10.10.2020: KAISER & PLAIN

Berliner Kabarett in Überlänge

Kaiser & Plain war die Freude über den Auftritt in Lantershofen sichtbar anzumerken

Sechs Gastspiele hatte das Berliner Duo Kaiser & Plain in der vergangenen Woche im Rahmen einer Kurztournee geplant. Am Ende fand nur eines davon statt, nämlich am Samstag bei Kulturlant in Lantershofen. Im dortigen Winzerverein musste jeder zweite Stuhl leer bleiben, knapp 130 Gäste waren zugelassen, die freien Tickets wurden alle verkauft, „Corona-ausverkauft“ sozusagen. Die Menschen wollen wieder Kultur erleben und die Künstler wollen spielen. David Kaiser und Virginia Plain, beide Schauspieler, wollten am Ende gar nicht vor der Bühne und die Gäste im Saal waren froh darüber, sie feierten die beiden lautstark.

Was der schmächtige Kaiser zumeist am Flügel und die „gut gebaute“ Plain am Mikro dem Publikum boten, war ein Programm, dass man ansonsten im Berliner Kabarett erleben kann. Kein Wunder, ist ihre Hausbühne doch das BKA-Theater in Berlin-Kreuzberg. Auf der Bühne gab es viel Musik, die Bezeichnung „Chanson-Abend“ hätte ebenso gut gepasst, wie Kabarett. „Männer haben auch Gefühle“ war der Name des Programms, in dem das Duo seine lebenslang erfahrenen Gefühlswelten musikalisch darstellte. Natürlich begann das in der Jugend, „Auf’m Land“, wo es ohne Mofa nicht ging und wo die ersten Zärtlichkeiten ausgetauscht wurden. Zwischen den Stücken parlierten Kaiser & Plain dann eher über Belanglosigkeiten, die meist darin gipfelten, dass sie ihm mangelnde Kultur vorwarf und er mit wenig Fingerspitzengefühl seine Hassliebe zu ihr nach außen trug.

Musikalisch wussten die beiden da eher zu überzeugen, meist ging es chronologisch in den Liedern zu, und so folgte die Gefühle dem Duo vom Land in die Stadt, wo es auch schon mal sentimental wurde. Vor allem, als Virginia Plain von den Schmetterlingen sang, aber auch von den Konzerten auf Hinterhofbalkonen. Man ging unter die Künstler, auf der Bühne nicht unerfolgreich, bei Wettbewerben immer ganz hinten auf den Platzierungslisten. Mit „Applaus in Iserlohn“ drückten sie aus, wie egal ihnen das doch ist. Mit zunehmender Dauer des Abends wurden die Themen bunter, Kaiser wechselte vom Flügel auch mal zur Autoharp oder der Ukulele. „Freundinnen müsste man sein“, machten beide klar. Nur dann teilt man nämlich alles ohne Diskussionen – bis sich beide eines Tages in denselben Mann verlieben. Kaiser & Plain fanden immer mehr Gefallen daran, endlich wieder vor Publikum zu spielen, kramten das Beste aus ihren älteren Programmen hervor und steigerten sich von Song zu Song. Das Publikum rissen sie mit ihren Lieder Liedern über Sehnsucht oder soziale Netzwerke mit.

David Kaiser wurde mehr und mehr vom Elefant im Porzellanladen zur Prinzessin auf der Erbse und am Klavier, immer auf der Suche nach dem Mann für die Nacht, der in Lantershofen aber nicht zu finden war. Virginia Plain ließ im Gegenzug mehr und mehr erkennen dass sie doch in Wahrheit der Seemann unter den Ladies ist. Sportlicher Höhepunkt des Abends war sicherlich ihr Sprung auf den Flügel. Das war am Ende Kabarett, wie man es in Berlin eigentlich schon seit mehr als 100 Jahren erleben kann.

Veranstaltungsankündigung

Kaiser & Plain: Wir haben auch Gefühle

Musikcomedy

Kaiser & Plain entdecken ihre Gefühlswelt: große Gefühle, Wechselbäder der Gefühle und sogar atemberaubende Gefühlsachterbahnen. Hierbei fragen sie sich verdutzt, ob diese mannigfaltigen Gefühle schon immer da waren? Oder woher kommen die plötzlich alle um die Ecke? Wer von den beiden hat mehr Gefühle, wer die schöneren? Wer kann sie am besten ausdrücken? Kann man zu viele Gefühle haben, und, wenn ja, was macht man dann mit dem überschüssigen Ballast? Sind wir nicht alle ein bisschen Rosamunde Pilcher?

Und jetzt, wo die wahrlich gemischten Gefühle nun schon einmal da sind, was sollen Kaiser & Plain damit anfangen? Natürlich in ein Programm packen, denn Emotionen lassen sich am besten mit Musik transportieren.

Liebe, Eifersucht, Melancholie, Stolz, Angst, Hass, Abneigung… Alle Gemütslagen werden unter die Lupe genommen. Das Musikcomedy-Duo singt und plaudert aus dem Herzen und aus dem Nähkästchen ihres überaus reichen Gefühlslebens, seiner scharfen Beobachtungen und des Hörensagens. Das Publikum kann live erleben, wenn Glückshormone und Stresshormone ihre Kämpfe ausfechten.

Virginia und David präsentieren neue eigene Songs und interpretieren so manche Perle von Musikkabarett-/Singer-Song-Writer-KollegInnen. Sie betören durch Witz, Natürlichkeit und die Harmonie von Virginias außergewöhnlich voller, samtiger Stimme mit Davids gefühlvollem Klavierspiel und Gesang. Plain ist eine beeindruckende Erscheinung, Kaiser der smarte, coole und auch mal widerspenstige Gegenpart. Virginia Plain ist der Seemann unter den Ladies, David Kaiser die Prinzessin auf der Erbse am Klavier.

www.kaiser-und-plain.de

03.10.2020: INGOLF LÜCK

„Neustart Kultur“ in Lantershofen

Erstmals Theater bei Kulturlant – Viel Beifall für Ingolf Lück

Die Corona-Pandemie zwang den Grafschafter Verein Kulturlant im Frühjahr, gleich sieben Veranstaltungen zu verschieben. Am vergangenen Samstag sollte nun die neue Spielzeit 2020/21 starten. Und das tat sie auch. Unter strengen Auflagen der aktuellen Verordnungen schlug der Verein einen neuen Weg ein. Waren bisher auf der Lantershofener Bühne vor allem Kabarett und Konzerte der Unterhaltungsmusik zu erleben, stand nun ein recht ernstes Theaterstück an. „Seite Eins“ schrieb der 1967 in Trier geborene Johannes Kram im Jahr 2014. Das Werk mit dem Untertitel „Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“ hat die Arbeit des Boulevardjournalismus zum Inhalt und bedient dabei sämtliche Klischees. Gespielt wurde das Stück von Ingolf Lück, der eigentlich mehr als Comedian oder Kabarettist bekannt ist, in Lantershofen aber große schauspielerische Qualitäten zeigte.

Lück verkörperte den Boulevard-Journalisten Marco auf der Jagd nach der großen Story. Dabei war er entweder ständig am telefonieren, oder er erklärte Publikum die Sinnhaftigkeit seines Berufsstandes, indem er mit dem serösen Journalismus abrechnete. Boulevard sei keine Lügenpresse, er interessiere sich vielmehr für die Menschen und die Wahrheit der Menschen. In seinem Monolog über die Herrlichkeit des Boulevard drückte Marco sogar mehrmals Anrufe weg, immer wieder ertönte die Handymelodie „Don‘t Stop me Now“ von Queen. Marco redete derweil über Respekt und Verantwortung. Dann ging er ran ans Handy. Am anderen Ende war Lea, eine junge Sängerin mit erster CD, ein Frischling im Business auf der Suche nach Werbemöglichkeit. Die gab ihr Marco, aber auf seine Art und Weise. Nicht Leas Musik stellte er in den Vordergrund, sondern ihre vermeintliche Liebe zum Unternehmer-Erben Philipp. Und so kam Lea recht fragwürdig auf Seite Eins, wo getitelt wurde: „Der Industrie-Erbe und das Partygirl – ist das wirklich Liebe?“

Nur zu gut, dass er sich bei seinen Recherchen vertan hatte, denn nicht der angehende Großerbe war besagter Philipp, es war ein anderer Philipp. Der Erbe meldete sich und drohte mit Klagen, Lea meldete sich und drohte damit, in einer Talkshow alles richtigzustellen. Jetzt zeigte sich der wahre Boulevard-Journalist und trieb Lea durch eine kleine, perfide Erpressung in die Enge. Das Kalkül ging auf.

