13.10.2018: MARC HALLER

„Erwin aus der Schweiz“ verzauberte Lantershofen

Marc Haller verband Magie, Comedy und Kabarett perfekt

Mal Comedy, mal Kabarett, mal Zauberei, die Mischung macht es. Von jedem etwas gab es am vergangenen Samstag auf der Kulturlant-Bühne im Lantershofener Winzerverein zu erleben, dargebracht von nur einer Person, dem Schweizer Marc Haller. Es war der Auftakt zum neuen Kleinkunstprogramm der Grafschafter mit insgesamt sieben Kabarett- und Comedyabenden bis zum kommenden April.

Marc Haller bedankte sich dabei nach zwei Stunden auf der Bühne beim ausrichtenden Verein Kulturlant, dass dieser sein Abo-Programm nutze, auch so auch weniger bekannten jungen Künstlern eine Bühne zu geben. Zugegeben, mit 31 Jahren gehört Haller der Kategorie „jung“ noch an, weniger bekannt ist er keinesfalls, zumindest nicht in seinem Heimatland Schweiz. Dort, wie auch im benachbarten Österreich, hat er sich über Talentshows einen Namen gemacht und gehört bereits jetzt zur Riege der Entertainer auf den Bildschirmen. In seinem Bühnenprogramm schlüpfte er am Samstag in die Rolle des „Erwin aus der Schweiz“, ein verunsicherter und schüchterner Typ, der es allerdings faustdick hinter den Ohren, oder besser im Ärmel hat. Aus diesem zauberte er gut gefüllte Orangensaftgläser oder den Kult-Zauberwürfel aus den 1980er-Jahren, den er einmal kurz in die Luft warf, und schon war das Rätsel gelöst. Haller verschluckte einen aufgeblasenen Luftballon oder machte aus einer gleich acht Weinflaschen. Nicht unbedingt neue Tricks, wie auch das immer wieder getrennte und wie durch Zauberhand wieder reparierte Seil. Die Art und Weise, wie der sympathische Schweizer seine Zauberei aber rüberbrachte, war neu. Die Besucher in Lantershofen klebten förmlich an den Lippen des Zauberers, der im bedächtigen Ton und manchmal sogar flüsternd seine Zaubershow mit einem Comedyprogramm verband. Im Saal des Winzervereins konnte man die berühmte Stecknadel fallen hören.

Haller erzählte einiges, brachte immer wieder die klugen Sprüche seines Großvaters zu Gehör, sprach über seine beiden Goldfische mit den Namen „Eins“ und „Zwei.“ „Wenn Eins stirbt hab ich immer noch Zwei.“ Mit seinem unschuldig wirkenden Schweizer Dialekt war er sich auch nicht zu schade, der großen Politik, vor allem der aus den USA, markante Seitenhiebe zu verpassen. „Trumps Bibliothek im Weißen Haus ist abgebrannt. Beide Bücher. Dabei hatte er das zweite noch gar nicht fertig ausgemalt.“ Programmsprünge, die das Publikum immer wieder überraschten und dabei köstlich unterhielten. Und wer in Lantershofen in einer der ersten Reihen saß, hatte auch noch große Chancen, in das Programm mit einbezogen zu werden. Auf alle Fälle war die Aufforderung ans Publikum „lassen Sie uns einen Abend lang lachen“ nicht zu viel versprochen, zum Lachen gesellten sich unter den 150 Gästen zudem Staunen über die perfekt dargebotenen Zaubertricks des Marc Haller.

Veranstaltungsankündigung

MARC HALLER – „Erwin aus der Schweiz“: Die Erfolgs-Comedy & Zauber Show aus der Schweiz kommt auf Deutschland-Tour

Marc Haller ist 1987 in der Schweiz mit zwei nichtmagischen Drillingsbrüdern geboren. Bereits mit 14 Jahren besuchte er die Zauberschule in Zürich und gewinnt schon zwei Jahre später den Förderpreis des Magischen Rings der Schweiz. Das Zaubern alleine reicht dem jungen „Wettswiler“ allerdings nicht und er bildet sich weiter. Der Weg führt ihr über die ScuolaTeatro Dimtri in Verscio, dem Musischen Gymnasium Zürich und der Lee Strassbergschule in New York nach Wien, wo er 2013 den Abschluss am Konservatorium im Hauptfach Schauspiel absolvierte.

In der ORF TV Show „Die Grosse Comedy Chance 2012“ beeindruckte ERWIN alias Marc Haller die Fachjury derart, dass sie ihn mittels „Jury Joker“ direkt ins Finale katapultierte. Die ORF Liveübertragung „Die grosse Comedy Chance – Das Finale“ beförderte Marc Haller über Nacht zum Shooting Star in Oesterreich.

Die Teilnahme bei der SRF-1 TV-Show „Die Grössten Schweizer Talente 2015“ löste ebenfalls eine wahre „Erwinmania“ aus und etablierte Marc Haller auch in der Schweiz vom Geheimtipp zu einer festen Showgrösse.

Jetzt ist Marc Haller, Gewinner des „Kleinen Prix Walo 2013“, des „SWISS TALENT AWARD 2014“ und Finalist „Die Grössten Schweizer Talente 2015“, mit seinem Programm ERWIN AUS DER SCHWEIZ auf grosser Tour. Der schräge, etwas verklemmte aber immer liebenswerte ERWIN ist die tragende Figur in Marc Hallers Comedy & Zauber Show. Vergessen sie das TV Format „Die Auswanderer“ jetzt kommt DER EINWANDERER. Begleiten sie Erwin auf seiner abenteuerlichen Reise, raus in die große weite Welt (Wien!). Zwerchfellüberbelastung garantiert.

Link: www.marchaller.ch

02.10.2018: SAHNEMIXX

SahneMixx beherrscht den Stil von Udo Jürgens

Authentische Tributeshow im Lantershofener Winzerverein

Gestern Berlin, morgen Luxemburg: die Tribute-Show „Einfach Udo“ der Eifler Band „SahneMixx“ hält das Vermächtnis des Udo Jürgens deutschlandweit und darüber hinaus hoch. Zwischendrin gab es für die Band in kleiner Besetzung mit neun Musikerinnen und Musikern eine Art Heimspiel in Lantershofen. SahneMixx gastierten am Dienstagabend bei Kulturlant im Winzerverein und lieferten dem am Ende restlos begeisterten Publikum eine Show, wie es Udo Jürgens genauso getan hätte. Perfekt abgestimmt kam Sänger Hubby Scherhag dem Original stimmlich ganz nah. Am weißen Flügel sitzend oder davor stehend, im Hintergrund das ganz in weiß gekleidete Orchester war schon das Bühnenbild eine, wenn auch verkleinerte, Kopie des Originals. Mehr als zwei Stunden lang gab es dann eine ganze Reihe von Hits und weniger bekannten Melodien, Medleys, Gassenhauern oder Balladen aus dem Vermächtnis des 2014 verstorbenen Künstlers zu erleben. Dabei brillierte nicht nur Sänger Hubby Scherhag. Die Instrumentalisten des Orchesters wussten immer wieder mit ihren Soli zu begeistern, Sängerin Jutta Capallo konnte den Gesang von Scherhag stimmlich perfekt untermalen. Bei „New York, New York“, dass die Band in Jürgens Hit „Ich war noch niemals in New York“ eingebaut hatte, kam sie ebenso als Solistin zum Zuge, wie im Duett bei „Liebe ohne Leiden“, dass Udo Jürgens einst mit Tochter Jenny gesungen hatte.

SahneMixx beherrschten auch den Spannungsbogen perfekt, sie hielten sich in der ersten Hälfte des Konzerts bewusst mit den ganz großen Hits zurück und brachten dem Publikum nicht ganz so bekannte Stücke rüber. Aber auch da gab es schon „Griechischer Wein“ zu hören, ein Lied, mit dem Jürgens auf die Sorgen und Nöte der ersten Gastarbeiter aufmerksam machen wollte und das vom Publikum zum Trinklied gemacht wurde. „Der gekaufte Drachen“ oder „Hautnah“ sorgten für nachdenkliche Mienen im Auditorium, dass dennoch jeden Titel frenetisch feierte, was sich mit jedem Titel noch ein steigerte.

