachwuchstalent großes Lob.

13.11.14: Michael Eller

Schwere Zeiten für einen alternden Rocker

Mit Mitte 40 sieht Comedian Michael Eller die Welt aus allerlei Perspektiven

Zu den TV-Stars der Comedy-Szene in Deutschland gehört Michael Eller nicht, aber das, was er rund 100 Gästen bei Kulturlant e.V. am Donnerstag in Lantershofen zu sagen hatte, strapazierte die Lachmuskeln dennoch extrem. Eller, 46 Jahre alt und im tiefen Inneren immer noch ein junger Rock’n’Roller, brachte dabei offen zutage, dass er so seine Problemchen mit dem Älterwerden hat, seit er eines morgens beim Blick in den Spiegel erschreckt feststellen mußte: „Auch ich welke.“ Grund genug, Blicke zurück und nach vorne zu wagen. Was war früher, was ist heute? Eines fiel dem bekennenden Zigaretten-Konsumenten gleich auf: dank des Rauchschutzgesetzes sterben die Raucher heute nicht mehr an Lungenkrebs, sondern an Lungenentzündung.

Und wie denken die Menschen anderen Alters über den Mitt-Vierzieger? Klar, die heutige Jugend sieht in ihm den gaaanz alten Menschen. Das war in den jungen Jahren des Michael Eller nicht anders, nur nutzen die Teens von heute dazu einen anderen Satzbau: Subjekt – Prädikat – Beleidigung – „Alder!“ Ein Beispiel: „Ey, geh doch wo du wohnst, Alder.“ Oder so ähnlich. Krasser Gegensatz: die Uralt-Senioren mit klarer Ansage: „Mitte 40? Das ist doch gar nix, du hast doch noch nix erlebt.“

Also muss sich Nachkriegskind Eller (nach dem Vietnam-Krieg) seine eigene Sicht auf seine Situation machen. Und er fängt bei den Haaren an. Die Geheimratsecken sind nur noch Ratsecken, weil nicht mehr geheim zu halten. Dafür wachsen die Haare woanders, zum Beispiel in den Ohren: „Höre ich jetzt vielleicht flauschiger?“ Mitte 40 ist auch eine gute Zeit, die Ehe scheitern zu lassen. „Aber da sind meistens beide dran schuld“, weiß Eller, „also Frau und Schwiegermutter!“ Auch der Drogenkonsum ändert sich, und zwar von Koks auf Granufink. „Und wenn ich merke, dass ich pinkeln muss, habe mich meistens schon angefangen.“ Auch das mußte mal gesagt werden, wie so viele Sprüche, die der Altrocker raushaute. Die meisten davon waren gesellschaftstauglich, manche sollte man sich vor der Wiedergabe gründlich überlegen. Unter die Gürtellinie rutsche der Comedy-Vortrag deswegen aber nicht, da bekam Eller immer wieder rechtzeitig die Kurve und schwenkte in die eigene Jugend. Da gab im Fernsehen drei Programm, „Biolek“ begann zu kochen und „Klementine“ machte die Wäsche sauber. Es gab drei Sorten Pflegmittel für die Zähne, darunter „Blendi“ für die Kinder. „Heute haben wir Hartz IV, früher hatten wir Winnetou III.“ Passt nicht ganz, sorgte aber für ein Nicken im Publikum, dass in seiner Altersstruktur dem Wahl-Mainzer, dem man seine sechs Lebensjahre in Frankfurt im Zungenschlag deutlich anhörte, recht ähnlich war. Eller sprach den Gästen in Lantershofen also aus der Seele, und darum konnte er seine Comedy-Tour auch erst nach zwei Zugaben beenden.