Johannes Krams „Seite Eins“ ist ein gleichermaßen unterhaltsames wie bitterböses Stück, das beim Lantershofener Publikum ankam, Lück erhielt minutenlangen Beifall von den rund 90 Besuchern. Das waren noch einmal 40 Gäste weniger, als aktuell bei Kleinkunst in Lantershofen zulässig sind. „Wir dürfen rund die Hälfte unserer gut 250 Plätze besetzen, aber die Karten muss man erst einmal verkaufen“, so Vorstandssprecherin Marie-Luise Witsch. Dass der Verein derzeit so gut wie immer defizitär arbeitet, betonte die Sprecherin auch, machte aber gleichzeitig auch klar: „Wir haben als Grafschafter Verein weder Miet-, noch große Personalkosten und werden eines nicht tun, nämlich Agenturen bitten, die Künstlergagen zu verringern. Dazu ist die Branche zu sehr betroffen.“ Man sei guter Dinge, unter den gegebenen Voraussetzungen noch eine Weile Kultur anbieten zu können, zumal es große Unterstützung von der Kommune, aus der Wirtschaft und von Privatleuten gebe, ergänzte Vorstandssprecher Udo Rehm. Das Hygienekonzept mit Fiebermessungen durch das DRK am Eingang, Platzzuweisungen und ständigem Luftaustausch fand viel Lob bei den Besuchern.

Veranstaltungsankündigung

Ingolf Lück in „Seite Eins – Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“
Von Johannes Kram

Marco ist Journalist. Boulevardjournalist aus ganzer Überzeugung. Tratsch und Klatsch sind überall, sie haben es vom Frisörsalon bis in die „seriöse“ Presse gebracht. Die voyeuristischen Stimmen begleiten und verfolgen Menschen durch Affären und Krisen, an deren Ende sie entweder schnelle Popularität erlangen oder daran zugrunde gehen. Marco liebt diese Macht und verehrt sein Metier als Kunst. „Zuckerbrot und Peitsche“, das ist seine Maxime. Auf der ständigen Jagd nach einer gut verkäuflichen Story lernt er Lea kennen. Sie hat gerade ihre erste CD rausgebracht und ist noch ein echter Frischling im Business. Marco wittert mit seinem untrüglichen Instinkt sofort die perfekte Beute. Er stellt Lea eine Titelstory und damit den großen Durchbruch in Aussicht. Lea sind Boulevard-Medien zwar suspekt, sie lässt sich aber von den scheinheiligen Versprechungen des skrupellosen Journalisten einlullen. Er bringt die Story, wenn auch etwas anders als besprochen. In seiner aus Halbwahrheiten zusammenphantasierten Version wird Lea von einer ernstzunehmenden Künstlerin zum Promiluder, das sich als Imagepolitur den Erben einer Unternehmerdynastie geangelt hat. Das schlägt ein, allerdings auch für Marco etwas anders als erwartet. Einen kurzen Moment steht er selbst mit dem Rücken zur Wand. Doch dann schafft er es, Lea durch eine kleine, perfide Erpressung in die Enge zu treiben. Er bringt sie zur nächsten Entblößung und macht sie damit endgültig zum Freiwild im Blitzlichtgewitter. Johannes Krams „Seite Eins“ ist ein gleichermaßen unterhaltsames wie bitterböses Stück, das die zum Teil verantwortungslose Maschinerie moderner Massenmedien entlarvt. Ein Angebot, hinter die Kulissen zu schauen, die eigene Haltung gegenüber Medien zu reflektieren. Wo hört investigativer Journalismus auf und wo fängt menschenunwürdige, respektlose Berichterstattung an? Und welche Rolle spielt dabei die eigene Lust am Voyeurismus?

07.03.2020: 3. YOUNG SCOTS TRAD AWARDS WINNER TOUR

Weltmeister auf der Kulturlant-Bühne

Schottlands beste Nachwuchsmusiker gastierten auf Deutschlandtour auch in Lantershofen

Sie spielen traditionelle schottische Musik und sind die Besten ihres Landes. Drei junge Nachwuchsmusiker samt Gitarrenbegleitung touren derzeit durch Deutschland. Die „3. Young Scots Trad Awards Winner Tour“ machte am Samstag in Lantershofen Station. Im ausverkauften Saal des Winzervereins feierten rund 250 Gäste die jungen Musiker, die in den beiden vergangenen Jahren die wichtigsten Nachwuchspreise in ihrer Heimat gewinnen konnten. Dort veranstalten die großen Radio- und Fernsehstationen, allen voran BBC Scotland, regelmäßig Wettbewerbe für junge Menschen, die die traditionelle Musik des Landes hochhalten. Wer dort einen Preis gewinnt, dem steht jede Bühne offen, auch weit über die Grenzen Schottlands hinaus.

Ross Miller beispielsweise tourt mit verschiedenen Formationen durch die ganze Welt. Der Dudelsackspieler, der 2016 Gewinner bei den Celtic Connections wurde, hat es sogar bis zum Weltmeister geschafft, er gewann mit seiner Band im Jahr 2017 die „World Pipe Championships.“ In Lantershofen zeigte er, wie er aus dem oftmals als angestaubt geltenden Instrument moderne Klänge locken kann, Dudelsack-Tanzmusik sozusagen. Hannah Rarity gewann im Jahr 2018 mit dem „BBC Radio Scotland Young Tradition Musician of the Year“ den wichtigsten Nachwuchspreis, auch sie tourt seitdem durch die Welt. Auf der Kulturlant-Bühne stellte sie ihre kraftvolle und klare, seelenbehaftete Stimme vor allen Dingen bei Balladen aus ihrer Heimat unter Beweis. Und Geiger Benedict Morris, der im vergangenen Jahr den begehrten BBC-Radio-Preis erringen konnte, brannte ein wahres musikalisches Feuerwerk ab. Begleitet wurden die drei Musikanten von Luc McNally an der Gitarre, der bereits zwei Mal den BBC-Award gewinnen konnte.

In der Konzertreihe stellte sich zunächst jeder der drei Musiker, begleitet von McNally, musikalisch vor. Zu hören waren schottische, aber auch irische Traditionals aus den vergangenen Jahrhunderten. Dazu präsentierten die jungen Schotten eigene Werke, zumeist aus ihren Debutalben. Schon bei der Vorstellungsrunde ließ sich das Publikum zu lauten Beifallsbekundungen hinreisen. Das wurde im zweiten Konzertteil noch enthusiastischer, jetzt waren alle vier Musiker zu erleben, spielten traditionelle Titel, wie „In Freenships Name“ oder „Erin Go Bragh“, dazu mit „The Snow They Melt The Soonest“ ein von allen vier Musikern neu arrangiertes traditionelles Stück. Musik von Norman Blake (Church St. Blues) oder Phil Cunningham (Cathcart) komplettierten das Programm, bei dem die Musiker erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gingen. Zu ganz später Stunde, die meisten Gästen waren längst auf dem Heimweg, tauchten alle vier im Thekenbereich des Winzervereins noch einmal auf, packten die Instrumente aus und gaben noch ein kleines Konzert für die Nachtschwärmer. Derweil sagte die Tour-Organisatorin Petras Eisenburger zu, dass man trotz einer Verdopplung der Besucherzahlen der aktuellen gegenüber der letztjährigen Tour auch im kommenden Jahr gerne wieder auf die Kulturlant-Bühne nach Lantershofen kommt, dann mit neuen, jungen Preisträgern.

Veranstaltungsankündigung

Young Scots Trad Awards Winner Tour 2020 – junge Preisträger spielen frischen Scottish Folk vom Feinsten!

Nach den erfolgreichen Konzerten der Young Scots Trad Awards Winner Tour in 2018 und 2019 werden auch in 2020 vom 26.02. bis zum 15.03.2020 vier junge schottische Ausnahmemusiker/innen in 19 Spielstätten in Deutschland aufspielen. Wie bereits in 2018 und 2019 geben Preisträger und Finalisten von renommierten Folk-Wettbewerben wie u.a. BBC Radio Scotland Young Trad Musician of the Year Award Zeugnis ihres Könnens.

Ziel dieser Wettbewerbe ist es, junge schottische Musiker zu animieren, schottische Musiktraditionen mit der eigenen musikalischen Virtuosität fortzuführen und zu beflügeln. Bei den BBC Radio Scotland Young Trad Awards beispielsweise bewerben sich jährlich zahlreiche Musiker – sechs Finalisten kämpfen anlässlich eines Prestigekonzerts beim berühmten Celtic Connections Festival im schottischen Glasgow um den ersten Platz. Der oder die beste Musiker/in wird mit dem BBC Radio Scotland Young Traditional Musician Award des entsprechenden Jahres ausgezeichnet.

Benedict Morris (Geige), Hannah Rarity (Gesang), Ross Miller (Dudelsack) und Luc McNally (Gitarre) begeistern mit ihrer Virtuosität und ihrem Mix aus aufpeitschenden Instrumentalstücken und sanften Balladen. Mit ihrer Solo-Performance im ersten Programmteil und ihrem gemeinsamen Auftritt in der zweiten Programmhälfte nehmen Benedict, Hannah, Ross und Luc ihr Publikum mit auf eine aufregende und vielfältige Musikreise nach Schottland.