Nach der Pause ging es dann Schlag auf Schlag. Die Gassenhauer „Aber bitte mit Sahne“, „Siebzehn Jahr, blondes Haar“, „Ehrenwertes Haus“ oder „Mit 66 Jahren“ wurden von SahneMixx mehr zelebriert, als vorgetragen. „Danke für den Abend“ hieß es nach knapp zwei Stunden. Aber dann ging es auch in Lantershofen zu, wie bei den Konzerten des Stars Udo Jürgens: Hubby Scherhag kam alleine wieder auf die Bühne, passend echt im weißen Bademantel, setzte sich an den Flügel und begann zu spielen: „Mathilda“, „Es wird Nacht Senorita“ oder „Was ich Dir sagen will.“ Am Ende betrat die komplette Band zu einem furiosen Finale mit „Vielen Dank für die Blumen“ und dem abschließenden „Was wichtig ist“, noch einmal die Bühne, um sich gemeinsam mit ihrem Sänger endgültig zu verabschieden, 250 Gäste waren restlos begeistert.

Veranstaltungsankündigung

„Das wahre Gesicht zeigt Musik nur, wenn sie live gespielt wird …“ – Treffender als Udo Jürgens bei seiner „Einfach ich“-Tour im Jahr 2009 kann man es nicht ausdrücken.

Seit 14 Jahren stellt sich SahneMixx der musikalischen Herausforderung, die schönsten Lieder des Ausnahmekünstlers zu präsentieren und sein musikalisches Erbe auf den Konzertbühnen zu bewahren. Mit begeisternder Bühnen-Show und ansteckender Spielfreude nimmt SahneMixx das Publikum mit auf eine emotionale Zeitreise – geradewegs zurück in die unvergleichliche Atmosphäre der Livekonzerte von Udo Jürgens.

Udo Jürgens höchstpersönlich hat SahneMixx anerkannt und brachte dies sowohl bei verschiedenen Treffen, als auch in Form von Briefen und Gratulationen zum Ausdruck. Im Lauf der Jahre begeisterte SahneMixx in unzähligen Live-Konzerten regelmäßig das Publikum und entwickelte sich so zur Nummer 1 der Udo-Jürgens-Shows.

Ein Beleg für die herausragende musikalische Qualität der Band ist die Tatsache, dass regelmäßig auch langjährige Weggefährten von Udo Jürgens mit SahneMixx auf der Bühne stehen, wie zum Beispiel von der Pepe-Lienhard-Band die Ausnahmemusiker Rolf Mayer (Bass), Jörg Brohm (Trompete) und Udo’s enger Freund Billy Todzo.

SahneMixx-Sänger Hubby Scherhag interpretiert die Lieder des großen Vorbilds derart gut, dass sich die Zuschauer vom ersten Ton an in ein echtes Udo-Konzert versetzt fühlen. Vom perfekten  Orchester-Sound über den weißen Flügel und das rote Jacketfutter bis hin zum legendären Bademantel-Finale stimmt bei SahneMixx selbst das kleinste Detail. Und wenn Hubby Scherhag nach den Zugaben zum „Bademantel-Finale“ zurück auf die Bühne applaudiert wird … spätestens dann wird SahneMixx zum Gänsehaut-Erlebnis !

SahneMixx wurde u. a. mit dem Deutschen Rock und Pop Preis 2005 und 2010 ausgezeichnet und zudem als „Künstler des Jahres 2010“ vom Fachmagazin „Künstlerkatalog“ geehrt.

Udo Jürgens ist von uns gegangen… doch sein Werk bleibt unvergänglich !

Links: www.sahnemixx.de | Facebook

29.09.2018: PADDY GOES TO HOLYHEAD

Folk-Rocker „Paddy“ lockte große Fangemeinde

In Lantershofen feierten „Paddy Goes to Holyhead“ 30 Jahre Bühnenjubiläum

30 Jahre ist es her, als ein gewisser Paddy Schmidt aus dem hessischen Süden die Folkmusik in Deutschland zu modifizieren begann, mit rockigen Klängen unterlegte und gegen alle Prognosen damit Erfolg hatte. Der Name seiner Band: Paddy Goes to Holyhead. Der Bandname ist nicht nur eine Anspielung auf die seinerzeit erfolgreiche Band „Frankie Goes to Hollywood“, sondern bezieht sich auch auf die „Paddies“, Auswanderer aus Irland, sowie auf die walisische Hafenstadt Holyhead, die für viele Iren Durchgangsstation bei der Auswanderung war. Die Anfängerjahre der Band sind daher auch geprägt durch viele Auswandererlieder aus Irland. Erst 1993 wurde aus der traditionellen Irish-Folk-Besetzung eine Folk-Rock-Formation. Mit der Neuorientierung wurde die Band erfolgreicher. So entstand ein aufwändiges Video zur Singleauskopplung „Bound Around.“ Es sollte das erfolgreichste Stück der Band werden.

Paddy blieb immer bodenständig, nahm jeden auch noch so kleinen Gig an und tourt seitdem durch die Republik. Am Samstag war er im Rahmen seiner derzeit laufenden unplugged-Tour zu Gast bei Kulturlant im Winzerverein Lantershofen. Knapp 300 Gäste hatte er angelockt, nicht immer sind es so viele. So manche einer war von weither angereist, um den Folk-Rocker und seine unplugged-Band zu erleben. „Das hat richtig Spaß gemacht, die Leute waren richtig gut drauf, das hat mich schon berührt“, zeigte sich Paddy nach drei Konzertstunden angetan. Auf der Bühne gab Paddy alles, Gesang, Gitarre und Mundharmonika waren sein Metier. In den Mittelpunkt der Band spielte er aber zu keiner Zeit. Immer wieder wechselten die Hauptrollen in den vorgetragenen Stücken. Almuth Ritter an der Geige sorgte oftmals für rhythmisches Klatschen im Publikum, dass mit jedem gespielten Song enthusiastischer wurde. Selbst Bassist Uwe „Uhu“ Bender, der an seinem Instrument brillierte, stand im Rampenlicht und war weit mehr, als der Rhythmusgeber.

Dem Publikum wurde ein buntes musikalisches Programm geboten. Mittendrin natürlich die Hits von Paddy: „Bound around“ war schon ganz früh zu hören, „Far away“ eröffnete die zweite Konzerthälfte, bei „Here’s to the People“ oder „Johnny went tot he war“ wurde das Auditorium zu einem großen Chor. Viele der Zuhörer waren textsicher, eine ganze Menge verfolgte Paddys Bühnenleben von den Anfängen im Jahr 1986 an. Seinerzeit war er im Sinziger Helenensaal aufgetreten, sprang doch auf und von der Bühne. Das machte er in Lantershofen nicht mehr, die volle Konzentration galt der Musik. Und da griff Paddy auch in die Kiste der bekanntesten irischen Traditionals, da durften Gassenhauer, wie „Dirty old town“ oder „Whisky in the jar“ keinesfalls fehlen. Selbst für das romantische „Streets of London“ war Platz und Zeit. Und alle sangen mit.

Veranstaltungsankündigung

Mehr als 30 Jahre “on the road”. Wer hätte gedacht, dass Paddy Schmidt und seine Mitstreiter sich einmal selbst besingen würden? Ihr großer Hit „Bound Around“ und die große Spielfreude von Paddy Goes To Holyhead ließ die bekanntesten Folkrocker Deutschlands in den Neunzigern ein keltisches Feuerwerk nach dem anderen abbrennen.

Paddy Schmidt (Gesang, Gitarre, Mundharmonikas) Almut Ritter (Geige, Concertina) und Uwe „Uhu“ Bender (Bassgitarre, Gesang) sind zur Zeit als Akustik-Trio unplugged auf Tour.