31.10.14: Jukeboxparty

Tanzen bis die Füße qualmen

Lantershofen erlebte zum dritten Mal die „Jukeboxparty“

Zum dritten Mal fand am vergangenen Freitag in Lantershofen die „Jukeboxparty“ statt, eine sogenannte Ü30-Disco. Hinterm Mischpult stand einer, der sein Handwerk versteht: Johannes Held. Der 47-jährige gebürtige Bonner, der heute in Mayen lebt, verstand es, die Tanzfläche von der ersten Minute an zu füllen. Held ist bereits seit den 1980er-Jahren als Discjockey aktiv, seit der Schulzeit also. „Das waren die Zeiten, als die mobilen Discos auf dem Land der große Renner waren. Da haben wir den ganzen Westerwald abgegrast“, erinnert er sich. Die, die es damals in die Festzelte oder Säle zog, sind heute regelmäßige Gäste bei den Ü30-Partys. „Dabei ist das ein großer Oberbegriff für verschiedene Arten von Partys. Im Ruhrgebiet ist bei Ü30-Partys vornehmlich Schlagermusik zu hören, in anderen Gegenden ist es Rockmusik, in den Städten wird eher Clubsound aufgelegt“, so Held. Sein Konzept: Tanzmusik aus den vergangenen fünf Jahrzehnten, Schwerpunkt sind dabei die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Aber auch aktuelle Hits, sind zu hören. Zumal Held keine starre Liedfolge abspielt, Wünsche werden am Abend oder auch per Mail schon vorab gerne entgegen genommen. Klar, dass in Lantershofen neben den Hits von Abba, Boney M. oder der Filmmusik aus „Dirty Dancing“ auch Helene Fischer ihren Platz fand. „Es ist aber auch Musik dabei, die man zwar noch kennt, aber nicht alle Tage zu hören bekommt“, verrät Held, die immer volle Tanzfläche beweist: das Konzept mit dem Mix aus sanften und rockigen Tönen kommt an. Selbst ein „eingestreuter Walzer“ vertreibt niemanden aus dem Saal.

„Jukeboxparty“ ist ein eigenständiges Label, mit dem Johannes Held seit dem Jahr 2002 durch die Lande zieht. Rund 200 Mal hat er sein aufwändiges Konstrukt, dass an eine überdimensional Jukebox erinnert, schon aufgebaut. Einen ganzen LKW an Material brachte das Team am Freitagmittag nach Lantershofen. Das Herzstück ist die Beschallungsanlage. „Das wichtigste ist eine gute Soundanlage, die die Musik angenehm laut wiedergibt“, so Held. Die „Lightshow“, für deren Steuerung der Discjockey einen eigenen Lichttechniker einsetzt, fördere den Stimmungsfaktor im Saal. Hier verwendet die Jukeboxparty modernste Effekte bis hin zu Pyrotechnik und Feuereffekten auf der Bühne.

Held, der als Tontechniker beim Südwestrundfunk arbeitet, ist auch beim Sender als Discjockey aktiv. Gerade dann, wenn der SWR mit seiner „Night Fever Party“ übers Land zieht, steht er oftmals am Mischpult. Diese Party, die von den Moderatoren des Senders präsentiert wird, hat ein ganz anderes Konzept, hier stehen die Hits der 1970er und 1980er Jahre klar im Vordergrund. Seit 2001 gibt es die Night Fever Party, Held war Discjockey der allerersten Veranstaltung des SWR in Enkirch. Ein Jahr später rief er die Jukeboxparty ins Leben und startete damit in Fachbach an der Lahn. Seither schlägt er dort regelmäßig seine Zelte auf, die Veranstaltung dort ist immer schnell ausverkauft.

In Lantershofen legte Held nun zum dritten Mal auf, jeweils am Vorabend des Allerheilige-Feiertags. Dass dann auch „Helloween“ gefeiert wird, interessiert bei der Jukeboxparty nur am Rande. „Dieses Event ist keine Helloween-Party, sondern eine Ü30-Disco“, machte Held deutlich. Und so zog es am Freitag auch keine maskierten Gäste nach Lantershofen, wo der Verein Kulturlant e.V. erstmals Veranstalter der Party war. Der änderte das Konzept gegenüber den Vorjahren grundlegend. Waren bisher die Gäste ausschließlich im Saal des Winzervereins untergebracht, konnten sie nun auch die ehemalige Gaststätte mit nutzen. Als Rückzugsraum, wenn die Füße qualmten, sozusagen. Auch das Getränkeangebot erweiterten die Veranstalter auf die Interessen des Publikums. Bei vergangenen Partys hatte es beispielsweise keinen Wein gegeben, das war nun anders. Die von Kulturlant e.V. als „äußerst angenehmes Publikum“ bezeichneten Gäste nahmen die neue Aufmachung an und fühlten sich wohl. „Eine tolle Veranstaltung für alle, die gerne tanzen oder einfach nur noch einmal die Musik aus früheren Tagen hören wollen“, so eine Besucherin, als wieder einmal einer der „größten Hits aller Zeiten“ angestimmt wurde.