Aus Rezensionen der Young Scots Trad Awards Winner Tour 2018 und 2019:

  • „So authentisch, klangschön und leidenschaftlich interpretiert hört man schottischen, mit individueller Note versehenen Folk wohl selten.“ (Der Patriot, Lippstadt)
  • „Musiker bestechen mit Spielfreude und technischer Perfektion“, …“einmaliges Klangerlebnis…“ (Syker Kurier)
    …spielten und sangen junge Musiker, die mit leidenschaftlicher Spielfreude und großer Virtuosität die Fans der schottischen und irischen Folklore begeisterten …“ (Syker Kurier)
  • „Vier schottische Musiker begeistern Publikum im SWR-Foyer“… (Allgemeine Zeitung Mainz)
  • „Am Ende hat es sie von den Stühlen gerissen. Hielt das Publikum im Glashaus während des fulminanten Konzerts der „Young Scots Trad Award“-Gewinner zunächst noch auf den Stühlen durch – wobei diverse „Sitztanz“-Variationen zu beobachten waren –, brachen sich wippende Füße, klatschende Hände und nickende Köpfe am Ende Bahn: Die Leute standen in den Sitzreihen, manche tanzten an den Rändern (Hertener Allgemeine)
  • „..was die vier Musiker …bei ihrem Auftritt im Rahmen der 2. Young Scots Trad Awards Winner Tour 2019 präsentierten, war mitreißend gespielte Musik auf ganz hohem Niveau;… da kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr“ (Emsdettener Volkszeitung)

Benedict Morris: Geige

Auszeichnungen/Titel: Gewinner BBC Radio Scotland Young Traditional Musician of the Year Award 2019, zahlreiche Regional- und Provinztitel, drei Medaillen bei gesamtirischen Musikwettbewerben

Aktuelle Projekte: Projekt Smok mit den BBC-Preisträgern Ryan Murphy und Pablo Lafuente; Duo mit Cormac Crummey, weitere Bandprojekte, Video-Projekt “Backers”

Hannah Rarity: Gesang

Auszeichnungen/Titel: BBC Radio Scotland Young Traditional Musician of the Year Award 2018

Aktuelle Projekte: Solo- und Bandauftritte in ganz Großbritannien

Sängerin bei der letzten Highland Blast Tour in Deutschland

Ross Miller: Dudelsack

Auszeichnungen/Titel: u.a. Weltmeistertitel – World Pipe Band Championships 2017, North American Piobaireachd Champion 2019, Danny Kyle Open Stage Gewinner bei den Celtic Connections 2016

Aktuelle Projekte: weltweite Solo- und Bandauftritte mit Charlie Stewart und Luc McNally

Luc McNally: Gitarre

Auszeichnungen/Titel: Finalist 2017 und 2018 des BBC Radio Scotland Young Traditional Musician of the Award, Gewinner “Battle of the Folk Bands” 2017 in Edinburgh, mit der Band Dosca, Gewinner Molloy Award (‘Trip to Birmingham TradFest’), mit Iona Fyfe und Charlie Grey

Projekte: Bands Dosca, Snuffbox, Sketch

Weitere Infos unter:

www.concert-connections.com
Young Scots Trad Awards Winner Tour

06.03.2020: MATHIAS TRETTER

Analoges Chatten ist wieder in Mode

Der Kabarettist Mathias Tretter gab in Lantershofen den politisch korrekten Spießer

Spießer? Gibt es in der heutigen Gesellschaft keine mehr. Dafür aber eine Fülle toleranter Elektromobilitäts-Windkraft-Veganer. Mit Aussagen wie dieser trat der im Jahr 2017 mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnete Mathias Tretter am Freitag vergangener Woche in Lantershofen auf. Dabei schien Tretter doch viel zu gerne selber der Spießer zu sein. Er sei nicht arrogant, nur zu klug, machte er deutlich, als er mit knallrot geschminkten Lippen auf die Bühne trat und sich zunächst outen wollte. Wegen der Lippen? Nein. „Ich trage mit 46 Jahren jetzt Brille. Ich bin sehbehindert.“ Selbstmitleid kann er auch. Ansonsten aber bestach der Wahl-Leipziger, dessen Akzent die Heimat Würzburg immer noch verriet, mit intelligentem Polit-Kabarett. Tretter provozierte, nahm den allgegenwärtigen Populismus ins Visier und hinterfragte bei den 200 Gästen im Lantershofener Winzerverein, ob ungebildete Dilettanten in der Politik wirklich so toll seien, wie viele meinen.

Mal kritisch, mal lustig stellte der Kabarettist, dem ein Stuhl und ein Stehtisch auf der kargen Bühne genügten, Fakten auf den Kopf und strickte Zusammenhänge, auf die man auch erst einmal kommen muss. Dabei schein er nie alleine auf der Bühne, führte immer wieder imaginäre Zwiegespräche, mal jammernd mit der verständnislosen Ehefrau, mal mit dem Nachwuchs, am liebsten aber mit seinem als Philosoph gescheiterten Studienfreund Ansgar. Philosophie auf dem Kissen im Fenster des Erdgeschosses liegend, während auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Mob verweilt. Das sei „Windowing“, analoges Chatten am Interface zwischen privatem und öffentlichem Raum. „Das Volk muss da durch“, so Tretter, der besagtem Volk noch ganz anderes zumutete und dabei in seinem Programm „Pop“ den Bogen von Trump zur AfD und dann zum Journalisten spannte. Kaum ein Thema des aktuellen klassischen Kabaretts blieb außen vor.

„Pop“ ist dabei die Abkürzung für die neue Partei, die Ansgar gründen möchte. „Partei ohne Partei.“ Gründungsversammlung in der Paulskirche. Nicht in Frankfurt, sondern irgendwo in einer Paulskirche der Provinz, die Ansgar mieten konnte, weil er dem Verwalter mal etwas Koks vertickern konnte. Tretter wehrte sich vehement dagegen, als Festredner der Gründung aufzutreten, zog lieber über Stimmung schürende Rechtspopulisten und Dilettanten her. Gutes Beispiel für letztere seien die USA, in der ein Gros der Bevölkerung einen ungebildeten Präsidenten gewählt habe. Auch ein großes Thema Tretters: die Entwicklung der Sprache. Homeoffice statt Arbeit am Schreibtisch, Schlafsysteme statt Betten, Ethnopluralisten statt Rassisten. Da gefalle ihm das politisch inkorrekte Vokabular doch viel besser, lässt Tretter eine Tirade deftigster Worte los, sodass ein Raunen durchs Publikum geht. „Je mehr political correctness, desto größer die Anzahl der Schimpfwörter“ ist sein logischer Schluss. Kein Wunder, lebt die Welt doch gerade im Zeitalter des Amateurs. Am Ende erhielt der Künstler begeisterten zustimmenden Beifall, die Botschaft bei Kulturlant war angekommen.

Veranstaltungsankündigung

Mathias Tretter: „Pop“

“In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.” Andy Warhol meinte es tatsächlich ernst, als er jedem diesen Quatsch versprach. Aus den 15 Minuten sind ja längst 140 Zeichen geworden. Zwar wird auch damit niemand zwingend berühmt, aber mitunter zumindest US-Präsident.

Was mit Casting-Shows begann, erreicht in Donald Trump nun endlich seinen sturmfrisierten Höhepunkt: Das Zeitalter des Amateurs. Blogger sind die neuen Journalisten, Hipster die neuen Bierbrauer, AfDler die neuen CDUler. Sänger kriegen den Literatur-Nobelpreis, Kinder erziehen ihre Eltern, das Oval Office ist der neue Hobbykeller. Und außenrum und untendrunter die Welt, die schlingert, dass es selbst den Profis schlecht wird. Die Zehner Jahre: Dilettanz auf dem Vulkan.

Die Auskenner dagegen heißen „Lügenbresse“ und „verschisenes Estäplischment“ (sic – wenn Rechte schreiben, führt das nicht zu Rechtschreibung). Einst hat man seine Mängel kaschiert, heute versteckt man seine Fähigkeiten. Wer Adorno zitiert, gilt als großkotzige Elitesau. Aber wenn man sagt: „Adorno? Sie meinen den neuen Fünftürer von VW?“ – dann ist man im Gespräch.

David Bowie, Prince, Leonard Cohen und George Michael mussten einfach sterben in dem Jahr, in dem alles Pop wurde. Mathias Tretter ist noch da. Lebendiger denn je, böse wie nie, mit dem Programm der Stunde: Pop – Politkomik ohne Predigt. Von einem Profi oraler Präsenz.

Mit Plödeleien oberster Populistik. Peziehungsweise, ohne Pescheidenheit: 150 Minuten Ruhm.