„Das wird ein Jahr voller Paddy-Parties“, freut sich Veranstalter Bert Sender, der als Chef einer Agentur die Geschicke der Band begleitet, „Superkultstätten und Medien habe nach Ausrufung des Jubiläums bereits Anfragen gestartet!“

Die Triebfeder des Erfolgs waren vor allem Schmidts markant-rauchige Whiskystimme und sein weithin anerkanntes virtuoses Spiel der keltischen Mundharmonika. Auch der Einsatz der pulsierenden Geige als Soloinstrument, die Anlehnung an keltische Ornamentik und die konsequente Umsetzung der Songs aus aktuellen und geschichtsträchtigen Themen spielt eine Rolle. Bestimmt aber war es die natürliche volksnahe Ausstrahlung des fröhlichen Trios, das sich in unermüdlicher Präsenz in die Herzen der Zuhörer spielte. Tausende Live- Konzerte erzählen Geschichten von Liebe und Leid, Fernweh, Krieg und Frieden. Und genau diese Themen waren es, die Lieder wie „Here’s To The People“, „Titanic“, „Doolin“ u. v. a. zu Radiohits und Dauerbrennern gemacht haben.

Als „formatuntaugliche Spartenmusik“ von der Musikindustrie betitelt, zogen Paddy Goes To Holyhead erstmals mit Ihrem Longplayer „Ready For Paddy?“ in die Deutschen CD-Charts ein, deren Titel „Johnny Went To War“ sich damals beim Radiosender SWF3 über ein Jahr in den Top-Ten hielt. Und auch in Dutzenden Fernsehshows konnte das PGTH-Logo, das grüne Notausgangsmännchen, gesichtet werden.

Nun hat Paddy Schmidt ein spezielles Programm erarbeitet und präsentiert PGTH als Akustik-Trio mit den bekanntesten Hits der „Paddies“ und vielen beliebten Stücken aus der Irish Folk Music. Back to the roots, ein Programm zum Zuhören, Träumen und Mitmachen.

Gereift sind sie, die Paddies von heute. Ihrer  unbändigen Spielfreude tut das keinen Abbruch. Aber in ihre Musik, die sie wieder zurückführen wird in die verspielte, erdige und fröhliche „Ready For Paddy- Zeit“, lassen sie sich so wenig reinreden wie zuvor. Und das ist auch gut so.

10.05.2018: LOKALDERBY

„Lokalderby“ könnte eine Zukunft haben

Erstes Mini-Festival mit regionalen Musikern bei Kulturlant kam gut an

Für den Grafschafter Verein „Kulturlant“ endete am Mittwochabend die Spielzeit 2017/18, der rührige Kulturverein begibt sich nun die Sommerpause. Nachdem bundesweit bekannte Kabarettisten und Musiker im vergangenen halben Jahr auf der Bühne im Lantershofener Winzerverein präsent waren, stand diese nun regionalen Künstlern zur Verfügung. Erstmals, möglicherweise aber nicht zum letzten Mal, fand das Festival „Lokalderby“ statt. Idee und Konzept dazu hatten Gernot „Monty“ Montkowski und Stephan Maria Glöckner erarbeitet, 150 Zuschauer verzichteten bei sommerlichen Temperaturen auf den abendlichen Grillspaß zugunsten der Musik. „Man singt deutsch“ hatte Glöckner das Festival untertitelt und spielte dabei auf den Kult-Spielfilm „Man spricht deutsch“ mit Komiker Gerhard Polt an, der vor 30 Jahren über die Kinoleinwände flimmerte.

Glöckner selbst eröffnete das kleine Festival, lobte den gastgebenden Verein für dessen kulturelles Engagement überschwänglich und griff in bester Singer/Songwriter-Manier zur Gitarre. Glöckners musikalische Wortspiele handelten vom „Chaos im Kopf“ und der Aufforderung „Macht Spiele“ statt Machtspiele. „Ohne jeden Plan“ war der Ahrtaler Musiker entgegen seinem Song keineswegs. Die Titel seiner Stücke kurz und prägnant: „Ziehlos“, „Kür“, „Raum“ oder „Rään.“ In einer gesungenen Persiflage setzte er zudem dem Sting-Song „Englishman in New York“ einen neuen Text auf und sang vom „Kölsche in Düsseldorf.“

„Monti“ durfte mit seinem aktuellen Bandprojekt „Montkowski“ als zweites ran. Was für ein Unterschied. Erst der bedächtige Liedermacher Glöckner, dann der Wirbelwind Montkowski mit dunkler Stimme, die teilweise bedrohlich wirkte. Montkowski brachten allesamt eigens getextete und komponierte Songs zu Gehör. Die Band, bei der neben Sänger „Monty“ noch David Stricker am Bass, Klaus Saal (Gitarre) und Wolli Köhler am Schlagzeug mitwirkten, unterhielt das Publikum rund eine Stunde lang mit klug vertonten Lebenssituationen. „Komm geh“, „Was besseres gibt es nicht“, oder „Und dann“ mit einprägsamen Melodien waren zu hören, das hatte schon eine gewisse Ohrwurm-Qualität.

Die jüngsten und nach der Einschätzung des Publikums auch die Besten kamen zum Schluss: Lampenschirm. Die vier Jungs mit Wurzeln in der Grafschaft haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie musikalisch viel drauf haben. Die Chance, nach dem Nachwuchswettbewerb „Toys2Masters“ eine professionelle CD zu produzieren, packte das Quartett beim Schopfe und ließ das Werk „Lauter Lichter“ entstehen. Songs, die „An dich“, „Keine Spur“ oder „Irgendwas fehlt“ aus dem Album waren in Lantershofen ebenso zu hören, wie gut gecoverte Hits von Westernhagen oder Sportfreunde Stiller. Dem Publikum schien die Mischung der drei Bands zu gefallen, man fühlte sich wohl beim Lokalderby, so dass Stephan Maria Glöckner bereits über eine Fortsetzung mit dem Versuch, ein solches Mini-Festival heimischer Bands zu etablieren, nachdachte.

Veranstaltungsankündigung

LOKALDERBY Festival | Man rockt deutsch
mit Montkowski, Lampenschirm und Stephan Maria Glöckner Solo

Montkowski

Eine Band, die man kennt, stellt sich vor: Vier Köpfe und 12 Jahre Bandgeschichte. Die Liebe zur Musik vereint die Band um Frontmann und Namensgeber Monty (Gernot) Montkowski, Komponist, Texter, Sänger und Gitarrist, David Stricker am Bass, Klaus Saal, Gitarre und Wolli (Wolfgang) Köhler am Schlagzeug. Nach mehr als einem Jahrzehnt, öffnet das Quartett neue musikalische Türen und setzt auf Lieder in der Muttersprache. Direkt, ehrlich, aus dem Leben, mitten ins Herz. Unverkennbar „Montkowski“ mit Ohrwurmgarantie. Echte Musik mit Live – Qualität und vier einzigartigen Typen.

Lampenschirm

Die Band Lampenschirm aus dem Kreis Ahrweiler/Köln ist seit 2010 in der Musikszene unterwegs. Neben eigenen deutschsprachigen Songs, die im Bereich Pop/Rock anzusiedeln sind, covert die Band auch Songs aus diesen Genres. Nachdem sie bereits im Jahr 2011 ihre erste EP „Licht an“ veröffentlicht hat, erschien am 05. Dezember 2015 das erste eigene Album „Lauter Lichter“. Darauf zu hören ist eine geballte Mischung deutschsprachiger Rock-Pop-Lieder, die von gefühlvollen Balladen bis hin zu mitreißenden und aufregenden Rhythmen reicht.

Stephan Maria Glöckner Solo

Die Umsetzung seiner Ideen war schon immer die große Leidenschaft von Stephan Maria Glöckner. Seine Band ‚menino’ präsentiert seit über 20 Jahren brasilianische Beats und portugiesische Texte aus eigener Feder. Das Kinder-Projekt ‚RingoTingo’ errang Preise und Chart-Platzierungen, er singt Jazz in der Koblenzer Big-Band, schreibt Mundart-Lieder für Kölner Bands, arbeitet für internationale Trance-DJs und moderiert seit 2004 das Koblenzer Horizonte-Festival. Gemeinsame Projekte gab es  mit Katja Ebstein, Purple Schulz, Götz Alsmann, dem ‚Fluch der Karibik’-Komponisten Klaus Badelt und den Weather Girls.