25.10.14: AC/BC

Kanonendonner im Winzerverein

Coverband „AC/BC“ ließen es so richtig krachen

Es war eine Riesenparty für die AC/DC-Fans der Region: die Cover-Band AC/BC wartete am Samstagabend im Lantershofener Winzerverein mit einer Hommage an die australische Rockband auf, die es in sich hatte. Zweieinhalb Stunden lang sah sich der altehrwürdige Saal in einen Rockpalast verwandelt, in dem die fünfköpfige Band um Frontmann Klaus Opreé eine Tribute Show lieferte, die buchstäblich das „volle Programm“ enthielt. Purer Rock’n’Roll, donnernde Kanonen und eine “Angus Kopie” vom Feinsten begeisterten das Publikum im gut gefüllten Saal. Klar, dass das Publikum vor allen Dingen bei den Superhits der Band tobte: „Thunderstruck“, „Hells Bells“ oder „Highway to hell.“ Die Musikauswahl mit mehr als 20 Stücken reichte von der “Bon Scott Ära” bis zum aktuellen “Black Ice Album.”

Vor allen Dingen Klaus Opreé in der Rolle des „Brian“ und Lead-Gitarrist Wolfram als perfekter „Angus Young“ heizten die Menge immer wieder auf. Oberle alleine zog eine Wahnsinnshow ab, rockte auf der Theke statt auf der Bühne und lies im Saal auch mal die Hüllen fallen. Aber auch Bernd Gummersbach am Schlagzeug, Micha Kröll am Bass und Wulf Hanses-Ketteler (Rhytmus Gitarre) stellten unter Beweis, dass AC/BC schon jahrelang zusammen arbeiten und ihre australischen Vorbilder perfekt kopieren können. Höhepunkt und Abschluss der zweieinhalbstündigen Show waren schließlich pyrotechnische Einlagen aus einer echten Kanone, deren Schläge in Kombination mit den johlenden Fans für absolutes Gänsehaut-Gefühl sorgten.

„Eine super Show und ein tolles Konzert“, zeigten sich die AC/BC-Fans, die längst eine eigene Fangemeinde bilden, am Ende überglücklich und hochzufrieden. Für den veranstaltenden Verein „Kulturlant e.V.“ war es ebenfalls ein voller Erfolg. Das erste Konzert der neuen Kultur-Spielzeit des Vereins wurde mit einem neuen Konzept präsentiert, dass neben der Konzert-Location im Saal des Winzervereins auch einen Rückzugsbereich in der ehemalige Gaststätte beinhaltete. Hierhin konnte man sich zurückziehen, um einmal durchzupusten. Live-Musik bietet Kulturlant schon bald wieder an: am 22. November kommt Stephan Glöckner mit seinem neuen Bandprojekt „Stingchronicity“ nach Lantershofen, um dort die Musik von Sting und „The Police“ zu covern.

08.10.14: Ausbilder Schmidt

Kein Abend für Luschen, Ex-Zivis oder Studenten

Ausbilder Schmidt präsentiert: „Schlechten Menschen geht es immer gut“ in Lantershofen

Comedian „Ausbilder Schmidt“ kommt am Mittwoch, 8. Oktober, nach Lantershofen. Kulturlant e.V. präsentiert ab 20 Uhr im Winzerverein das Programm „Schlechten Menschen geht es immer gut.“ In einem politisch korrekten Land, in dem alles grün wird ist die Sehnsucht nach wunderbarer politischer Unkorrektheit größer denn je. Die CDU, der FC Bayern, RWE… selbst die Bild Zeitung wird grün. Gut, der Ausbilder ist auch grün, aber olivgrün. Und das macht den Unterschied. Gerade die kleinen Gemeinheiten des Alltags lassen die Glückshormone sprießen, sagt der Ausbilder und gibt Beispiele: Geh doch mal in den Bioladen und bestell dir einfach mal ein Ei aus der Käfighaltung…Ruf doch mal die Hotline an und brüll direkt los – warum sich erst ärgern lassen…? Drängel dich mal in der Einkaufsschlange vor und erzähl allen, dein Porsche Cayenne steht mit laufendem Motor vor der Tür – sie lassen dich durch …!“