 … und die Presse schrieb:

  • Polemisch, selbstironisch, intelligent, eloquent, unterhaltsam, niveauvoll. Tretter gehört zur allerersten Riege junger politischer Kabarettisten, zu jenen, die nicht in den Fußstapfen eines Granden wie Dieter Hildebrandt versinken würden. Großartig. (Göttinger Tageblatt)
  • Tretter geht immer. Garantiert! (Bonner General-Anzeiger)

Preise und Auszeichnungen:

  • Leipziger Löwenzahn 2015 (für bestes Programm der Leipziger Lachmesse 2015)
  • Gaul von Niedersachsen 2015
  • Deutscher Kleinkunstpreis 2010 (Sparte Kabarett / mit dem Ersten deutschen Zwangsensemble)
  • Deutscher Kabarettpreis 2009 (Förderpreis)
  • Bayerischer Kabarettpreis „Senkrechtstarter“ 2008
  • Salzburger Stier 2007 (mit dem Ersten deutschen Zwangsensemble)
  • Jurypreis des Berliner Kabarett-Theaters „Die Wühlmäuse“ 2006
  • Mindener Stichling 2006 (Sonderpreis für das Erste deutsche Zwangsensemble)
  • Passauer Scharfrichterbeil 2005 (2. Platz)
  • Stuttgarter Besen in Silber 2005
  • Thurn & Taxis Kabarettpreis 2004
  • Rottweiler Kabarettpreis 2004
  • Kabarett-Kaktus, München 2003
  • Schweiger Kleinkunstpreis 2003

 

15.02.2020: LE CLOU

Rhythmen aus den Sümpfen Louisianas

Die Bonner Band „Le Clou“ brachte einen mitreißenden Sound in den Lantershofener Winzerverein

Sozusagen als Kontrastprogramm zum Karneval hatte der Grafschafter Verein „Kulturlant“ am vergangenen Samstag die Band „Le Clou“ zu einem Konzert eingeladen. Rund 170 Gäste ließen sich im Lantershofener Winzerverein von der bis zu 100 Jahre alten Musik begeistern. Die fünf Musiker haben ihren Sitz in Bonn, stammen aber aus allen Teilen der Welt. Frontmann Johannes Epremian, Sohn eines Armeniers und einer Ägypterin, erklärte den Musikstil: „Wir machen altmodische Tanzmusik aus den 20er, 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.“ Das, was die Band dann aber darbot, klang zeitlos, vielleicht sogar ein bisschen modern. Es war die Musik der „Cajuns“, einer frankophonen Bevölkerungsgruppe, die im Cajun Country im US-Bundesstaat Louisiana lebt. Sie sind Nachfahren der im 18. Jahrhundert aus den Atlantikprovinzen Kanadas vertriebenen akadischen Franzosen und ließen sich in den Sümpfen von Louisiana nieder, wo sie lange unter sich blieben. Ihre Musik besticht durch melodische Rhythmen, die auch bei der bestuhlten Veranstaltung in Lantershofen so manchen Gast dazu brachte, den Stuhl mit möglichen Tanzflächen zu tauschen.

Von der ersten Minute des Konzerts an war zumindest ein Wippen der Füße zu vernehmen, rhythmisches Klatschen begleitete die melodiösen Stücke mit ihren französischen Texten. Wenn sich dann der singende Geiger Epremian auch noch unters Publikum mischte, schwappte die Stimmung endgültig über. Yves Gueit, der nicht nur mit dem Akkordeon überzeugte, spielte gleich zwei Flöten auf einmal, ein Sinnbild für die Lebenslust der Menschen, deren Musik Le Clou verkörpert.

Steve Crawford am Waschbrett sorgte mit Bassist Gero Gellert und Schlagzeuger Ralph Schläger fast durchgängig für den besonderen Beat des Cajun Swamp Groove, Songs wie „J’ai été au bal (Ich war tanzen) oder „Back door“ (Hintertür) rissen die Besucher mit. Da musste zwischendurch auch schon Mal eine gemäßigtere Nummer, wie das „Travailler c’est trop dur“ (Arbeiten ist viel zu schwer) für Abkühlung sorgen. Und dann gab das Quintett wieder Vollgas, machte seine Feierfreunde mit „Jolie Luise“ oder „Mamou Two Step“ deutlich, wobei die Musiker immer wieder mit tollen Soli überzeugten.

Am Ende gab es heiße „Chocolat“ und einen teuflischen Tanz „Le Diable.“ Da war der alte Winzerverein längst zum Tanzsaal geworden.

Veranstaltungsankündigung

LE CLOU  – Cajun Swamp Groove

Die Musik der französischen Band LE CLOU hat ihre Wurzeln tief in den Südstaaten der USA. In den Swamps, den Sümpfen des Mississippi-Deltas, leben die Cajuns. Sie sind Nachfahren von Siedlern aus Frankreich, die vor über 200 Jahren nach Nordamerika kamen. In den abgelegenen Bayous westlich von New Orleans haben sie lange isoliert gelebt und sich mit Stolz und Selbstbewusstsein bis heute ihre eigene Lebensart, ihre Kultur und ihre französische Sprache bewahrt. Die Cajuns feiern gern und ausgelassen, und man kann dort unten in Louisiana den Sound der Cajun Music aus allen Tanzschuppen stampfen hören. Le Clous Cajun Swamp Groove ist druckvoller „Südstaaten-Sumpf-Rock’n Roll“, ein Gebräu aus traditioneller Cajun Music, Zydeco, kreolischen Rhythmen und Blues – gewürzt mit einer deftigen Portion französischem Esprit

SÜDSTAATEN – DIE LÄSSIGKEIT DES SEINS

Getauft mit den Wassern des Mississippi, ist die Cajun Kult-Band seit mehr als vier Jahrzehnten ununterbrochen „on the road“. Am längsten sind Yves Gueit und Johannes Epremian dabei. Mit heiterem Spielwitz zaubern sie charmant so manche musikalische Sumpfblüte aus dem Hut. „Wir spielen viel und gerne live. So ist unsere Musik in all den Jahren dynamischer geworden, perkussiver, tanzbarer“, sagt Yves Gueit, der aus Toulon stammt. Er ist der stoische Steuermann der Truppe und zieht scheinbar unbeteiligt, aber mit seelenvoller Musikalität seine Kreise auf Cajun-Akkordeon und allerlei Blasinstrumenten. Johannes Epremian, der charmante Schalk im Team, kreuzt derweil seine Ge-sangslinien mit traumwandlerischen Fiddleparts. Der Schotte Steve Crawford legt ausgeschlafene Gitarren-Grooves und wunderbare Gesangs-Harmonien an, während Gero Gellert am Bass und Ralph Schläger an den Drums von unten das nötige Pfund in die Musik pumpen.

So unterschiedlich diese fünf Musiker auch sein mögen, so ideal ergänzen sie sich zu einer traumwandlerisch eingespielten Einheit. Ihre Spielfreude ist hochgradig ansteckend. Akkordeon und Fiddle verleihen dem hellen Gesang Flügel. Der Sound und die Geschichte eines lebendigen Musik-Stils aus Louisiana formen aus Band und Publikum eine dichte Einheit und sorgen für echtes Südstaaten-Feeling. Die Band macht mächtig Dampf, lässt den Kessel blubbern und kocht den Saal auf großer Flamme.

LAISSEZ LES BONS TEMPS ROULER

LE CLOU wurde 1976 gegründet. Als Pionier in Sachen Cajun Music etablierte sich die Formation schnell auf der europäischen Konzert- und Festivalszene. Der Durchbruch kam 1983 mit der TV-Eurovisionssendung „Lieder, Rhythmen, Melodien“ live vor 400 Millionen Menschen. In unzähligen Hörfunk- und TV-Produktionen präsentierte LE CLOU seinen CAJUN SWAMP GROOVE. Ein Charterfolg gelang mit dem Instrumentaltitel „Le Printemps Cadien“. Zweimal hintereinander erhielt die Band den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ und wurde überall in Europa mit Auszeichnungen dekoriert.