Der studierte Grafiker und ausgebildete Musiker und Maler gründete die Werbeagentur shapefruit AG und das Marienthaler Atelier. Sein Musik- und CD-Artwork zeichnet und entwirft er selbst. Für eine Kultur-Idee, die mit Volkswagen realisiert wurde, erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Heute singt er sich quer durch sein großes selbstgeschriebenes Repertoire, das von deutschen Songs über Mundart bis zu englischen oder portugiesischen Texten reicht. Hauptsache aussagekräftig, gehaltvoll und melodiös. Seine extrem Sting-ähnliche Stimme lässt die Performance sehr charismatisch klingen.

 

06.05.2018: MATTHIAS NINGEL

Auf der Bühne will der Ningel flügge werden

Mit Matthias Ningel war einer der begehrtesten Nachwuchs-Kabarettisten in Lantershofen

Kann man bei einem Musik-Kabarettisten, der binnen weniger Jahre bereits zehn hochwertige Kabarett- und Musikpreise abholen durfte, überhaupt noch von Nachwuchs reden? Die Antwort ist ein klares „Vielleicht.“ Jedenfalls bei Matthias Ningel. Der wurde gerade 30 Jahre alt, steht schon knapp die Hälfte seines jungen Lebens auf der Bühne und macht dies seit einigen Jahren professionell. Dafür schmiss der im kleinen Eifelort Hambuch geborene Nigel einen gar nicht so schlechten Job: an der Mainzer Musikhochschule unterrichtete er die Fächer Musiktheorie und Gehörbildung.

Für den Begriff „Nachwuchskünstler“ steht auf jeden Fall der Inhalt seines zweiten Soloprogramms. In „Jugenddämmerung“ berichtet Ningel vom Abschied von besagter Jugend, dem Rauskomplimentieren aus elterlicher Umgebung, der verpassten großen Liebe und all dem, was das Erwachsenwerden sonst noch mit sich bringt. Dabei lief Ningel jedes Mal zu großer Form auf, wenn er sich an den Flügel setzte. Und das tat er am Samstagabend auf der Kulturlant-Bühne in Lantershofen unentwegt. Der junge Mann mit Old-School-Handy, der nur die Eltern-App kennt und bei der eigenen Großmutter den „Enkeltrick“ versuchte, muss „endlich in die Pötte kommen“, wie er es ausdrückte. Aber wie soll das gehen, bei einem Menschen der „Generation Y-ohweiwei“? Diese Jugend ist doch gar nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen. „Ist jemand meines Alters hier“, fragte Ningel. Ja, einer. „Gratulation, Du hast tatsächlich eine Entscheidung getroffen, nämlich hierher zu kommen“, frohlockte der Lockenkopf auf der Bühne. Warum ist die „Generation Y“ so entscheidungsschwach? Klarer Fall für Ningel, die Fernsehserien der 1990er-Jahre sind schuld.

Da hatte er es sich noch leicht gemacht. Aber was haben die Gleichaltrigen aus seiner Umgebung vollbracht? Ningel nahm sie alle unter die Lupe und aufs Korn. Karl-Leonhard, den mit acht Jahren schon sadistisch ausgeprägten Spielplatz-Schurken. Oder Rolf, das Feindbild, wollte der doch der geliebten Ilona an die Wäsche und führt heute ein „Hyper-Hyper-Leben“, bei dem der Samstag der Qualitäts-Tag in Sachen Familienleben ist. Jedenfalls für eine halbe Stunde zwischen zwei Terminen. Und immer wieder Ilona, für die er zum 18. Geburtstag sogar ein Lied geschrieben, es aber nie vorgesungen hat. Stattdessen schenkte er ihr lieber einen Tankgutschein und bekam prompt die Quittung dafür. Den Song bekam immerhin das Lantershofener Publikum zu hören, und da hieß es zwangsgereimt: „Ilona – wär ich ein Drucker, wärst Du Toner.“ War er aber nicht und der Papierstau ließ grüßen. Der Song erfüllte nach Ningels Aussagen übrigens die Merkmale eines Schlagers, unter anderem wegen des „zwiefachen (Andy) Borg“ in der Melodie, die beim Schlagerfan unwillkürlich zu silbereisener Hühnerhaut führt. Ein kleiner Exkurs in Ningels alten Job.

Aber irgendwie schaffte es Matthias Ningel in seinem Programm nicht, der Jugend zu entfliehen, da trug er doch lieber immer mal wieder den zerfledderten beigefarbenen und viel zu großen Pullover, für den sich seine Freunde fremdschämen, der aber das junge Ningel‘sche Leben in all seinen Facetten miterlebte. Oder aber er setzte zur Hymne auf die Eifel an, ein Hohelied, mit dem er den meisten im Saal auf der Seele sang: „An jedem Haus ein Garten und in jedem Garten ein Trampolin.“ Da brauchte Ningel gar nicht erst lange nach dem Selbstverständnis der Besucher zu fragen: „Grafschafter Land-Ei oder urbaner Szenemensch?“ Der Ausmarsch in die große, weite Welt, bringt sowieso nichts, auch nicht für befristete Zeiten. So jedenfalls war in Ningels Zugabe zu hören, in der er über „Traurige Touristen“ sang.

 

Veranstaltungsankündigung

Nachdem Matthias Ningel mit seinem ersten Programm Omegamännchen über sieben (nämlich acht!) Kleinkunstpreise erntete und deutschlandweit konzertierte, scheint er seine künstlerische Reifeprüfung erfolgreich bestanden zu haben. Heißt das, er ist jetzt endlich erwachsen? Ist da ein Küken flügge geworden? Wohl kaum! Als junger Milder seiner Generation vermeidet er es weiterhin sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Mit Gesang, Klavierspiel und Wortbeiträgen widmet sich Matthias Ningel in seinem zweiten Programm Jugenddämmerung den Schwierigkeiten des  rwachsenwerdens. Humorvoll und nachdenklich seziert er spielerisch sich selbst, sowie die ominöse Generation Y, analysiert deren Eigenschaften, Ängste, Spleens und Sehnsüchte. Da entlarvt er eine Perspektivlosigkeit aufgrund zu vieler Möglichkeiten, entdeckt die Hintergründe multipler Medienabhängigkeit und vermutet eine tiefe Sehnsucht nach dem Klinkerhaus auf dem Land. Er schildert die Vorteile und Probleme von Fernbeziehungen und diagnostiziert den Artgenossen eine aus dem Gleichgewicht geratene Work-Life-Balance.

Der süße Vogel Jugend beabsichtigt das Nest zu verlassen. Wird ihm dieser Flugversuch auch gelingen? Ist er überhaupt windelfrei? Unter beherzten Flügelschlägen entstehen hinreißende Abgesänge auf die Zeit im Hotel Sorglos. Ein Musikkabarettprogramm für alle Generationen.

Auszeichnungen:
Deutscher Meister Kabarettbundesliga 2016 (Erster Platz)
Leedermokker Wettbewerb Mainz 2015 (Erster Platz)
Goldener Rottweiler 2014 (Publikumspreis)
Emmendinger Kleinkunstpreis 2014 (Jurypreis + Publikumspreis)
Troubadour 2014 (Jurypreis + Publikumspreis)
Nightwash Talent Award 2014 (Zweiter Platz)
Melsunger Kabarettwettbewerb 2014 (Nachwuchspreis)
Kabarett Kaktus 2014 (Erster Platz)
Online-Voting-Gewinner beim Jugend kulturell Förderpreis 2014 „Kabarett & Co“

Link: www.matthiasningel.de

Keine Informationen unter:
#comingofagekabarett, #qualitytime*

* Nicht jedem Hype muss man gerecht werden. Hashtags existieren in diesem Programm lediglich als musikalische Versetzungszeichen, denn (und das ist die gute Nachricht!) der Künstler ist am Klavier auch mit den schwarzen Tasten vertraut.