Ausbilder Schmidt passt auf, dass unsere „piep-piep-piep-wir-haben-uns-alle-lieb-Gesellschaft“ nicht eine Generation von „bettnässenden Ja-Sagern“ heran zieht. Jaaaa, wer will denn beim Fußball die stille Treppe statt der roten Karte? Wer will denn zu einer Politesse sagen „ja sie haben recht, es tut mir leid“ anstatt sie in Grund und Boden zu beschimpfen. Und nein, wir wollen keinen Unisextarif für die Kindergartengebühr. Jungs kloppen sich und Mädels ziehen sich an den Haaren. Basta. Zum Glück gibt es Ausbilder Schmidt, denn dieser opfert sich mal wieder und geht ganz selbstlos in den Kindergarten um präventiv mit den Kindern zu arbeiten: Keine Macht dem Weicheinismus! Jawoll.

In seinem nun 6. Abendprogramm geht Holger Müller, der Erfinder und Darsteller der Bühnenfigur „Ausbilder Schmidt“ noch mehr auf aktuelle und politische Themen ein. Schließlich gibt der tägliche, aktuelle politische Wahnsinn, wunderbare Erkenntnisse für die „Drill Instructor Sichtweise.“ Der „Chef“, der gerne mal seine Mitmenschen mir-nichts-dir-nichts einfach so anschnauzt… „die werden es schon verdient haben“, gilt als Drecksack der Nation. Ein Komiker der schon seit Jahren bewusst polarisiert. Begeisterte Fans aber auch zahlreiche „Feindgruppen“ sitzen im Publikum des Ausbilders: Frauen, Luschen, Studenten, Lehrer, Ex-Zivis und Warmduscher.

27.06.14: Kai Kramosta

Ein Plädoyer für Schwergewichte

Kai Kramosta war mit seiner Leseshow in Karweiler zu Gast

Kai Kramosta, schwergewichtiger Comedian aus Köln mit Wurzeln im Eifelort Nickenich, stellte auf Einladung von Kulturlant e.V. im Rahmen einer „Leseshow“ am Freitagabend in der Alten Schule in Karweiler sein Buch „Darf der Kleine ein Stück Wurst“ vor. 30 Zuhörer krümmten sich teilweise vor Lachen.

Kramosta ist gerade einmal 30 Jahre alt, im Kölner Karneval als vom Festkomitee ausgebildeter Redner aber schon seit Jahren in der Bütt aktiv. Seit geraumer Zeit tourt er mit einem Comedy-Programm durch die Hallen des Landes, präsentiert seine Sketche vom Eifelhandwerker im Radio und hat jetzt auch noch ein Buch geschrieben. „Darf der Kleine ein Stück Wurst“ fasst Kramostas Tätigkeiten und Erlebnisse zusammen und ist ein deutliches Plädoyer für schwergewichtige Menschen. Klar, dass er da auch feststellt: Nicht 75 Prozent der Deutschen sind zu dick, sondern 25 Prozent sind zu dünn. 160 Seiten stark ist das Taschenbuch. „Ich wollte einmal im Leben was schlankes produzieren“, erklärt Kramosta die überschaubare Dicke des Werkes.

In Karweiler las der Wahl-Kölner nicht nur aus einzelnen Kapiteln, anschaulich brachte er seine Erlebnisse zu Gehör, fand wie die jecken Redner in der Domstadt im Publikum seine „Opfer“ und schlüpfte in vielfältige Rollen. Wie in die des Fußball-Managers Rainer Calmund, der sich zum Frühstück mal eben vier Eier gebraten hat, wie sein Diät-Tagebuch verriet: „Das hat lecker geduftet, denn die Eier waren noch in den Hühnern.“ In der Rolle des Schauspielers Ottfried Fischer tanzte und rappte Kramosta, als karnevalistischer Grabredner mit schwarzer Pappnas und gleichfarbiger Narrenkappe nahm er „pietät-frei“ kein Wort vor den Mund. Seine Paraderolle als „Eifelhandwerker“, der irgendwo zwischen speziellem Fachwissen und absolutem Größenwahn lebt, hielt er dem Publikum ebenfalls nicht vor – und zwar im tiefsten Nickenicher Dialekt.