LE CLOU LINE-UP

  • YVES GUEIT … Vocals, Cajun-Akkordeon, Flöten, Klarinette, Saxofon
  • JOHANNES EPREMIAN … Vocals, Geige, Gitarre, E-Gitarre, Dobro
  • STEVE CRAWFORD … Vocals, Gitarre, Frottoir
  • GERO GELLERT … Bass
  • RALPH SCHLÄGER … Drums

www.leclou.com

24.01.2020: THOMAS GODOJ

„Superstar“ mit super Begleitern

Nicht nur Thomas Godoj wurde im Lantershofener Winzerverein gefeiert

Einige hatten weite Wege von mehreren hundert Kilometern auf sich genommen, standen schon Stunden vor Konzertbeginn vor dem Lantershofener Winzerverein und waren auch noch lange nach dem letzten Song vor Ort, um ein kurzes Gespräch, ein Selfie mit ihrem Star oder ein Autogramm zu erhaschen. In Lantershofen war Thomas Godoj zu Gast. Zwölf Jahre ist es her, da stand er ganz vorne im deutschen Show-Rampenlicht, gewann „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Viele, die danach diesen Titel eroberten, verschwanden schnell wieder von der Showbühne, der in Polen gebürtige Godoj nicht, er nutzte die große mediale Bühne, um sich zu promoten. Godoj produziert Alben in schöner Reihenfolge und lässt sich diese von Fans und Gönnern mittels Crowdfunding finanzieren. Der DSDS-Sieger hat mit der Idee Erfolg, aber auch mit seinen anderen Ideen. Er weiß mit seiner rauhen, voluminösen Stimme zu begeistern, das Publikum ist überwiegend weiblich. Aber es bleiben auch Stühle frei an diesem Abend im Winzerverein. „Auf dem Land haben wir das oft, in der Stadt sind unsere Unplugged-Konzerte gut besucht“, gibt Godoj unumwunden zu. Die rund 100 Fans, die gekommen waren, sorgten auf alle Fälle für eine Atmosphäre, als wäre der Winzersaal restlos ausverkauft. Godojs Deutschrock gefiel und auch seine Erklärungen, mit denen er verdeutlichte, wie viel Autobiographisches in seinen Liedern steckte. Godoj sang von Gallionsfiguren, vom Heimathafen oder dem „Labyrinth der Bites.“ Er brachte den 72-jährigen Vater musikalisch ins Spiel und versetzte sich ins Leben eines anderen.

Als der DSDS-Sieger rund eine halbe Stunde nach Konzertbeginns singend die Bühne betrat, herrschte im Saal bereits Hochstimmung. Dafür hatte Godojs hochklassige musikalische Begleitung gesorgt. Ein Trio, das als „Chris Kramers Beatbox’n’Blues“ seit dem Jahr 2016 die Musikszene im Sturm erobert, nicht nur in Deutschland. Selbst in Memphis feierten die drei Erfolge, die sich auch in hochklassigen Auszeichnungen darstellen. Da war als Namensgeber Chris Kramer. Der fast 50-jährige Blues-Musiker gilt europaweit als Koryphäe für die Mundharmonika und bewies das dem Publikum schon mit seinen ersten Tönen. An seiner Seite Gitarrist Sean Athens, halb so alt, wie Chris Kramer. Auch er bereist als Blues-Musiker die Welt, ist dazu ein exzellenter Sänger. Zur Attraktion des Abends bei Kulturlant aber wurde Schlagzeuger Kevin O’ Neal (27). Wobei es auf der Bühne gar kein Schlagzug gab. O’Neal ist Beatboxer, der die Drumsounds ausschließlich mit seiner Stimme erzeugt. Mehrfach errang er mit diesem ungewöhnlichen Musikstil Deutsche Meisterschaften. Bei denen, die ihn nicht kannten, sorgte er an diesem Abend für ungläubiges Staunen, dass sich schnell in Euphorie wandelte.

Thomas Godojs Begleittrio waren die Stars vor dem Star, ohne sich gegenseitig die Schau zu stehlen. Ganz im Gegenteil, hier trafen ehrliche Songs auf mundgemachte Beats und feinsten Blues, der nicht nur das Publikum, sondern auch die vier Musiker begeisterte. Kein Wunder, dass es von Chris Kramer schon nach dem vierten Song Applaus gab, und zwar für den Lichttechniker.

Veranstaltungsankündigung

Thomas Godoj trifft Weltklasse-Harper und Beatbox-Meister!

V’Stärker aus! – unter diesem Motto geht Thomas Godoj seit fünf Jahren jährlich auf winterliche Akustiktour. 2019/2020 wird er erstmals von einem Weltklasse-Harper, einem Gitarren-Virtuosen und einem mehrmaligen deutschen Meister im Beatboxing begleitet.

Als „ Chris Kramers Beatbox’n’Blues “ mischen Thomas‘ neue Begleiter seit 2016 weltweit die Musikszene auf. Sie räumten Blues Awards ab, traten u.a. in Memphis auf und hatten zahlreiche TV-Auftritte. Nun werden sie Godoj-Klassiker wie „Helden gesucht“, „Autopilot“ oder „Dächer einer ganzen Stadt“ auf eine völlig neue Art interpretieren. Zudem versprechen die Musiker einige Überraschungen aus dem abwechslungsreichen Repertoire der bisherigen sieben Godoj-Alben. Es wird mal traditionell bluesig, mal groovy funky, mal rau und rockig, aber auch sanft und einfühlsam. Karten sind über Eventim sowie an allen bundesweit bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Die Musiker:

Thomas Godoj: DSDS-Sieg, Nummer 1-Hit, Echo, sieben Chartalben und Europarekorde im Crowdfunding: Der Name Thomas Godoj steht seit einer ganzen Dekade für ehrlichen und handgemachten Deutschrock mit einer Prise Pop. Mit jährlichen Tourneen erspielte er sich eine der treusten Fangemeinden Europas und geht sowohl musikalisch als auch geschäftlich eigene und unabhängige Wege. 2014 gründete er sein Label Tomzillamusik und finanzierte inzwischen drei Studioalben sowie ein Akustikalbum mithilfe von Crowdfundings, die mit Projektsummen von insgesamt über einer halben Million Euro zu den erfolgreichsten Kampagnen im Bereich Musik gehören.

Chris Kramer: Der Dortmunder Blueser genießt vor allem für sein Mundharmonika-Spiel weltweit höchsten Respekt. Chuck Leavell (Pianist der Rolling Stones) sagt über Chris: „Oh man, what an amazing harpplayer“, Cream-Bassist Jack Bruce nennt den deutschen Kollegen einen „Master of the Blues-Harp”. Götz Alsmann empfiehlt „Chris Kramers faszinierende CD“. Peter Maffay hat ihn gleich mehrmals auf Tour und ins Tonstudio mitgenommen. Der Instrumentenhersteller Hohner stellt eine Chris-Kramer-„Signature“-Mundharmonika her und der „German Blues Award“ wurde ihm bereits drei Mal verliehen.

Kevin O’Neal: Für Hip-Hop und Comedyeinlagen sorgt Kevin O’Neal. Im Alter von zehn Jahren startete er seine Karriere als Beatboxer, heute ist er 27 und zweifacher deutscher Meister. Solo wird er auch mit seiner Comedyshow gebucht.

Sean Athens: Der Gitarrenvirtuose zählt seit einigen Jahren zum Musikerpool von Thomas Godoj. Bereits im Alter von zehn Jahren begann Seans musikalischer Werdegang. 2007 wurde er für die Boyband KIXS von der EMI unter Vertrag genommen und deutschlandweit auf Tour geschickt. Es folgte eine Single und TV-Auftritte, u.a. bei THE DOME in der ausverkauften Barclaycard Arena in Hamburg.

18.01.2020: FEE BADENIUS

Liedermacherin schämt sich für gar nichts mehr

Fee Badenius und Band waren im Winzerverein Lantershofen zu Gast

Das war mal ein entspannter Abend: Liedermacherin Fee Badenius stand am vergangenen Samstag mit ihrer Band, die ebenso entspannt „meine kleinen Liedchen zu Musik machen“ (Badenius), auf der Bühne im Lantershofener Winzerverein. Es war ein Abend im Rahmen des Lantershofer Kabarettprogramms. Nach zuletzt schwerer Kabarettkost für das Kulturlant Kabarett-Publikum sorgte der Auftritt der jungen Musikerin und ihrer Band für fröhliche Mienen im Publikum. Zumindest die meiste Zeit. „Aber warum eigentlich Kabarett?“ dürfte sich manch einer der rund 200 Besucher dennoch gefragt haben. Ganz besonders, als es zum Ende des Konzerts doch recht melancholisch wurde, als Fee Badenius tiefe Einblicke in ihr Leben preisgab und vom Tod der Mutter im vergangenen Jahr erzählte, dazu das stark autobiografisch inspirierte Stück „Dein Lachen“ und dann übergangslos das Lied vom Tier. Besser: vom Menschen, den man mit ganz bestimmten Tieren vergleicht, Löwe, Papagei oder Fisch. „Mensch sein ist schon tierisch schwer“, sang Fee Badenius. Einer der vielen überraschenden Aussagen, die dem Publikum ein Lächeln auf die Lippen zauberten oder oftmals ein beherztes Lachen auslösten.

Denn bei so manch einer Moderation, aber auch in den Liedtexten, wurde deutlich: Fee Badenius hat es faustdick hinter den Ohren, präsentiert nicht nur den hintersinnigen Witz, sondern lässt oft genug Kracher aufs Publikum los. Wie beim frühen Stück „Für dich und deine Liebe.“ Was tut man da nicht alles für den anderen, steht sogar früh zum Hausputz oder würde in die Grafschaft ziehen. „Aber würdest du es von mir verlangen, wäre die Antwort: du kannst mich mal“, so der unverhoffte Abschluss.

