02.11.2019: KÖSTER & HOCKER

Mit fremden Federn geschmückt

Köster & Hocker begeisterten im ausverkauften Lantershofener Winzerverein

Unter den Hunderten Kölner Musikern ist Gerd Köster ein ganz schräger Vogel, der zusammen mit seinem introvertierten wirkenden Partner Frank Hocker seit Jahrzehnten immer neue Projekte auf den Musikmarkt wirft, die schon wegen ihrer Skurrilität eine ganz eigene Fangemeinde anlocken. „The Piano has been drinking“ war eine der erfolgreichsten musikalischen Projekte der beiden, die derzeit, und das schon seit Jahren, als Köster & Hocker durch die Lande ziehen und die Bühnen füllen. Als Duo treten sie dabei in der Regel nicht mehr auf, auch nicht bei Kulturlant in Lantershofen, wo Köster & Hocker am vergangenen Samstag gemeinsam mit dem Gitarristen Roger Schaffrath aus der Wolf Maahn Band auf der Bühne standen und vor 250 Gästen das Konzertprogramm der neuen Spielzeit eröffneten.

Im Publikum war gut beraten, wer der kölschen Mundart mächtig war, andere Töne gab es den ganzen Abend über nicht zu hören. Denn der gebürtige Nippesser Köster kennt nur seinen eigenen Kölner Dialekt. Und der findet sich auch in seinen Texten wieder, die eigentlich nicht seine Texte sind. Denn Köster & Hocker präsentierten eingekölschte Coverversionen, hinter denen Hits von Musikgrößen, wie Bob Dylan, Iggy Pop oder Tom Waits stehen. Deren Texte klingen in der kölschen Version, wie für die Musikfans der Domstadt geschrieben. Geborgte Lieder, die ins „Veedel“ passen, wie die Faust aufs Auge. Köster & Hocker haben ihr aktuelles Album nicht umsonst „Fremde Feddere“ genannt, mit denen sie sich so authentisch schmücken, als wären es die eigenen.

Und so singen sie vom ganz normalen Leben, vom Typen um die Ecke, von dem, der verliebt war und von dem, der es nur bedingt geschafft hat. Wie beim Lied vom Fall nach dem hohen Aufstieg: „Dieselve Lück, die du bedrisse op dingem Wääsch huh, siehste widder op dingem Wääsch eraff.“ Übersetzt: man sieht sich zweimal im Leben. Köster und Hocker hadern mit dem kleinen Kosmos um sie herum, sehen mehr Autos mit Allradantrieb auf jedem Kindergartenparkplatz, als es Förster in ganz Köln gibt. Sie zitieren musikalisch Songs der Pogues über gebrochene Herzen, derweil ihr Loblied auf die Frauen den eigenwilligen Namen „Lümmel“ trägt. Und sie kölschen Franz Zappas einzigen großen Hit „Bobby Brown“, der es im englischen Sprachraum über Nacht auf den Index schaffte, bei “Nobby Braun“ fast eins-zu eins ein.

Es geht an dem eindrucksvollen Abend in Lantershofen natürlich nicht ohne die alten Songs. „Denn neue Lieder sind nun einmal vollkommen anekdotenfrei“, so Gerd Köster, der dem Wunsch nach den Gassenhauern gerne nachkommt. Und dann singt der Saal vom „Dress“, der Richtung Düsseldorf schwimmt, oder von der Selbsteinschätzung „Mir sinn all Buuresäu“ und der einzigen Wichtigkeit, „Haupsaach es, de Flönz es joot, alles andere es zu kompliziert.“ Kein Wunder, dass die drei sich bei der Zugabe mit ihrem größten Hits von der Bühne machten, nämlich dem „Ruude Jolf.“ Vom Publikum gab es dafür stehende Ovationen.

Veranstaltungsankündigung

Wupp – do sin se widder, die melancholischen Frohnaturen Gerd Köster und Frank Hocker mit ihrem nunmehr neunten Bühnenprogramm „Wupp“. Im September 2018 wurde ihnen in Mainz der „Liederpreis 2018“ verliehen, von einer der Kölschtümelei unverdächtigen Jury aus den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das hat die Sprache verdient“, stellen die beiden fest, „und wir auch.“

Das neue Programm besteht neben Köster/Hocker Songs aus eingekölschten Cover – Versionen aus dem Lieblingslieder – Fundus der beiden. Von Bonnie „Prince“ Billy über Ray Davis, Rod Steward, Iggy Popp, Tom Waits bis Frank Zappa. Ergänzt durch den fantastischen Friesen Helmut Krumminga entsteht wieder eine Gefühlswelt zwischen saftiger Lebenslust und Spielfreude, tröstendem Sarkasmus, vollem Ernst und einer Prise kerngesunder Blödelei. Zwei Gitarren, eine Stimme – Wupp.