28.04.2018: EMMA6

Emma6 lockt Besucher aus ganz Deutschland nach Lantershofen

Kölner Band war erstmals in diesem Jahr live zu erleben

„Zugegeben, Lantershofen kannten wir bisher auch noch nicht.“ Emma6, recht erfolgreiche Band mit Wurzeln in Heinsberg bei Aachen und heute in Köln beheimatet, zeigte sich am vergangenen Samstag im Lantershofener Winzerverein recht erstaunt. Weniger von der Spielstätte in dem Grafschafter Ort, als vielmehr von der Tatsache, dass Fans aus der ganzen Republik dorthin gekommen waren, um die Band mal wieder live zu erleben. Weil Emma6 nach ihrer letztjährigen Deutschland-Tour derzeit nämlich nur im Studio arbeiten und es der erste öffentliche Auftritt in diesem Jahr war, schien dies für den ein oder anderen wohl ein „Muss.“ „Wir haben Tickets nach Stuttgart, Berlin, Frankfurt oder Dortmund verschickt“, war beim veranstaltenden Verein Kulturlant zu hören, der gerne noch mehr Musikfreunde aus der Region begrüßt hätte.

Emma6, die es im Jahr 2011 mit ihrem Song „Paradiso“ schon einmal auf Platz 60 der deutschen Singlecharts geschafft haben und deren aktuelles Album „Wir waren nie hier“ ebenfalls den Weg in die Hitparaden gefunden hatte, spielten natürlich die Songs aus ihrer aktuellen Veröffentlichung. Was den Zuhörern geboten wurde, war äußerst melodischer deutscher Pop. Kein Kitsch und kein Schlager, sondern Texte mit Hintergrund. Ein Beispiel hierfür bildet die aktuelle Single „Kapitulieren“, in einem Song über das „Alt-Sein“ heißt es dort „Du kannst hier drinnen bleiben und dich blenden.

Doch das, worauf du wartest, kommt ziemlich sicher nicht.“ Ein weiteres schönes Beispiel für die Visionskraft des Albums ist das Stück mit dem Titel: „Das Haus mit dem Basketballkorb“, das für viele eigene Assoziationen sorgt. Und in „10 Jahre“ reflektieren Emma6 ihre nun schon ein ganzes Jahrzehnt andauernde und recht erfolgreiche Musikkarriere. „Vor 10 Jahren hab ich mich gefragt wer bin ich in 10 Jahren? Habe ich ein Lied geschrieben, dass alle Leute lieben?“, fragt Sänger Peter Trevisan und macht klar: „Wenn man gar nichts vermisst ist alles gut. Das Leben ist so schön wie es wehtut.“ Trevisan gründete die Band einst mit seinem Bruder und Schlagzeuger Henrik. Dritter im Bund des Studiotrios ist Bassist Dominik Republik. In Lantershofen wurden die drei, deren Auftritt nah nur 75 Minuten endete, noch von Gitarrist ‎Florian Sczesny begleitet.

Auf das Konzert eingestimmt wurden die rund 150 Besucher vom heimischen Singer/Songwriter Silvan Dünker, der mit seiner Band ein halbes Dutzend eigener Stücke, unter anderem von seiner aktuellen CD „Ein bisschen weniger mehr“ präsentierte.

Veranstaltungsankündigung

„Wir waren nie hier“

Eine gute Band öffnet Dir Welten – ganz gleich ob exotisch fremde oder angenehm vertraute. EMMA6 gelingt es dabei, schon mit wenigen Worten, mit ausgesuchten Bildern so viel Welt sichtbar zu machen, als wäre ein Song eines dieser 180-Grad-Kinos, die es früher auf dem Jahrmarkt gab. 180-Grad-Kino?Was soll das denn für eine Referenz sein? Nun, man könnte auch schreiben, „Songs wie eine Virtual-Reality-Brille“, aber das trifft es nicht. EMMA6 besitzen einfach etwas zutiefst Analoges. Nullen & Einsen, Cyberphantasien spielen woanders. Ein schönes Beispiel für diese Visionskraft ihres dritten Albums ist das Stück mit dem Titel: „Das Haus mit dem Basketballkorb“. Die eigene Assoziationsmaschine rattert sofort los! Endlich mal wieder Pop, der sie kitzelt und nicht alles bereits hermetisch und eindimensional vorgibt. EMMA6 geben einem mit Songs wie diesem ganz viel zu verstehen. Der Rest steht hier: Die heute in Köln beheimatete Band begegnete sich schon in ihrer Jugend – und in ihrer ganz persönlichen Kleinstadt. Heinsberg, kaum größer als ein Dorf und fast übertrieben nah an der Grenze zu den Niederlanden. Wobei der Nukleus der Band sich sogar auf eine noch kleinere Einheit zurückführen lässt: Peter und Henrik Trevisan sind nicht nur Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger des Trios sondern auch Brüder. Bassist Dominik Republik teilte Schulwege mit den beiden – und vom Kicken kannte man sich ohnehin schon eine lange Zeit. Eine Jugend in den 90ern.

Die Texte verwischen das nicht, im Gegenteil. Sie suchen, sie forschen, sie graben. Warum ist man heute der, der man ist? Und welche Aussage trifft das eigentlich über das, was noch kommt? Wobei die Texte immer so gehalten sind, dass die eigenen Assoziationen weiter getriggert werden, die Fragen, die sich diese Band und diese Platte stellen, werden schnell zu den eigenen – vermutlich weil sie es schon immer waren. So hängt man schnell mit Haut und Haaren in diesem Album. Wie wichtig diese Platte der Band selbst ist, spürt man dabei in jedem Moment. Die erste nach dem Abenteuer, bei einer Major-Plattenfirma unter Vertrag gewesen zu sein. Die erste nach einer Zeit, in der es um Charts, Budgets und Marktförmigkeit ging. Die erste … eigene. „Wir waren nie hier“ fühlt und hört sich an wie Befreiung. EMMA6 steht dafür, lieber mal laut zu hupen, statt beflissen das eigene Profil unsichtbar zu schleifen. Man muss nicht EMMA6 oder gar Musik studiert haben, um zu merken, wie gut dem Sound die Absenz einer alles gleichmachenden Majorproduktion tut. Und wie gut aber auch für die Texte die damit einhergehende Unsicherheit ist. Jetzt gehört man sich also wieder selbst, und was fängt man damit an?

Link: www.emma6.de

14.04.2018: ANKA ZINK

Keiner will da sein wo er gerade ist

Anka Zinks Kabarett mit Feinschliff begeisterte mehr als 200 Gäste in Lantershofen

Buchstäblich mit auf die Reise nahm die Bonner Kabarettistin und „Springmaus“-Mitgründerin Anka Zink am vergangenen Samstag mehr als 200 Besucher der Kulturlant-Bühne im Grafschafter Kulturzentrum Winzerverein Lantershofen. Doppeldeutig war der Name ihres aktuellen Programms: „Leben in vollen Zügen.“ Ob sie das Leben tatsächlich derartig genießt, wurde dabei nicht so ganz klar, wohl aber die Tücken ihrer vielen dienstlichen und privaten Reisen, von denen auch letztere manches Mal gar nicht gewollt waren. Nur konnte sie sich nicht entscheiden, an entscheidender Stelle „nein“ zu sagen. Aber von vorne: Zink machte zunächst einmal ihre Definition von Kabarett und Comedy deutlich und erklärte: „Ich mache Comedy mit Relevanz. Ich sage zum Beispiel nichts über Donald Trump. Dazu fällt mir sowieso nichts mehr ein.“