Fee Badenius berichtete vom roten Faden, den die Musikfolge ihres Konzerts eigentlich haben sollte, der sich dem Publikum aber oft genug nicht erschließe. Daher musste sie die Gäste an besagtem Faden entlangführen, wenn sie erst von ihrem lebenslangen Partner, dem eigenen Körper und der Diskrepanz zum Kopf mit anderem Handeln als eigentlichem Wollen sang. Was für besagten Körper gut ist, muss für die Seele nicht immer genauso gut sein. „Ich habe die besten Jahre meines Lebens mit Selbstkritik verbracht, jetzt schäme ich mich für gar nichts mehr“, so drückte die Sängerin es im Lied „An anderen Tagen aus.“

Zurück zum roten Faden. Der hangelte sich an der Ballade „Zuhause“, die von der Geborgenheit beim Partner erzählt, hin zum „Aufräumen“, was für besagtes Zuhause auch einmal gelten muss. Dabei hätte das Stück „Blos nicht aufräumen“ heißen müssen. Oder, wie Fee Badenius es machte: „Ich habe eine Kiste für all die Kuscheltiere angeschafft, damit es bei uns mal wie bei Erwachsenen ausschaut. Aber in der Kiste bekommen die gar keine Luft, jetzt sitzen sie im Wohnzimmer auf der Kiste.“ Selbst das Schlumpfdorf kann man doch nicht wegwerfen. Alles muss da sein, wenn die Schenkenden zu Besuch sind, aus Gründen der Wertschätzung ihnen gegenüber. Sagt sie, um dann musikalisch den Zusammenhang zwischen „Ich hab Dich im Herzen“ und dem Herzinfarkt zu finden. Irgendwie war dann doch der ganze Abend hintersinnig und damit musikalisches Kabarett. Zum Schluss gab es dann auch noch das, was man im Publikum kannte: „Fleisch-ess-lust.“ Obwohl es nach eigenen Worten das erste Konzert war, bei dem man die Sängerin nicht schon in der Pause nach besagtem Lied fragte.

Veranstaltungsankündigung

Fee Badenius – TOUR 2019/20

Fee Badenius wandelt auch in ihrem neuen Programm zwischen den Welten, sowohl musikalisch, als auch textlich. Ihre Lieder pendeln zwischen Sehnsucht und Melancholie, zwischen Zartheit und Stärke, haben aber auch immer Bodenhaftung und intelligenten, hintersinnigen Witz. Dabei ist es vor allem der charmante Vortrag und die anschmiegsame Stimme, die bereits unzählige Zuschauer im ganzen deutschsprachigen Raum begeistert haben. Fee Badenius hält uns und sich selbst den Spiegel vor, zertrümmert ihn aber nicht, sondern malt mit einer ordentlichen Portion Optimismus ein Lächeln auf die beschlagene Scheibe. Mit großer musikalischer Vielfalt und Spielfreude unterstützen sie ihre hervorragenden Musiker. Die Band um Fee Badenius macht aus kleinen Melodien große Hymnen, und aus einfachen Liedern, Musik, irgendwo zwischen Liedermacher, Pop und Jazz, einfühlsam und leidenschaftlich, aber vor allem immer so, dass das große Ganze sinnvoll unterstützt wird.

Wer ein Konzert von Fee Badenius besucht, schließt sie und ihre Band ins Herz und erlebt einen Abend, der Kopf und Herz gleichermaßen zum Klingen bringt.

Oder, wie es der Liedermacher Stephan Sulke sagte:

„Sie ist ein bildhübsches, absolut süßes Ding, das man in die Vitrine zum Anbeten stellen möchte, sie hat einen Humor, der das Gift zweier schwarzer Mambas ersetzt, sie ist sturz-blitz-gescheit – und das Wichtigste, sie wickelt das Publikum um den Finger zum Neidischwerden. Sie hat einen Stil gefunden, irgendwo im Niemandsland zwischen Satire, Chanson und Wehmut.“

www.feebadenius.de

04.01.2020: JAZZ OHNE STRESS Vol.16

Caspar Van Meel und Soleil Niklasson begeisterten

„Jazz ohne Stress“ im ausverkauften Lantershofener Winzerverein

Was vor 15 Jahren ganz klein im Keller des Lantershofener Winzervereins begann, hat sich zu einer kleiner Erfolgsgeschichte entwickelt, nämlich einem ausverkauften Jazz-Event, das durchaus als Mini-Festival angesehen werden kann: „Jazz ohne Stress“ fand am vergangenen Samstag zum 16. Mal statt und eröffnete traditionell den kulturellen Jahresreigen in Lantershofen. 250 Gäste im Winzerverein waren auch dieses Mal angetan von dem, was Saxofonist und Veranstaltungsgründer Jonas Röser sich ausgedacht hatte. Seit Jahren gliedert sich die Veranstaltung in zwei Hälften, nämlich einen instrumentalen und einen vokalen Part. Als Kulturlant sich der Veranstaltung vor vier Jahren annahm, unternahm man einen durchaus riskanten Schnitt, weg von der Club- und hin zur Theateratmosphäre. Mehr Gäste sollten so Platz finden. Vor zwei Jahren änderte man das Konzept erneut, Jonas Röser bietet seither ein gegenüber früher stark aufgepepptes Programm. Der Erfolg gibt allen Recht.

In diesem Jahr nahm Röser vor der Pause erstmals im Publikum Platz, überließ die Bühne seinem jahrelangen Mitstreiter Caspar van Meel. Der Bassist trat mit seinem Quintett auf, alles erstklassige Berufsmusiker, die teilweise mit der WDR-Bigband um die Welt reisen. Am Samstag endete die Reise im beschaulichen Lantershofen, wo das Quintett Songs aus van Meels geplantem Debutalbum „On the edge“ präsentierte. Das wird in den kommenden Monaten am Markt sein. In den Stücken kamen alle Musiker mit Soli zu Gehör, tonangebend aber waren Posaunist Tobias Wember und Saxophonist Denis Gäbel. Der Bruder von Entertainer und Bandleader Tom Gaebel gilt als einer der gefragtesten Saxophonisten Deutschlands. Das Quintett traf mit seiner lohnenden Musik den aktuellen Zeitgeist, kam mal ruhig, mal verspielt daher. Van Meel, aus dessen Feder alle Stück stammen, hat ein expressives Musikwerk geschaffen, dass eine aktuell bewegte Zeit darstellt. Bemerkenswert: die dem Komponisten Erik Satie gewidmete Ballade „For Eric.“ Satie beeinflusste mit seinen Werken die Neue Musik, den Jazz und die Populäre Musik, ein Vorbild für van Meel. Dem Publikum in Lantershofen gefiel der instrumentale Part des Quintetts, dass schon vor der Pause eine Zugabe geben musste.

Im zweiten Part des Abends übernahm die gleichermaßen impulsive wie sensible amerikanische Jazzsängerin Soleil Niklasson das musikalische Kommando. Die in Los Angeles aufgewachsene und heute in Deutschland lebende Sängerin moderierte in englischer Sprache, in ihren Stücken gestattet sie den begleitenden Musikern, Saxophonist Jonas Röser, Bassist Capar van Meel oder Pianist Roman Babik Soli, die nicht übertrieben waren, aber die Klasse der Musiker vollends zu dokumentieren wußten. Einer der Höhepunkte war das minutenlange Intro von Schlagzeuger Drummer Dominic Brosowski zu Duke Ellingtons „Caravan.“ Stücke, wie Cole Porters „Love for sale“ oder „Let‘s stay together“ animierten zum Mitmachen. Bei eher sanften Songs, wie „If loving you is wrong“ oder „My foolish heart“ kam die ganze Kraft der vom Gospel geprägten Jazzerin zum Tragen. Am Ende dann der Höhepunkt des Konzertabends mit der musikalischen Entführung des Publikums in die Amsterdamer Rotlichtviertel: „Love don’t come easy.“ Soleils Aufforderung „Stand up and dance“ kam das Publikum nur zu gerne nach und entließ Sängerin und Band erst nach zwei ausgiebigen Zugaben. Auf seinem Stuhl saß da schon lange keiner mehr.

Veranstaltungsankündigung

„Mit einem Ohr an der Zukunft“

Caspar van Meel Quintett und Soleil Niklasson feat. Jonas Röser

Jazz ohne Stress steht für Vielfältigkeit, ein Konzertformat, das seines Gleichen sucht. Jonas Röser, Saxophonist aus der Grafschaft, möchte als Initiator vor allem eine Bühne schaffen, die „Querbeat“ einen musikalischen Dialog spürbar macht, Jazz als lebendige Kultur. Röser arbeitet beständig an möglichen Ideen, Künstler für Jazz ohne Stress zusammenzubringen.