„Dann verneigten sich die drei Künstler vor ihrem Publikum, und die Zuhörer revanchierten sich stehend. Ein besonderer Abend.“

www.gerd-koester.de

 

 

23.10.2019: SWR1 PUBLIC SINGING

Der größte Chor der Grafschaft

Rund 300 Gäste kamen zum SWR1 Public Singing nach Lantershofen

Zum zweiten Mal hatten Südwestrundfunk und Kulturlant zum „Public Singing“ in den Saal des Lantershofener Winzervereins eingeladen. Dort bildeten am Mittwochabend rund 300 Sängerinnen und Sänger den größten Chor der Grafschaft. „Dirigent“ war Peter Kühn von der Band „Jukebox Heroes“ des Südwestrundfunks. Er hatte zu manch einem der gesungenen Titel Hintergrundinformationen parat und gab gute Tipps zur richtigen Atemtechnik. Da kam schnell allerbeste Stimmung auf. „Rudelsingen“ macht offensichtlich glücklich. Den Besuchern der SWR1-Party machte es jedenfalls jede Menge Spaß. Textfest musste niemand sein, denn auf einer großen Leinwand wurden die zu singenden Zeilen im Karaoke-Stil angezeigt, die Musik dazu kam von Band oder aber von Kühn’s Gitarre. Und da die allermeisten Besucher mit den populären, meist englischen Titeln vertraut waren, verpasste auch kaum jemand den Einsatz. Gesungen wurden in erster Linie Hits der letzten Jahrzehnte, „Every Breath You Take“ von Police, Abba’s „Dancing Queen“ oder Nik Kershaws „I Won’t Let The Sun Go Down On Me“ standen hoch im Kurs. Selbst an die „Bohemian Rhapsody“ von Queen wagte sich der Chor.

Die ganze Bandbreite der Rock- und Popmusik wurde gesungen, die Toten Hosen fehlten ebenso wenig, wie Toto oder Simon & Garfunkel. Konzentration war gefragt, als Männer und Frauen beim Duett „Time of my Life“ aus dem Film „Dirty Dancing“ gesanglich getrennt wurden. Friedlich vereint ging es dann sogar nach Köln, bei „Viva Colonia“ hätte Kühn getrost auf die Anzeige der Textzeilen verzichten können, jetzt war Party angesagt. Noch am Abend verkündete Peter Kühn, dass das SWR1 Public Singing auch im kommenden Jahr wieder in Lantershofen Station macht. Kein Wunder, war von den sechs Veranstaltungen der diesjährigen Tournee die bei Kulturlant doch die am stärksten frequentierte.

Veranstaltungsankündigung

Public Singing im Winzerverein – Die SWR1 Party zum Mitsingen in Lantershofen am 23. Oktober 2019

Unter der Dusche singt mancher gerne lautstark – aber in einem Club mit einem Profi macht es noch mehr Spaß. Erst recht bei einem kleinen Konzert-Event gemeinsam mit anderen stimmgewaltigen Hobbysängern. „Die SWR1-Party zum Mitsingen“ im Winzerverein mit Peter Kühn, Frontsänger der „Jukebox Heroes“, bietet am 23. Oktober 2019 ab 20 Uhr dieses außergewöhnliche Erlebnis.

Ob „In the air tonight“, „Summer of 69“ oder „Major Tom“ – SWR1 Rheinland-Pfalz lädt zu einem musikalischen Gemeinschaftserlebnis. Zusammen mit anderen Gästen in lockerer Atmosphäre die größten Hits aller Zeiten anstimmen: Beim SWR1 Public Singing im Winzerverein kann sich jeder stimmlich einbringen.

Textsicher muss man nicht sein, die Songtexte stehen auf einer Leinwand zur Verfügung. Aber auch wer lieber nur zuhören möchte, ist willkommen und kann die bekannten Hits zusammen mit anderen genießen.