Gelesen wurde auch, zum Beispiel aus dem Kapitel „Reif von der Insel“, das getreu dem Motto „Aller Umfang ist schwer“ vom Aufenthalt als 15-jähriger im Abnehm-Camp auf Sylt erzählte. Oder im Sport-Kapitel, das feststellte: Schwimmen ist der richtige Sport zum Abnehmen. „Ist klar, das sieht man ja am Blauwal“, konterte Kramosta. Auch die Kinder- und Jugendtage in Nickenich finden Erwähnung, da war die Welt nämlich noch in Ordnung. „Ich war sieben Jahre Messdiener. Der Weihrauch war unser Kiffen.“ Warum nicht?

Auf alle Fälle fand Kramosta, der gerade drei Diäten auf einmal macht, weil er von einer nicht satt wird, massenhaft Gründe, auf das Abnehmen zu verzichten und statt Body-Mass-Index (BMI) eher auf den WFI zu bauen, also den Wohl-Fühl-Index. Und weil es so, sagte er durch seine parodierte Figur „Rainer Calli Camund“ auch ganz deutlich: „Ich bin Second-Hand-Vegetarier: Kuh frisst Gras, ich fress Kuh.“

27.05.14: Dota

Liedermacherin Dota verzauberte ihr Publikum

Die bekannte Berlinerin gastierte zusammen mit Jan Rohrbach bei Kulturlant

Waren die Veranstaltungen bei Kulturlant, der Grafschafter Kulturverein, zuletzt in erster Linie von Kabarett und Comedy geprägt, so beschritt der Verein am Dienstag einen ganz neuen Weg. Auf der Bühne stand die Berliner Liedermacherin Dota Kehr, die sich in den Anfängen ihrer musikalischen Karriere einen Namen als „Kleingeldprinzessin“ machte. Den brachten ihr die vielen Auftritte als Straßensängerin ein. Mittlerweile gehört „Dota“ aber zu den wenigen Menschen, die von ihrer Musik leben können. „Seit neun Jahren ist das so und das ist toll! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich von dem leben kann, was ich am liebsten mache“, gab die frisch gebackene Mutter jüngst in einem Interview zu Protokoll. Ihr musikalischer Weg führte sie durch die halbe Welt mit Stationen in Brasilien, Neuseeland oder Asien. Stationen, die Dotas Musik mit prägten.

Jetzt kam sie für zwei Konzerte auf kleine Bühnen ins Rheinland, und das auch nicht in Begleitung ihrer kompletten Band, sondern an der Seite von Jan Rohrbach. Der begleitete die 34-jährige mit seiner Bassgitarre, aber auch am ganz seltenen „Toy-Piano“, einer Art Mini-Klavier, spielte die Ukulele und blies in die Melodika. „Die soll eigentlich das Akkordeon ersetzen und damit eine Seemannsliederstimmung erzeugen“, erklärte Dota bei der Vorstellung ihres Songs über die alte Piratin.

Allzu viel erklären wollte die Liedermacherin auf der Bühne in Lantershofen aber nicht, eindeutig stand die Musik im Vordergrund. Und die sprach für sich. „Ihre Texte sind poetisch, wortgewandt, bissig und gesellschaftskritisch“, hatte Kulturlant-Vorstand Klaus Dünker das bereits bei der Begrüßung angekündigt, was die gut 70 Gäste dann von der Bühne aus erwarten durften. Da musste man dann schon genau hinhören und überlegen, wenn Dota versuchte, musikalisch klarzumachen: „Die Erde ist eine Scheibe, und bis zu ihrem Rand erschlossenes Land.“ Kritisches erklang mitunter witzig verpackt, wie der Song vom vermeintlichen Sklaventreiber, der seine Arbeiter nicht bezahlt, weil „Geld verdirbt den Charakter.“