Für einen kurzweiligen, instrumentalen Auftakt des Abends sorgt Caspar van Meel (Kontrabass) mit seiner aktuellen Quintett Besetzung. Er ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Konzertreihe und wird bei Jazz ohne Stress vol. 16 sein Debütalbum „On the Edge“ vorstellen. Für seine Band hat van Meel einige der besten Jazzmusiker aus Nordrhein-Westfalen zusammengebracht, die alle bei Jazz ohne Stress zu hören sein werden: Roman Babik (Piano), Tobias Wember (Posaune) und Niklas Walter (Schlagzeug). Das Quintett wird mit Denis Gäbel (Saxophon), der mit seinem außergewöhnlichem Sound als einer der gefragtesten Saxophonisten Deutschlands gilt, abgerundet. Swingen in bester Hardbop-Tradition, afrikanische Beats, krumme Taktarten und dabei grooven wie eine Funkband – das Caspar van Meel Quintett spielt modernen Jazz mit jeder Menge Energie. „Ich möchte Stücke schreiben, die beides sind: intellektuell anregend und emotional bewegend“, sagt Caspar van Meel, Bandleader, Komponist und Bassist der Gruppe, über seine Musik. Das Album vereint ausschließlich Eigenkompositionen van Meels. 2018 hat die Band das Album im renommierten Kölner „Loft“ eingespielt. Als Einflüsse für seine Musik nennt van Meel die vielschichtige New Yorker Szene und den modernen europäischen Jazz. John Goldsby, Bassist der WDR Big Band, sagte einmal über van Meel: „Seine Musik ist in der Jazztradition verwurzelt, aber er spielt mit einem Ohr an der Zukunft.“  Weitere Infos zu „On the Edge“ bekommt man unter www.casparvanmeel.com. Röser freut sich, aus dem Quintett seines langjährigen Kollegen als Special Feature ein Sextett zu machen.

Im zweiten Set wird Soleil Niklasson die Stimme des Abends sein. Sie lässt keine Fragen offen, sie ist Künstlerin und Entertainerin und macht die Bühne wortwörtlich zu ihrer Bühne. Die aus Chicago stammende charismatische Ausnahmesängerin Soleil Niklasson ist mit der Musik des Jazz, Gospel und Soul aufgewachsen und diese Authentizität spürt man auch in ihrer Musik in ihren Konzerten. Soleil ist eine spirituelle und temperamentvolle Sängerin, die es vermag, mit ihrer großartigen Stimme das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Soleil ́s Motto: „ My theme is to challenge the mind and move hearts!“

Sie arbeitete bereits mit Legenden wie Oscar Brown Jr. Stan Getz, Billy Preston, Linda Hopkins und Rod Stewart zusammen und tourte durch Europa und die USA.

Inspiriert von Jazz, Blues, Soul, Gospel oder Latin wird sich Soleil mit den Musikern des Abends bei Jazz ohne Stress präsentieren. Neben Jonas Röser (Saxophon) wird auch Dominic Brosowski (Schlagzeug) das zweite Set begleiten und für reichlich Stimmung sorgen. Er gehört ebenso seit vielen Jahren zu den guten Gründen, Jazz ohne Stress als ersten Konzertbesuch des Jahres wahrzunehmen. Seine ausgedehnten Schlagzeugsoli sind legendär und bei Jazz ohne Stress immer wieder ein „Hingucker“. Wie immer bleibt es spannend und auch für JoS vol. 16 gilt Abwechslung und ein vielversprechender kreativer Output auf höchstem Niveau.

www.casparvanmeel.com
www.soleilniklassonquintet.com
www.denisgaebel.com
www.jonasreoser.de

 

29.12.2019: DIE TOTEN ÄRZTE

„Tote Ärzte“ waren quicklebendig

Coverband rockte zum Jahresschluss mehr als drei Stunden lang in Lantershofen

Das war das bisher aufwändigste und erfolgreichste Jahr des Grafschafter Vereins „Kulturlant e.V.“ 18 kulturelle Veranstaltungen in den Bereichen Konzert, Kabarett, Mitsingabend oder reiner Abendunterhaltung lieferte der Verein 2019, mehr als 4.500 Besucher kamen nach Lantershofen, die Hälfte aller Abende war im Vorfeld ausverkauft. Abschluss war am vergangenen Sonntag ein Konzert der Lübecker Coverband „Die Toten Ärzte“, die sich bereits im Jahr 2000 gründeten. 18 Jahre zuvor waren ihre musikalischen Vorbilder, die deutschen Punkrocker „Die Toten Hosen“ und „Die Ärzte“ an den Start gegangen. Diese beiden Bands sind auch nach 37 Musikjahren noch erfolgreich, locken beispielsweise als Headliner immer wieder Zehntausende Fans zu „Rock am Ring“ in die Eifel. Die Covermusik beider Bands wollten in Lantershofen immerhin 350 Gäste erleben. Im Publikum waren Alt- und Jungrocker zu sehen, aber auch Mütter mit ihren Töchtern und Väter mit den Söhnen. „Hosen“ und „Ärzte“ fesseln mit ihrer Musik die Menschen generationenübergreifend. Alt und Jung feierte gemeinsam die großen Hits der beiden Punkrock-Bands.

Der Grafschafter Verein Kulturlant will den 29. Dezember als Termin für gute Coverband-Musik etablieren und damit den Fans zwischen Weihnachten und Neujahr Konzerterlebnisse servieren. Nach „Still Collins“ im vergangenen Jahr gab es nun also Musik der „Toten Ärzte“, und die kamen quicklebendig daher, spielten fast dreieinhalb Stunden lang Hit an Hit. Die vier Coverband-Musiker Jey Petersen, Sebastian Zierof, Stephan Capser und Martin Stieber konnten von der ersten Minute an begeistern. Kein Wunder, haben die Vorbilder doch eine Fülle von Hits mit großem Mitsingpotential geschrieben. Ein Gassenhauer jagte den anderen und schon beim ersten Stück „Wünsch dir was“ sang der ganze Saal als großer Background-Chor mit. Die Toten Ärzte spannten ihre Fans nicht lange auf die Folter, „Hier kommt Alex“ oder „Zu spät“ waren früh zu hören, es herrschte vom ersten Akkord der Gitarre von Jey Petersen an Partystimmung, zumal Sänger Sebastian Zierof jeden Song förmlich zelebriere und das Publikum immer wieder zum Mitmachen anfeuerte. Und das ließ sich nicht lange bitten.

Die Band mit ihren oftmals sozialkritischen Texten wußte ab und zu auch zu polarisieren, wenn man zum Beispiel klare Kante gegen die Fans von Bayern München zeigte. Im Rheinland kam das gut an. Genauso wie die Tatsache, dass die Toten Ärzte nicht jeden Song ihrer Vorbilder eins-zu-eins runterspielten, sondern viel improvisierten, zumeist, um die Gesangseinlagen der Gäste zu fordern. Hin und wieder gab es auch einen Ausweicher, weg von den deutschen Punkrock-Songs. Besonders das „Highway to hell“ von AC/BC ließ den ehrwürdigen Winzerverein erbeben. Und dann waren dann noch die Hits mit fragwürdigen Aussagen, wie „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“, „Junge“, oder „Schrei nach Liebe.“ Mit zunehmender Dauer des Konzert wurde das üppige Schaffenswerk von „Hosen“ und „Ärzten“ immer deutlicher, denn nach starken Beginn konnte die Coverband immer noch einen draufsetzen, ehe es am Ende mit „Westerland“ oder „An Tagen wie diesem“ zu den wohl größten Hits ihrer Vorbilder kam. Dazwischen setzte der Saal zu „Zehn kleine Jägermeister“ noch zur großen Polonaise an und am Ende durften auch noch zwei Dutzend Fans die Bühne stürmen, um mit den Musikern gemeinsam zum großen Finale einzustimmen.

„Die Toten Ärzte“ sagen von sich selbst, sie seien „Europas meistgebuchte Tributeband“, seit 2000 sind sie unterwegs und längst keine Wochenend- oder Feierabendmusiker mehr. Weit mehr als 1.000 Konzerte haben sie gespielt, die Bandmitglieder verdienen ihren Unterhalt ausschließlich mit der Musik und den Hits der Toten Hosen und der Ärzte. „Wir haben Spaß an der Musik“ sagt Jey Petersen, egal ob vor 100.000 Menschen, oder wie in Lantershofen, vor 350. Darum passen die Toten Ärzte ihre Gagen auch den jeweiligen Veranstaltungsorten an und sorgen so dafür, dass man sie überall erleben kann.

Veranstaltungsankündigung

Europas meistgebuchte Tributeband

In den vergangenen Jahren durften DIE TOTEN ÄRZTE jährlich sprunghaft wachsende Besucherzahlen vorweisen. Auch gemeinsam mit der Deutschen und internationaler Prominenz wurde die Bühne befeiert. Hier seien nun nur einige im Namen der vielen genannt, die mit Die Toten Ärzte das Pils teilten. Nicht zu vergessen sei hierbei natürlich Kuddel, der Gitarrist der DIE TOTEN HOSEN, der mit den Worten: „Ihr seid einfach geil“ die Bühne enterte.