SWR1 Public Singing – Die Party zum Mitsingen:
mit Peter Kühn
Mittwoch, 23. Oktober 2019,
ab 20:00 Uhr (Einlass: 19:00 Uhr)
Winzerverein in Lantershofen

Link: www.swr1.de

 

12.10.2019: INGOLF LÜCK

Ein Meister der Selbst-Suboptimierung

Multitalent Ingolf Lück eröffnete die neue Kulturlant-Saison in Lantershofen

Der Wahl-Kölner und gebürtige Bielefelder Ingolf Lück ist Schauspieler, Moderator, Synchronsprecher, Tänzer – und Comedian. Zwei Mal bereits wurde ihm der Deutsche Comedypreis verliehen. Und in genau dieser Rolle eröffnete der mittlerweile 61-jährige, dem man sein Alter nicht ansieht, am Samstag die neue Spielzeit des Grafschafter Vereins „Kulturlant“ auf der Bühne im Lantershofener Winzerverein. 250 Gäste im seit Wochen ausverkauften Saal hörten sich die Geschichten aus dem und über das Leben von Lück an. „Sehr erfreut – die Comedy-Tour“ lautete der Titel, wobei der Comedian betonte, es handele sich eher um Kabarett, bei dem das Publikum auch einiges zu schlucken habe. Vorweggenommen: in Lantershofen mussten sich die Besucher schon ganz andere Dinge anhören.

In den zwei Stunden seines Vortrags, meist im Sitzen gehalten und mit Manuskript auf dem Tisch, steigerte sich Lück von Minute zu Minute. Natürlich musste er erst einmal aufs eigene Alter eingehen, um klarzumachen, er sei nicht alt: „Höchstens Vintage.“ Aha. Von „weise“ war auch etwas zu hören, als er den Kollegen Richard Rogler mit dessen Fürsprache für einen Veggie-Day zitierte: „Ich esse gerne einmal in der Woche Salat – am liebsten Wurstsalat.“ Wohlwissend, dass Lantershofen keine Stadt ist, wie er spätestens bei der eigenen Dorferkundung feststellte, machte Lück seine Witze übers Leben auf dem Land in Verbindung mit dem TV-Schlager „Bauer sucht Frau.“ An seiner Heimat Bielefeld ließ er auch kein gutes Haar: „Da bist du auch bei deinem 20. Schützenfest noch immer der Neue.“

Lück, der seit der nicht bestandenen Radfahrprüfung im vierten Schuljahr illegaler Radler ist und schon früh feststellte: „Als Kind konnte ich gar nix“, gab sich mit dieser Erkenntnis eine neue Lebensmaxime: „Ich betreibe keine Selbstoptimierung, sondern Selbst-Suboptimierung.“ Sprich, er stellt sein Licht gerne unter den Scheffel. Das kann helfen, erspart beispielsweise Einladungen, Freunden beim Umzug zu helfen, wenn die wieder mal zu geizig sind, Profis zu bestellen. Da stellt man sich dann einfach mal ein bisschen dumm an. Zwei Mal ging das fast ins Auge. „Da war ich kurz vorm verrückt werden“, berichtete Lück und klärte auf, wann das war: einmal, als er mit vier Jahren einen Kaugummi verschluckte, obwohl die Mutter ihm doch gesagt hatte, davon müsse man sterben. Und dann, als er im Alter von 50 mit seiner Frau zum Kiffen nach Amsterdam fuhr und dem Rest der Familie einen Kulturtrip vorgaukelte. Mehr und mehr begann der Comedian nun, seine schauspielerischen Fähigkeiten auf die Lantershofener Bühne zu bringen.

Selbst-Suboptimierung – unweigerlich kam da auch die Frage auf, ob man denn tatsächlich zivilisiert sei. Zweifel am anderen kamen auf, als der Freund ihm auf die Frage, was er gerade mache, ein Selfie von der Toilette sendete. Zweifel an der eigenen Zivilisation, weil er so gar nicht das Erwachsenwerden der eigenen Tochter akzeptieren will. „Soll ich sie nach der Natascha-Kampusch-Methode erziehen?“, so die Frage ins Publikum. Zu spät – der Freund steht schon auf der Matte. Für Lück die nächste Situation, um verrückt zu werden. Also, so die Selbsterkenntnis, hilft doch nur eins: „Jeder ab 70 Jahren sollte einmal im Jahr testen lassen, ob sich seine Existenz noch lohnt.“ Und dann stellte er fest: in neun Jahren muss ich dann selbst zum Test.