Ein Dutzend Tonträger hat Dota bislang veröffentlicht, teils solo, teils mit Band. Ihr neuestes Werk „Wo soll ich suchen“, steht seit Herbst 2013 als CD und auf Vinyl gepresst in den Läden. Erstaunlich: hierfür hatte sie ein Angebot eines großen Musikproduzenten, das sie ablehnte. Das neue Album stand in Lantershofen im Mittelpunkt ihrer Titelliste. Mit „Hoch oben“ eröffnete die Liedermacherin den Abend. Von sich selbst sagte sie später: „Ich mache nur zwei verschiedene Arten von Lieder, traurige und beängstigende.“ Ganz so extrem war es aber nicht. Titel wie „Sommer“ oder „Das Leben der Glut“ offenbarten fröhliche Töne. Brasilianisch wurde es, als Dota Lieder von Danilo Guilherme spielte, auch mit deutscher Übersetzung.

Es waren am Ende mehr als eineinhalb Stunden, in denen das sympathische Duo sein Publikum bei Kulturlant zu begeistern wusste. Mit gleich drei Zugaben verabschiedeten sich die beiden Berliner dann von Lantershofen, zu dem Dota nur soviel einfiel: „Lantershofen haben wir vorher nicht gekannt, aber es gefällt uns sehr gut hier bei euch.“

21.05.14: Maria Vollmer

Adonisröschen von Marianne für Gerhard

Maria Volmer begeisterte in Lantershofen mehr als 100 zumeist weibliche Gäste

Mehr als 100 zumeist weibliche Gäste waren am Mittwochabend nach Lantershofen gekommen, wo der Verein Kulturlant e.V. die Kabarettistin Maria Vollmer präsentierte. Die sorgte im Winzerverein für viel Gelächter und erntete dabei auch eine Menge Applaus. Ihr Thema: was passiert, wenn sich diejenigen, die in den wilden 70/80er Jahren groß geworden sind, plötzlich als brave Ehepartner mit zwei Kindern im Reihenhaus in Köln-Nippes wiederfinden? Kann man, oder besser: kann frau die wilde Zeit im neue Familienleben Aufrecht erhalten? Schön wärs, aber es bleibt eher ein Traum. Denn jetzt heißen die Themen anders: „Einkaufserlebnis auf der belebten Neusser Straße“ zum Beispiel, bei dem am Ende die Fashionabteilung des Discounters für die Einkleidung verantwortlich ist. Jetzt heißt es auch: „wer hat den schönsten Garten hinterm Reihenhaus?“ Rollrasen, japanisch, oder doch die eigene Saat, die Maria Vollmer in der Rolle der biederen Marianne mit den gedanklichen Ausflügen in die 70er, bevorzugt. Und deren einzigen Grashalm sie hegt und pflegt, bis auch dieser vom Rollrasen erdrückt wird.

Marianne, die seit dem Jahr 2008 stolze 39 Jahre alt ist, wie sie zumindest sagt, schlüpfte in viele Rollen, drehte vor allem im zweiten Teil ihres Programms „Sex & Drugs im Reihenhaus“ so richtig auf und warf ihre tänzerische und musikalische Ausbildung in die Waagschale. Wohlgemerkt: immer mit dem Siedlungsleben im Kopf.

Den Abgesang für die Schlecker-Märkte spielte sie auf der Blockflöte, der Tagesablauf der stets Wasser trinkenden Heidi Klum wurde tänzerisch dargestellt. Trommelwirbel auf Gieskanne und Kehrblech gab es beim „Nippesser Fruchtbarkeitstanz“ auf die Ohren und aus dem Frühjahrputz wurde der Tanz mit dem Wischmob. Ruhepausen waren Mangelware, Maria Vollmer wirbelte auf der Bühne, was das Zeug hielt. Großartig: die Lektüre aus dem Tagebuch ihres Mannes oder aber die Erzählungen vom Babysitten für des Nachbars „Meerschweinchen mit Zahnspange.“

Klar, dass sich die ihre gute Laune auch schnell auf den „Mitmachbereich“ im Publikum vor der Bühne entlud. Hier hatte es ihr vor allem „Gerhard“ angetan, der an diesem Abend keine Ruhe fand. Zur Belohnung gab es am Ende allerdings auch ein Geschenk für Gerhard, nämlich ein Tütchen „Adonisröschen“ für den eigenen Garten. In den zog sich auch Marianne alias Maria Vollmer nach zwei humorvollen Stunden wieder zurück.