Los geit datt:

Peter Maffay (Aladin Bremen), Nina Hagen (Altenburg –Extra Tour Altenburg ), Sub Seven (Landshut- Open Air) Die Happy (Wallsbüll Open Air/Osnabrück), Knorrkator (Ziegenrück- Open Air ), Juli und Silbermond (Alive Festival -Belgien) Bloodhoundgang (Tivoli Bremen ), Sweet (Bremerhafen-Stadthalle), In Extremo (Rothenhain -Open Air), Fiedlers Green (Hettenroth) Lotto King Karl (Hafenrock), Jennifer Rostock (Chemnitz), Karat und City (Rotenhain), Donuts (Niederbrechen)…und, und, und. DIE TOTEN ÄRZTE performten Konzerte bei Stadtfesten wie „Bochum Total“ oder „Rheinkirmes“ und Großevents wie „Grand Prix am Sachsenring“, Nürburgring, Lausitzring. Das bisher absolute Highlight mit 130.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor.

Eine bestimmte Publikums-Altersgruppe lässt sich bei den Besuchern der Konzerte nicht festmachen. Hier feiert Opa mit Sohn und Enkel. Auch im angrenzenden Ausland erspielten sich DIE TOTEN ÄRZTE in den vergangenen Jahren einen sehr guten Ruf. Bei Österreich- typischen shools out festivals, WM -Events oder den schweizerischen Hallen-apre-sky-Party´s sind DTÄ inzwischen eine gern und oft gesehene Institution mit Spaßgarantie. Die „Best of Cover“ Shows luden DIE TOTEN ÄRZTE mehrfach – Beispiel: Monsters of Cover (Vöhringen 2005/2007-Urloffen 2005/2007 – Ubstadt 2006 uva.) Masters of Cover (Rothenhain 2005/2006/2009 u.A.), Heroes of Cover (Nordseehalle Emden 2007 u.A.).

Eine Eigenproduktion mit selbstkomponierten und arrangierten Stücken wird gefördert durch den weltgrößten privaten Verlag (PEER-MUSIC). FC St. Pauli – die Hymne von Die Toten Ärzte wird seit 2006 in jeder Halbzeitpause des FC St. Pauli zum Einlauf gespielt. Hieraus resultiert eine regelmäßige Radio-Präsenz.

www.dietotenaerzte.de

13.12.2019: ROLF MILLER

Die ganze Wahrheit in halben Sätzen

Kabarettist Rolf Miller warf im Winzerverein Lantershofen einiges durcheinander

Kabarett zum Mitdenken lieferte Rolf Miller, der bereits im Jahr 2006 den Deutschen Kabarettpreis erhielt, bei Kulturlant in Lantershofen. Miller unterstrich vor ausverkauftem Haus, dass er nicht ohne Grund als der „konsequenteste Minimalist auf deutschen Kabarettbühnen“ bezeichnet wird. 90 Showminuten im Sitzen, auf der Bühne nur ein Stuhl, daneben eine Wasserflasche. Das wars. Minimalistisch darf man auch seine Sprüche bezeichnen, denn oftmals fehlte das Ende des Satzes. Mitdenken war nun einmal angesagt. Klar, er beendete auch Sätze, oftmals verhedderte sich dann aber auch ein wenig. „Man darf nicht immer alles glauben, was man denkt“, so die Devise. Die Protagonisten in seinem Programm „Obacht Miller“ waren nicht neu: die Brüder Achim und Jürgen im Mittelpunkt. Dazu gesellte sich die entfernte Verwandtschaft: „Vonkel“, der gleichzeitig Vater und Onkel, oder Cousine „Brummer“, die als Kind mal etwas dicker war, mit ihrer kiffenden Tochter und deren Studentenfreund im Liegerad. „Ich dacht erst, der wär halsabwärts…, dabei ist er halsaufwärts… Studiert wahrscheinlich Yoga.“ Und dann noch „Mongo“, aus dem nie was werden konnte und der heute Anwalt ist.

Sie alle erklärten äußerst hintersinnig ihre Welt in einer Mischung aus Familienkaffee und Thekenweisheiten. Gern im Mittelpunkt des Geschehens: der Sport mit seinen Vorbildern von einst. Miller sprach von einem Jan Ulrich: „Der kämpft gegen das Überleben“ oder dem Mannschaftsarzt von Boris Becker, Doktor Müller-Wallfahrt. Oder wie hieß der noch? Auf alle Fälle verschreibt der nur Globuli. „Die Kügelchen waren früher in den Tintenpatronen im Füller.“ Da muss man auch erst einmal draufkommen.

Aktuelle Themen auf die eigene Welt runterbrechen, auch da ist Miller Fachmann. „Klima? War doch immer. Wenn ich im März nicht mehr Schnee schippen muss, ich kann es verkraften.“ Und ganz wichtig: „Wenn Holland absäuft, sind wir schon im Halbfinale.“ Die große Politik ist dagegen nicht sein Ding. „20 Uhr Tages-Ding, guck ich nicht. Da kommen immer die gleichen: Johnston, Erdo-Ding und Macron – Two an a half man.“ Und Friedrich Merz kennt er schließlich noch in schwarz-weiß. Merkel hat er dagegen abgeschrieben. Die hat in ihrer langen Zeit eh nur zwei Dinge gemacht: „Atom und Asyl. Die kam nur bis zum A.“ Irgendwie war niemand vor Miller sicher, alle passten ins Schema von ihm und der Verwandtschaft: Lindenberg als Neffe von Lagerfeld, Gottschalk als einziger Doppelgänger von Siegfried und Roy und Opa, der kein Nazi war, sondern ein Mitläufer. Ein überzeugter Mitläufer.

Das Publikum im Lantershofener Winzerverein hatte jedenfalls dauerhaft viel zu Lachen, zumal Miller von einer Pointe in die andere fiel. Da gingen manch Weisheit und mancher Spruch buchstäblich über Bord, wenn der Odenwälder ausholte und klarmachte: „Eltern haften an ihren Kindern“ oder „Das Ziel ist im Weg.“ Dass es am Ende lange Ovationen für „Obacht Miller“ gab, war mehr als verständlich.

Veranstaltungsankündigung

„OBACHT MILLER“ – Se return of se normal one

Hier der ausländerfeindliche Syrer, da der vegane Jäger, dort Achim, Jürgen und Rolf, wie immer zu viert im Sixpack, all inclusive. Alles scheint wie immer, und bleibt genauso anders. Die Zeiten ändern sich, Miller bleibt – trocken wie eh und je, in seiner unnachahmlichen Selbstgefälligkeit. „Me, myself and I“ – wo ist das Problem, ich bin mir genug – aber damit reicht es jetzt endlich noch lange nicht: OBACHT MILLER – das neue Programm von Rolf Miller.

Das Halbsatz-Phänomen zeigt uns erneut, dass wir nicht alles glauben dürfen, was wir denken…. „Ball flach halten, kein Problem…ganz ruhig“, „alles schlimmer äh… wie sich‘s anhört…“ wie immer weiß Miller nicht, was er sagt, und meint es genauso, denn wenn gesicherte Ahnungen in spritzwasserdichte Tatsachen münden, wer erliegt da nicht Millers Charme. Eben. Und das Ganze auch noch besser wie in echt, als ob Gerhard Polt im Audi A6 neben ihm sitzt.

Rolf Millers Figur kann einfach nicht anders: garantiert oft erreicht und nie kopiert. Und bleibt dabei einzigartig wie sie ist, versprochen. – Keine Sorge. Er verspricht uns ein Chaos der verqueren Pointen, mal ums Eck, mal gerade, mit und ohne Dings, lehnen Sie sich einfach zurück, entspannen Sie in ihrem Kampfanzug, und atmen Sie locker aus der Hose – in die Tüte.

Und der Satiriker lässt wie immer nichts aus: die Notwendigkeit eines Atomkrieges, das unerlässliche Selfie beim Autobahngaffen, „äh, jaaaa, wieso denn nicht?“ – oder Jogis Jungs nach der Putin-WM. Und natürlich wie immer die „fleischfressende Freisprechanlage“ (so nennt Achim vorsichtig Millers Ex). Sie: „Und was ist wenn ich morgen sterbe?“ Er: „Freitag.“ Dabei fährt er weiter Cabrio durch die Welt, überzeugt im Diesel, denn Diesel ist Lebensgefühl.

Trefflicher als ein Fan auf Facebook: „Was für ein sinnfreies Gestammel, krank, genial“ kann man es nicht formulieren. Millers Humor geht nach wie vor von hinten durch die Brust, nach dem Prinzip des großen Philosophen Bobby Robbson: „Wir haben den Gegner nicht unterschätzt, wie haben nur nicht geglaubt, dass er so gut ist.“

Mit „OBACHT MILLER“ gelingt es Miller im vierten Programm seiner namenlosen Figur einen endlich einen Namen zu geben. Sie haben dafür freie Auswahl, denn Sie kennen garantiert in ihrem Umfeld einen solchen Freelancer der Ignoranz, und da hilft dann halt wieder nur ein ironisches: eiwanfrei.

www.rolfmiller.de