Anka Zink hatte sich vielmehr aufs Reisen versteift und fragte das Publikum, warum heute keiner mehr da sein will, wo er gerade ist. Macht Reisen Spaß, auch in jedem Alter? Oder heißt es irgendwann mal: „Mobilität dank Mobilat“ oder alternativ „vom Roller zum Rollator“? Schon der Start ist problematisch, zumindest wenn er an einem Freitag stattfindet. „Da gibt es um 15 Uhr auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen 170 Kilometer Stau. Andere Bundesländer haben gar nicht so viele Autobahnen.“ Und wer steht dort: SUV’s, also Geländewagen, die nicht ins Gelände dürfen, aber mit Dreckfolien beklebt werden, damit es so aussieht, als wären sie im Gelände gewesen. „Gehen sie nachts mal durchs Villenviertel, da hören sie hinter den Garagentoren die SUV’s weinen“, verriet Zink. Und auch das: „Die Staus werden von Warnbaken produziert, hinter denen es keine Baustellen gibt. Es ist nur billiger, die Baken auf der Autobahn lagern, als in großen Hallen.“

Schnell wechselte sie das Thema, vom Straßen- zum  Flugverkehr. Da findet vieles in englischer Sprache statt. „Du musst aber nur zwei Wörter kennen: „delayed“ und „cancelled“, also „kommt später“ oder „kommt gar nicht.“ Und das Wort „Berlin“ in Zusammenhang mit Flugverkehr geht gar nicht: „Air Berlin fliegt nicht und am Flughafen Berlin fliegt nichts.“ Dafür aber werde der Fluggast von Anfang bis Ende wir ein Terrorist behandelt. „Das beginnt schon am Fummel-Check“, so Zinks Definition der Sicherheitskontrolle.

Im Verlauf des mehr als zweistündigen Programms hatte Anka Zink noch jede Menge Reiseerlebnisse parat, sei es der all-inclusive-Urlaub mit der Schwester oder der ungewollte Besuch des Neffen in Ecuador am Äquator, anstelle der Schwester. Ein Fazit von beidem: „Nichts ist einfacher, als sich im Ausland daneben zu benehmen.“ Dabei redete die Kabarettistin ununterbrochen, manchmal ohne Punkt und Komma, aber immer mit einem gewissen Feinschliff, wobei sie beinahe in jedem Satz einen Lacher produzierte, oftmals mit ihren unerwarteten Nebensätzen. Das Publikum in Lantershofen zeigte sich begeistert und zollte der Bonnerin einen donnernden Applaus.

Veranstaltungsankündigung

Eine kabarettistische Reise von und mit Anka Zink

Niemand will da sein, wo er gerade ist. Darum ist fast jeder gedanklich die meiste Zeit des Tages ziemlich weit weg. Das nennt man: Fernweh!

Der moderne Mensch holt den Rollkoffer vom Schrank, schnürt den Funktionsrucksack oder aktiviert die Strandschläppchen, um endlich losziehen zu können in Richtung Freiheit und Glück!

„Leben in vollen Zügen“: Auf ihre ureigene, unverwechselbare Weise befasst sich Anka Zink mit der Sehnsucht, der Routine zu entfliehen – und der Erleichterung, sie endlich wieder zu haben.

Denn die Probleme des Reisens sind so alt wie die Menschheit: Schon bei Maria und Josef waren die Herbergen überbucht, ein singendes Sirenengrüppchen versuchte mit allen Mitteln, Odysseus von seinem All-inclusive-Roundtrip abzubringen und bereits auf der Arche Noah musste man sich mit vielen kleinen bissigen Tieren arrangieren.

Als Kabarettistin permanent „on Tour“, ist Anka Zink Fachfrau für Staumanagement, Streitschlichtung mit dem Navi, Turbulenzen im Flugverkehr und für diese wunderbare Vertrautheit von Pay TV und Minibar – ob in schwäbischen Pensionszimmern oder in der neuen Ferienanlage von Papua Neuguinea.

Das intimste und persönlichste Programm von Anka Zink lädt ein zum Träumen, zum Lachen und zur Reise in das Innere des Universums.

„Wenn Du im Urlaub jemand kennenlernen willst, musst Du mit jemandem verreisen, der so ähnlich aussieht wie du, nur etwas schlechter.“

Haben Sie schon gebucht?

Link: www.ankazink.de

15.03.2018: HG BUTZKO

Goldmedaille in der Disziplin Zurückrudern

HG Butzko gab sich in Lantershofen als tagesaktueller politischer Kabarettist

Eine gesunde Mischung aus politischem Kabarett und Satire gab es am vergangenen Freitagabend für rund 130 Gäste im Lantershofener Winzerverein auf die Ohren. Dort präsentierte der Grafschafter Verein Kulturlant den 2014 mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichneten HG Butzko. Knapp zwei Stunden lang setzte der gebürtige Gelsenkirchener, der heute in  Berlin lebt, zu einem Rundumschlag an, bei dem er seinen besonderen Fokus auf die Religionen legte und dabei explizit zu erläutern wusste, warum er sich nicht auf den Islam einschieße. Der bilde doch mit sechs Prozent in Deutschland nur eine Minderheit, die er nicht diskriminieren wolle. Minderheiten habe er als Kabarettist doch mit den Spitzenverdienern zu genüge „gewürdigt.“

Wer Butzko kennt, weiß, dass sein Programm immer tagesaktuell ist. Da war das Ende der überlangen Regierungsbildung vergangene Woche natürlich ein gefundenes Fressen. Abgeordneter im Reichstag wolle er übrigens nicht sein, steht doch dieses Wort nur am Ende der negativen Kette abgewiesen – abgelegt – abgeheftet – abgeordnet. Dass die aktuellen Parteien zudem mächtig Existenzangst wegen der AfD haben, gebe am Wahltag dem Begriff Urnengang eine ganz neue Bedeutung. Die SPD aber bezeichnete Butzko als „modern.“ Man müsse das Wort nur richtig betonen.

Zurück zu Butzkos Auseinandersetzung mit den Religionen und besonders dem Islam. Da zieht man doch gerne auch mal Vergleiche, die andere nicht so gerne hören. So gebe es doch auch unter Islamisten Homophobie, Sexismus und Antisemitismus. „Integration des Islam in Deutschland kann also gelingen“, so die markante Schlussfolgerung des Kabarettisten. Der forderte mit Blick auf die AfD und ihre Anhänger, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollte man bei selbst anfangen. Geht aber nicht, denn: „Wer mental den rechten Arm ausstreckt, kann sich nun mal nicht an die eigene Nase packen.“ Dass die rechtspopulistischen Aussagen zumeist jeglicher Grundlage entbehren und oft genug wiederlegt worden seien, habe vor allem eine Reaktion nach sich gezogen: „Wäre Zurückrudern olympische Disziplin, die AfD hätte mehrere Goldmedaillen“, so Butzko, nachdem er ein Zitat von Björn Höcke fachgerecht zerlegt hatte, um dann selbstkritisch festzustellen: „Wer mehr Bildung will, muss halt auch Klugscheißer ertragen.“

Da nahm Butzko dann doch lieber die Verteidigerrolle für die islamistische Minderheit hierzulande an und machte dem Populismus gegenüber klar: „Wer will, dass der Islam keine Sonderrechte bekommt, sollte erst einmal dem Christentum die Sonderrechte nehmen. Oder versuchen Sie doch mal als Geschiedener eine Anstellung in einem christlichen Krankenhaus zu erhalten.“ Butzko fand für seine Aussagen Zustimmung und Applaus, er sorgte auch für manchen Lacher, nicht nur beim Zitat der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen, die die Wiedereinführung der Todesstrafe für islamistische Terroristen forderte. „Für Selbstmordattentäter?“, hinterfragte Butzko.

Als der Kabarettist dann die obligatorische Kappe mit der wilden Perücke tauschte und in die Person der „Chris Di Motten“ schlüpfte, gab es fürs Publikum noch ein paar flotte und entspannende Sprüche zum Abschluss des Abends. Besagter Christ kam ja aus Geilenkirchen. Übersetzt: da wo die Gotteshäuser „gerammelt voll“  sind. Zeit für Kalauer. Am Ende blieb für Chris nur die die Frage offen, ob eine Hautcreme, die 20 Jahre jünger macht, für eine 19-jährige tödliche Folgen hat.