07.05.14: Hastenraths Will

Ist Zumba beim Strickverein nur „Yoga für Teletubbies“?

Hastenraths Will nahm bei Kulturlant in Birresdorf kein Blatt vor den Mund

Es war buchstäblich „ein letzter Auftritt“ und es war genial: am Mittwochabend gastierte „Hastenraths Will“ auf Einladung von Kulturlant e.V. im Birresdorfer Dorfgemeinschaftshaus. 75 Gäste wollten sich den charismatischen Landwirt und Ortsvorsteher aus dem Rurtal, also dem Niemandsland im äußersten Westen Deutschlands, anschauen. Sie bogen sich zwei Stunden lang förmlich vor Lachen beim Gastspiel „Das Buffet ist eröffnet.“ Hastenraths Will alias Christian Macharski spielte sein Solo in Birresdorf nämlich nach drei erfolgreichen Jahren zum letzten Mal. Und das in Rheinland-Pfalz, wo er doch eigentlich nur in Nordrhein-Westfalen unterwegs ist. Dort findet der Vorsitzende des Karnevalsvereins „Die Föttchesföhler“, der in der jecken Session alle Hände voll zu tun hat, seine meistens heile Welt. „Ich bin einer von Sie“, versuchte er sich gleich mit vorhandener Ortskenntnis beim Publikum einzuschmeicheln. „Eigentlich wollte meine Frau mitkommen, um mal durch die Fußgängerzone von Birresdorf zu schlendern und die tollen Geschäfte zu gucken.“ Ging aber nicht, kalbte doch zu Hause die Kuh, und zudem war noch Dessousparty angesagt. Also mußte „Will“ mal wieder alleine durch die Welt ziehen, er ist nun Mal ein echter Cosmoprolet. In seinem Heimatdorf muss er als Ortsvorsteher jeden Tag eine Rede halten. Und die endet immer mit den Worten „Das Buffet ist eröffnet“, weil der Satz den meisten Applaus bringt. Wie bei der Einweihung der Erlebnis-Bushaltestelle, unter die bei Regen sieben Schulkinder passen – das letzte wird allerdings an der Schulter nass.

Es war schon massiver Klamauk, den Christian Macharski da auf die Bühne brachte, übrigens standesgemäß in Gummistiefeln, kariertem Hemd und mit Parka und grüner Schirmmütze bekleidet. So zimmerte er sich sein Weltbild zurecht, das immer irgendwie zu logischen Schlussfolgerungen führte: „Den Hinduismus gibt es nur bei den Indiern, es ist die drittgrößte Religion der Welt und die Hinduisten werden wiedergeboren. Deshalb leben da unten auch so viele Menschen.“ Ach so! Die wahren Lebensweisheiten aber spielen vor seiner Haustüre. Ein Beispiel: „Sexualität gehört zum Leben wie Essen, Trinken und Schwarzarbeit.“ Apropos Schwarzgeld. Ist das ein politisch korrekter Ausdruck oder heißt es nicht eher „Zahlungsmittel mit Migrationshintergrund?“ Fragt einer, der gerne mal die alten Zeiten Hoch leben lässt, als es beispielsweise nur vier Fernsehprogramme gab: „Erstes, zweites, drittes und Schnee.“

Unbedingt frauenfreundlich war das Programm von Hastenraths Will nicht, da gab es zu viele Seitenhiebe, obwohl er empfahl, hin und wieder ein Kompliment zu machen. „Watt hass de dich heute wieder toll vollgeschminkt“, zum Beispiel. Da passte es auch, dass er die Zumba-Übungen der katholischen Strickfrauen, denen Frau Hastenrath als Präsidentin vorsteht, als „Yoga für Teletubbies“ bezeichnete. Der Tipp an die Männer, beim Küssen die Zigarre aus dem Mund zu nehmen, passte ebenso wie die Faust aufs Auge. Männern und Frauen in Birresdorf gefielen die Worte von Hastenraths Will jedenfalls, wie der langanhaltende Applaus zeigte.