Veranstaltungsankündigung

Es ist schon nicht einfach: Kaum fühlt man sich innerlich dem Bobby Car entstiegen, ist da überall diese Verantwortung. Alles ist nur noch ökologisch, alle sind fit und ständig soll man im Einklang mit sich selbst sein, auf dass der eigene Darm noch charmanter werde. Was für eine Aussicht für jemanden, der gerade 60 geworden ist und sich eigentlich nichts Anderes wünscht, als endlich in der Straßenbahn auch mal einen Platz angeboten zu bekommen? Vier Jahre nach „Ach Lück mich doch“ steht Ingolf Lück mit seinem neuen Programm „Sehr erfreut! Die Comedy-Tour 2019“ wieder auf den Kabarett- und Comedybühnen des Landes. Und diesmal wird ausgeteilt!

Charmant, aber direkt seziert er eine Welt, die sich so schnell dreht, dass es sich manchmal lohnt, einfach stehen zu bleiben, sich umzuschauen und auf die nächste ahn zu warten. Dabei widmet er sich den großen wie auch den nicht ganz so drängenden Fragen dieser Zeit. Warum muss Bio immer so klingen, als ob man dafür erst mit dem Kiffen anfangen muss? Wieso gibt es am Ende von Rolltreppen keine Falltüren? Und wie soll man sich verhalten, wenn man ein 50-Cent-Stück im Döner findet oder die eigene Tochter plötzlich den Veith mitbringt? Nach mehr als 30 Jahren auf der Bühne, weiß Ingolf Lück endlich Rat.

www.ingolf-lueck.de

11.08.2019: LUDWIG SEBUS

„Ich dät et alles su widder dohn“

Der 93-jährige Ludwig Sebus blickte in Lantershofen auf ein erfülltes Leben zurück

Die Bühne ist sein Lebensinhalt, ohne geht es nicht. Gemeint ist Ludwig Sebus aus Köln, stolze 93 Jahre und seit 70 Jahren auf den Bühnenbrettern zu Hause. 1925 geboren hat der Grandseigneur des Kölner Karnevals schon viel erlebt, inklusive eines Weltkriegs und fünfjähriger Kriegsgefangenschaft in Russland. Kaum zurück in Köln, schloss er sich dort der singenden Zunft an, die ihn schnell zum Karneval führte. An der Seite des Kölnbarden Hans-Jürgen Jansen, der als 72-jähriger in Sebus einen väterlichen Freund sieht, war der rüstige Senior am Sonntag in Lantershofen zu erleben. Vor dem Hintergrund der Restauration einer aufgefundenen alten Fahne, die noch sechs Jahre älter, als Sebus ist, hatten Junggesellen-Schützen und deren ehemalige Fähnriche unter Mithilfe des Vereins Kulturlant zum Kölner Mundartabend eingeladen. Ziel ist es, die Existenz der Fahne zu kommunizieren, um diese einmal einer Restaurierung zuführen zu können.

Sebus berichtete in seinen Ausführungen und im Zwiegespräch mit Jansen über die ganz alten Zeiten, als er die frühen Liedermacher Köln kennenlernte, mit einer Ausnahme: von Willi Ostermann bekam er nur noch in Kindesjahren dessen große Beerdigung auf dem Melatenfriedhof mit. Nach der Rückkehr aus Russland und dem Miterleben einer großen Feier auf dem Alter Markt war dann für Sebus klar: „Da will ich dabei sein.“ Er dichtete und komponierte. Sein Erstlingswerk für den Karneval wäre heute wohl verpönt: „Hück trööte mer die janze Naach, bis morje fröh et Sönnche laach“ hatte durchzechte Nächte zum Thema. Aller Anfang war natürlich schwer, auch für das neue Mitglied im Literarischen Komitee. Nach seinen ersten Vorstellabenden standen gerade einmal 30 Karnevalsauftritte im Kalender. Aber der Aufstieg in der Domstadt war unaufhaltbar.