Veranstaltungsankündigung

– Veranstaltung im Rahmen der 3. Ahrweiler Freiheitswochen –

Als Captain Kirk und Mr. Spock mal einen entfernten Himmelskörper besuchten, kamen sie anschließend zu dem Fazit: „Es gibt keine menschliche Intelligenz auf diesem Planeten.“ Das funkten sie zur Erde. Einem Planeten, auf dem vor tausenden von Jahren ein paar Leute Stimmen hörten, über die anschließend Bücher geschrieben wurden, worin zu lesen war, dass man so leben muss, wie in diesen Büchern geschrieben steht, oder man kommt in die Hölle. Das Erstaunliche ist nicht, dass diese Bücher Weltbestseller wurden. Das Erstaunliche ist, dass bis heute Milliarden von Menschen ihr Leben nach diesen Büchern ausgerichtet haben. Die einen wollen dabei einen säkularen, die anderen einen Gottesstaat, die einen mit friedlichen Mitteln, die anderen mit AstroTV.

Aber ob Dschihadisten im Nahen Osten, oder Evangelikale im Wilden Westen, selbst CDU/CSU berufen sich in ihrem Namen auf einen Religionsstifter, und auch wenn sie sich in der Wahl ihrer Methoden unterscheiden, so haben sie alle etwas gemeinsam: Sie vermischen in übergriffiger und unzumutbarer Weise Religion und Politik. Wobei unterschieden werden muss zwischen Religionen und Religiosität. Religiosität ermöglicht dem Einzelnen eine Beziehung zum Ganzen. Religionen sind Kartelle zur Durchsetzung von Machtinteressen. Deswegen brauchen Religionen unbedingt religiöse Menschen, um ihnen Gottesfurcht einzuflößen. Während religiöse Menschen nicht unbedingt Religionen brauchen, um den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.

Höchste Zeit also für einen gläubigen Atheisten. Und wer wäre da nicht besser geeignet, als HG. Butzko, Dauergast in allen Kabarettsendungen des deutschen Fernsehens und Träger des deutschen Kleinkunstpreises. Stets tagesaktuell kommt sein satirisch-politisches Kabarett ohne Gebetsmühlen und Moralpredigt aus. Er jongliert nicht mit Keulen, sondern mit Gedanken, und wenn er singt, dann ist es das Hohelied der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Butzkos Argumente sind nicht immer bequem, aber dafür logisch statt ideologisch. Und manchen spricht er dabei ins Gewissen, vielen aus der Seele, doch vor allem immer Klartext. Im Namen des Geistes, des Herzens, und der heiligen Lust am Leben. Da weiß man, was man hat. Amen!

Links: www.hgbutzko.de

02.03.2018: SARAH LESCH

Von Opas, der Freundin und einem Kapitän

Die Liedermacherin Sarah Lesch startete ihre Deutschlandtournee in Lantershofen

„Und dann dachte ich mir, da muss ich ein Lied drüber machen.“ Das war nicht nur einmal für mehr als 200 Gäste, die am vergangenen Freitag den Tourneeauftakt der Leipziger Liedermacherin Sarah Lesch in Lantershofen erlebten, zu hören. Sarah Lesch erzählt in ihren Liedern aus ihrem Leben. Lieder, die von der Liebe handeln, von Kindern, aber auch Protestsongs und Stücke mit viel Sarkasmus waren dabei. Begleitet vom Berliner Liedermacher Lukas Meister, bot die 32-jährige dem Publikum, dass teilweise aus großer Entfernung angereist war, einen Rundumschlag ihren musikalischen Schaffens, bei dem Alben mit Namen, wie „Rummelplatzmusik“ oder „Lieder aus der schmutzigen Küche“ entstanden sind. Im Mittelpunkt des fast dreistündigen Konzerts aber standen Songs aus ihrem neuen Album „Da draußen“, mit dem sie mittlerweile ein großes Publikum erreicht. Den Titelsong, der über den alltäglichen Krieg auf den Straßen erzählt, gab es ganz zum Schluss des Konzerts zu hören, sozusagen als Höhepunkt. Hunderttausende haben den Titel bereits auf den Videoplattformen im Internet angeklickt.

Lesch, die das stinknormale Leben im Job als Erzieherin irgendwann Leid hatte, nutzte den Abend nicht nur für ihre Musik. Sie hatte zwischen den einzelnen Stücken viel zu erzählen, von sich und ihrer Familie. Poesie mit zumindest einem Gedicht gab es obendrauf. Das meiste aber erzählte Lesch in ihren Liedern, bezeichnete sie sich selbst doch als „Schisser, die Lieder schreibt, als wäre sie total mutig.“ Und darin begibt sie sich auf Touren, sucht in „Reise, Reise, Räuberleiter“ das Weite, sucht aber auch in ihrer privaten Nähe den eigenen „Leablingsbeatle.“ In ihrem „Testament“ aus dem Album „Von Musen und Matrosen“ protestiert Lesch gegen den Umgang mit Kindererziehung hin zum Einheitsbrei: „Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben, achtet auch Schönschrift und Lehrpläne und dass sie die Bleistifte spitzen. Die Götter lachen sich schief.“

Immer wieder zu hören ist Leschs Freiheitsdrang, dargestellt durch Musik, die mit eben dieser und dem weiten Meer verbindet. „Einer ist immer der Matrose“ erzählt eine solche Geschichte, vielleicht auch „Der Tag an dem die Flut kam“, aber ganz bestimmt „Der Kapitän.“ Hier vertonte sie die wahre Geschichte des Kapitäns, der für seine Flüchtlingsrettung ausgezeichnet und zugleich angeklagt wurde. „Schlimm, dass der Text auch heute noch brandaktuell ist“, bemerkte die Liedermacherin und sang Lieder für ihren trotz negativer Einstellung geliebten Opa oder die beruflich so erfolgreiche Freundin Anna, die doch viel lieber so bodenständig sein will, wie Sarah. Und umgekehrt.

Ehe die zierliche Sarah Lesch zu hören war, gehörte die Bühne Lukas Meister, der in fast schon kabarettistischer Art und Weise mit „Geballte Weisheit“ über die verbale Überlegenheit der Frau sang. Meister hatte den berühmten „Schalk im Nacken“, nicht nur bei seinem Lied über die Verlassenen, denen das oft genug als „gar nicht so schlimm“ vorkommt. Nur die Frage, was denn Leichtigkeit ist, ließ Meister musikalisch offen.

Kulturlant betrat mit dem Konzert ein wenig Neuland, eine Liedermacherin, wie Sarah Lesch, war auf der Lantershofener Bühne noch nicht zu hören. Das spiegelte sich auch im Publikum nieder, rund 80 Prozent der Besucher waren zuvor noch nie im Winzerverein gewesen.

Veranstaltungsankündigung

Sarah Lesch (*1986) lebt und arbeitet heute, nach vielen Jahren in Baden-Württemberg, in Leipzig. Sie schrieb Musik für Kindertheaterstücke und zählt seit Jahren zu den umtriebigsten und produktivsten Liedermachern, mit mittlerweile zwei Alben und unzähligen Konzerten in der Vita. Sarah Lesch ist Preisträgerin des Troubadour Chansonpreises , des FM4 Protestsongcontests , des Preises der HannsSeidelStiftung (Songs an einem Sommerabend) sowie des Udo Lindenberg Panikpreises 2016. Der Grundton der Songs ist in der Mehrzahl zwar lässig bis sonnig, doch bei genauerem Hinhören entdeckt man nicht selten einen hemdsärmeligen Sarkasmus. Keine Frage: Sarah Lesch ist eine Liedermacherin, die verbal hinlangen kann: Ihre Lieder handeln von Liebe, Leichtigkeit und Friedensfrikadellen, aber auch von Heuchelei, Ausbeutung und Ignoranz. Das aktuelle Album, “Von Musen & Matrosen” ist auf Reisen entstanden, geschrieben in ein schwarzes Notizbuch, in Tour Pausen am Strand, auf Dachterrassen über wechselnden Städten, hinter großen und kleinen Bühnen, an fremden Küchentischen. Gemacht aus Notizen, Inspirationsfetzen und Begegnungen, aufgenommen in Hotelzimmern, Kellerstudios und Künstlerateliers, bedient sich die Platte in bester Liedermachermanier bei diesem und jenem Genre, ohne sich dabei auf eines festzulegen. Rotzig und intim, klug und weltfremd zugleich, tanzt und springt sie zwischen den Welten.

