22.10.16: AUSBILDER SCHMIDT

Gib noch zwei Schüsse auf Bölingen ab

Ausbilder Schmidt entpuppte sich in Lantershofen als perfekter Stand-up-Comedian

Springerstiefel, Feldhose, rotes Barrett und Sonnenbrille: seit nunmehr 20 Jahren verkörpert der Idar-Obersteiner Holger Müller die Person des gefürchteten „Ausbilder Schmidt“ auf den Kleinkunstbühnen im Land. Am Samstag gastierte er bei Kulturlant in Lantershofen. Dort warteten mehr als 200 Rekrutinnen und Rekruten im Saal auf ihren „Anschiss.“ Den sollten sie bekommen. Den Panzer vor der Tür geparkt, spielte der Ausbilder sein aktuelles Programm „Weltfrieden. Notfalls mit Gewalt.“ Dabei ging er auf die aktuellen Themen des Friedens in der Welt gar nicht ein, lieber beschwor er die Toten mithilfe des „Aschenbecherrückens“ und erweckte Typen, wie Erich Honecker, Napoleon, Louis de Funes oder Klaus Kinski zu neuem Leben, um in deren Rollen zu schlüpfen. Wie gewohnt war beim Ausbilder einmal mehr alles ein wenig größer und ging ein wenig besser. „Ich habe keinen Fuchsschwanz am Panzer hängen, sondern ein ganzes Wolfsrudel.“ Aha. Dabei nahm er natürlich die Bundeswehr mächtig aufs Korn. Was ihm überhaupt nicht passt: „Ich habe jetzt eine Chefin.“ Die Verteidigungsministerin habe einen Schmusekurs verordnet. „Soll ich jetzt die Rekruten morgens um halb elf mit einem Milchkaffee wecken?“ Der Mann mit Vornamen „Ausbilder“ und Nachnamen „Schmidt“ wirkte verwirrt ob der neuen Befehle, hatte aber auch seinen Respekt vor der Ministerin: „Wer sieben Kinder hat, kann auch eine Armee führen.“ Manch einer seiner Gags war früheren Programmen entnommen, das Publikum im Saal des Lantershofener Winzervereins störte es aber nicht.

Was Holger Müller in Perfektion beherrscht, ist Stand-up-Comedy. Keiner im Saal war vor ihm sicher. Im 18-jährigen Florian, der nicht gedient hatte, fand er das perfekte Rekruten-Opfer. Dem jungen Mann dürfte der Abend noch lange in bester Erinnerung bleiben. Gleiches gilt für all die, die dem Ausbilder Witze oder andere Dinge aufschrieben und sich damit plötzlich im Programm wiederfanden. Für den besten Witz rückte der Ausbilder sogar fünf Euro als Belohnung raus. Und die Aufforderung eines Gastes: „Gib bei der Heimfahrt bitte noch zwei Schüsse auf Bölingen ab“, sorgte ebenfalls für großes Gelächter.

Was der Comedian ebenfalls nicht für sich behalten konnte, waren Tipps fürs Leben, mit denen man überraschen sollte: „Schiebt mal morgens um halb sieben die Schneeschaufel über den Bürgersteig. Dann werden alle Rollladen in der Nachbarschaft hochgehen.“ Oder aber: „Gib dem Zeitungsjungen eine Ohrfeige und sag ihm, wer austeile, müsse auch einstecken können.“ Er ist schon ein komischer Kauz, dieser Ausbilder, der von sich sagt: „Wenn ich jemanden sehen will, der mich mag, schaue ich in den Spiegel.“ Kein Wunder, dass auch sein Sohn mit dem schönen Namen „Ruck-Zuck“ darunter zu leiden hat. „Bei ihm habe ich einen Stubendurchgang gemacht. Um 4:30 Uhr. Sonntags.“ Erziehung ist also gleichzusetzen mit Rekruten-Ausbildung, denn: „Im Kindergarten werden unsere Kids doch regelrecht weichgespült. Die müssen doch zu Hause auch mal sagen: Mama, deine Bio-Gemüse-Lasagne schmeckt nicht. Mach da Fleisch rein! Von mir aus den Hamster von meinem Bruder.“

Mehr als zwei Stunden sorgte Holger Müller für einen Gag nach dem anderen, ehe er am Ende Barrett und Sonnenbrille ablegte, sich als smarter Typ gab und ein wenig über die kuriosesten Geschichten seiner 20-jährigen Ausbilder-Karriere plauderte.

Veranstaltungsankündigung

„Weltfrieden“ – notfalls mit Gewalt

Sind wir doch mal ehrlich, ob Lusche oder Nichtlusche: jeder will in Frieden leben. Selbst ein harter Brocken wie Ausbilder Schmidt. Deswegen ist er ja auch in den 80er Jahren zum Bund gegangen, um eben den Frieden für dieses Land zu verteidigen. Äh, jaaaa ok, er ist auch wegen dem Panzerfahren hingegangen und wegen dem Schiesstand und ja er wollte auch Rekruten zusammenstauchen.Aber der Wille war da, für den Frieden, oder so ähnlich. Er war halt noch sehr jung!

Und heute brennt es überall auf der Welt, nix mehr mit „überschaubarer kalter Krieg“. Ob Länder, Diktaturen, Terrorgruppierungen, Banken, Lobbyisten und FrauenrechtlerInnen. Alle wollen sie unseren Frieden zerstören – und nerven.

Aber was noch mehr nervt, ist die heutige Bettnässergeneration die noch nicht mal mitbekommt, dass wir angegriffen werden. Es geht doch schon bei der guten alten Lebensversicherung los. Die klauen unser Geld! Und was machen wir? Nichts!

Das soll sich ändern, den jungen Leuten muss jemand mal wieder den A… aufreißen, oder?

Ausbilder Schmidt in neuer Mission. Ihr wollt Frieden? Dann wehrt euch!

Zugegeben, die Methoden bei Ausbilder sind nicht immer die „feinsinnigsten“, aber sie sind halt irgendwie effektiv. Zumindest ist Ausbilder Schmidt davon überzeugt, Jawoll!

Wenn ein Mann beim Friedensmarsch mitläuft dann hat er gefälligst die Jesuslatschen gegen Stiefel zu tauschen. Nur so kommt er auch sicher ans Ziel! Und was sollen die Demonstrationen mit Pappschildern vor den Banken? Panzer müssen vor die Banken, dann steigt auch der Zins fürs Sparguthaben wieder!

Vertrauen in die Politiker verloren? Ausbilder Schmidt marschiert in den Bundestag ein und sorgt für Zucht und Ordnung. Auch ein Spitzenpolitiker braucht mal wieder einen Anschiss – und ist dankbar! Alles für den Frieden.

Ausbilder Schmidt greift in seinem neuen Programm aktuelle Themen auf. Diese präsentiert er gewohnt mit viel Leidenschaft, Improvisation, Stand up Comedy und Show für die ganze Familie! Aber natürlich gibt es wieder neue Geschichten aus der Chaos-Familie vom Ausbilder. Und Ausbilder Schmidt ist auf seine alten Tage gefordert – das neue Ausbildungs-Modell vom Verteidigungsministerium wurde vorgestellt: „Carmen Chantalle“, die Ausbilderin! Arghhhhhhhhh! Harte Konkurrenz für den Ausbilder, da muss er sich strecken und wehren – alles für den Frieden! Ach ja, unser Ausbilder Schmidt – man muss ihn einfach gern haben. Weil sonst gibts was auf die Schnauze!