Sarah Lesch fängt die Flüchtigkeit des Moments ein und lässt sie im nächsten Atemzug wieder ziehen. Ein Album, das gemeinsam mit der Künstlerin gewachsen ist, ungekünstelt und echt, und voller Liebe und Handwerk.

“Eine Geschichte, die sanft berührt und einem nicht mehr aus dem Kopf geht.”
Konstantin Weckers Webmagazin Hinter den Schlagzeilen

„Sarah Leschs Vortrag mit Gitarre atmet den Geist eines Hannes Wader …voller Aufbruchstimmung und Kraft.“
Thomas Lochte, Münchner Merkur

„Eine Mischung aus Reinhard Mey und auf der anderen Seite erinnert sie mich an Franz Josef Degenhardt.”
Peter Paul Skrepek / FM4 Protestsongkontest Wien

“Sehr persönliche Texte mit literarischer Qualität.”
Thomas Lochte / Nachtkritik Kulturhaus Bosco

Link: www.sarahlesch.de


Sarah Lesch Support: Lukas Meister

24.02.2018: BARBARA RUSCHER

Harte Männer wollen Duftkerzen aufstellen

Kabarettistin Barbara Ruscher schenkte in Lantershofen ganz schön aus

Bissiger Humor, viel Ironie und eine gute Prise Sarkasmus, all das vereint Kabarettistin Barbara Ruscher in ihrem Programm „Ekstase ist nur eine Phase“, mit dem sich am vergangenen Samstag auf der Kulturlant-Bühne in Lantershofen knapp 200 Besucher unterhielt. Zumeist am Flügel sitzend, erklärte die in Köln lebende, geborene Rheinbacherin dem Publikum ihre Welt und ihre Sicht auf die Dinge. Ruscher spielte kein starres Programm herunter, sondern fand immer wieder den Weg in die Aktualität. Dass Deutschland bei den aktuellen Olympischen Spielen so viele Medaillen im Rodeln gewann, erklärte sie beispielswese damit, dass es hierzulande kein Tempolimit gebe.

Aber zurück zur Ekstase, die laut Ruscher ja in so vielen Lebensbereichen möglich ist. Ein Beispiel: Ekstase beim Mann, wenn der im Discounter eine Bohrmaschine für 9,99 Euro kaufen kann. Und noch eine, wenn diese auch nach zwei Wochen noch funktioniert. Es gibt auch lokale Unterschiede. In Hannover gerät man laut Ruscher in Ekstase, wenn man sich schon vor der Hochzeit duzt. Da will man dann auch gerne in andere Rollen schlüpfen, und so sang die Kabarettisten über harte Männer, die eigentlich alle nur Duftkerzen aufstellen wollen. Und über Frauen, die endlich mal ein Loch in die Wand bohren möchten, wobei der Mann den Staubsauger darunter zu halten hat.

Barbara Ruscher zeigte sich sprunghaft, minütlich wechselten die Themen. Von der Forderung, dass Mücken endlich aussterben sollten, ging in ihre ganz private Welt, nach Köln-Sülz, dem wohl kinderreichsten Stadtteil der Stadt, wo die Kaninchen auf der Wiese angesichts des menschlichen Verhaltens Komplexe bekommen. Und Ruscher mittendrin, ein krähender Hahn in Nachbars Garten zur einen und 50 Bienenhotels im Grün zur anderen Seite, wo der Nachbar ganz alleine die Welt retten will. „Da muss man ja bekloppt werden“, so ihr Fazit, als sie sich selbst beim Song über Veganer begleitete und mit Möhren auf einem Kürbis trommelte.

Und dann Freundin Lucy, der Gegensatz zum Veganer. „Die isst nur Fleisch aus Massentierhaltung, weil sie es voll fies findet, glückliche Tiere zu schlachten.“ Sie assoziiert dabei wie folgt: Bratengeruch ist gleich „Sonntag“ ist gleich „Eis zum Nachtisch“ und „Daktari.“ Nur die jüngeren im Publikum konnten damit nichts anfangen. Überhaupt hielt sich das Publikum bei den vielen Fragen von Barbara Ruscher zurück. „Wer möchte noch Kinder haben? Und wer möchte das nicht mit dem Partner, mit dem er heute hier ist?“ Niemand zeigte auf.

Ernährungskonzepte waren eines ihrer großen Themen: „Der Pavian ernährt sich überwiegend vegan – dann guckt mal, wie sein Hintern aussieht.“ Und immer wieder Köln-Sülz, wo die frühgeförderten Digital Natives natürlich bilingual aufwachsen. Sogar der Analphabet. „Der kann in zwei Sprachen nicht lesen.“ Manchmal blieb dem Publikum schon das Lachen im Halse stecken. Da gab es dann gleich noch eine Ansage hintendrauf: „Das hier ist Kabarett und nicht der Quatsch Comedy Club.“ Nach zwei Stunden endete Barbara Ruscher mit ihrer ganz persönlichen Hymne auf Multifunktions-Küchengeräte: „Ich mach aus Früchten Matsche, ich hab einen an der Klatsche.“

Veranstaltungsankündigung

Mit ihrem neuen Programm erobert die scharfsinnige Kabarett-Lady Barbara Ruscher charmant und intelligent nun auch die letzten Tabus unserer Zeit: sowohl die FIFA mit dem Großprojekt WM 2022 in Katar („Beckenbauer hat keine Sklaven gesehen, die Inklusion ist gelungen! Sehbehinderte Funktionäre sind voll integriert!“) als auch das globale Erotik-Phänomen „Fifty Shades of Grey“ („S-M ist normal geworden, selbst der Papst sagt, leichte Schläge sind erlaubt“). Der nahtlose Wechsel vom Politischen ins Erotische gelingt ihr ebenso charmant wie die Kunst, die Welt nicht moralinsauer, aber wunderbar ätzend zu spiegeln. Wer sie nicht gesehen hat, hat wirklich etwas verpasst!

Ekstase findet Ruscher in allen Bereichen: im modernen Verhältnis der Geschlechter, aber auch bei Massentierhaltung, beim Datenklau im Punktesammeln, bei der Billigproduktion und der Wahl von Ernährungskonzepten („Der Pavian ernährt sich überwiegend vegan – dann guckt mal, wie sein Hintern aussieht“) – all das wird von ihr souverän als Stand-up und am Klavier, getextet und gedichtet, lakonisch und bissig präsentiert.

Barbara Ruscher ist bekannt aus Sendungen wie „Satiregipfel“ (ARD), „Ladies Night“ (WDR/ARD), „Spätschicht“ (SWR), „Puffpaffs Happy Hour“ (3Sat), „Mitternachtsspitzen“ (WDR), „NightWash“ (EinsFestival), „Markus Lanz“ (ZDF) etc. und Finalistin bei zahlreichen Kabarett- und Comedypreisen sowie als bisher einzige Frau (Solistin) Preisträgerin der Kabarett-Bundesliga (2012).

Auch als Autorin äußerst erfolgreich liest sie auf der Bühne aus ihrem Bestseller „Fuck the Möhrchen – Ein Baby packt aus“, in dem ein manisch frühgefördertes Baby namens Mia die Absurdität der Erwachsenenwelt furztrocken auf die Schippe nimmt („Mama beschwert sich, dass Papa nur noch mit Bier vor der Glotze sitzt und sie nicht mehr attraktiv fände. Papa sagt, dass er ihre Attraktivität manchmal einfach nicht aushalten könne, und sich dann mit Glotze und Bier ablenken müsse.“)

Links: www.barbara-ruscher.de / Facebook