Kölnbarde Hans-Jürgen Jansen, der nach dreijähriger intensiver Vorarbeit vor fünf Jahren eine große Sebus-Biographie veröffentlichte, brachte die rund 150 Gäste im Lantershofener Winzerverein am Sonntagabend mit gesungenen Krätzjer von Ostermann, Berbuer und Sebus in Stimmung, schnell wurde sich eingehakt und geschunkelt, die Texte waren den Besuchern auch nach Jahrzehnten noch geläufig, vom schnelllebigen heuten kölschen Liedgut war da nichts zu merken. Dann trat Gentleman Sebus ans Mikrofon, trotz hohen Alters mit erstaunlich guter Stimme ließ er „Am Dom zu Kölle“ erklingen, sang vom „dicke und vom drüjje Pitter“ und davon, dass man sogar „Kölsche in der Südsee“ trifft. Sebus galanter Wortwitz, gespickt mit Komplimenten für die Weiblichkeit und Spitzen an die Männer im Saal sorgte für viel Gelächter, seine Lebensweisheiten und seine positive Art beeindruckten. Dass der 93-jährige seiner Meinung nach im Leben alles richtig gemacht hatte, drückte er am Ende in seinem neuen Lied „Ich dät et alles su widder dohn“ recht deutlich aus. Und weil das Publikum Sebus uns Jansen nach zwei Stunden nicht so einfach von der Bühne lassen wollte, gab es das fast schon obligatorische „Ich möch ze Fooss no Kölle john“ als Zugabe mit auf den Heimweg.

Veranstaltungsankündigung

Ludwig Sebus und Der Kölnbarde schwaade un singe bei uns en Lantesche

Ludwig Sebus ist neben all seinen sympathischen Eigenschaften, die ihn auszeichnen, auch der Grandseigneur des Kölner Karnevals, der bekannteste lebende Krätzchen-Sänger. An ihm kommt in Köln keiner vorbei. Er ist trotz seiner 93 Jahre jung geblieben und das nicht nur äußerlich, sondern auch in seiner Weltoffenheit und Toleranz eine absolute Persönlichkeit.

Der Kölnbarde, Hans-Jürgen Jansen ist bereits zweimal im Winzerverein aufgetreten. Für ihn ist es schon fast ein Heimspiel. Er bringt –  sich als echter Barde mit der Gitarre begleitend –  neben bekannten Kölner Krätzcher seine eigenen Lieder „op Kölsch“ zu Gehör, in dem er diese mit witzigen Anekdoten und Reimen garniert. Mit  Ludwig Sebus, dessen Biografie er 2013 herausbrachte, verbindet ihn eine enge Freundschaft.

Eine Veranstaltung der ehemaligen Schwenkfähnriche der Junggesellen-Schützen-Gesellschaft „St. Lambertus“ Lantershofen

31.05.2019: MAM

„Häng de Fahn eruss“

Lantershofen feiert am zweiten seiner Jubiläumstage gleich drei Geburtstage

Tag zwei der Feierlichkeiten „1000 Lantesche Jahre“ gehörte den Fans des Kölschrock und wurde vom Verein „Kulturlant“ gestaltet. Der hatte gleich dreifachen Grund einzuladen: das „1000-jährige“ im Dorf, selbst wird man in 2019 fünf Jahre alt. Aufhänger eines tollen Konzertabends aber war, dass vor 25 Jahren die Kölschrocker von „BAP“ vier Tage in Lantershofen für ihre Deutschlandtour probten und dort auch ein Konzert gaben, und zwar unter dem Pseudonym „Der Sieben ´Ühnchen“, damit nicht auf einmal tausende BAP-Fans vor dem Winzersaal stehen. Dort freuten sich am Freitag mehr als 400 Kölschrock-Getreue auf „MAM“, die wohl beste Tribute-Band der Kölner, die mit Klaus Drotbohm einen Sänger mit beinahe identischer Stimme, wie der des Wolfgang Niedecken hat. Somit was alles für eine große Party gerichtet, zumal Kulturlant den Fans mit der Band „Schank“ und deren Tresen-Folk noch einen Aufwärmer vorsetzte, der gleich für gute Stimmung sorgte und das Publikum bestens für das MAM-Konzert einstimmte.

MAM konnten sich also in einen bestens gerichteten Saal begeben, mit dem ersten Textfetzen von Klaus Drotbohm schien das einstige BAP-Feeling wieder da. Die dicht gedrängten Gäste, mancher von ihnen noch im 25 Jahre alten Tour-Shirt der „7 Ühnchen“, waren textsicher, nahm Drotbohm teilweise die Arbeit ab und feierten die Cover-Band, als wären es die Originale. Die Stimmung auf und vor der Bühne war großartig, zumal MAM kein einziges der bekannten Stücke aus der Ära des „Major“ Heuser als Songschreiber von BAP ausließen. „Ne schöne Jrooß“ oder die Story vom „Müsli Man“, „Waschsalon“, „Zehnter Juni“, „Nemm mich met“ oder „Anna.“ Ein Gassenhauer der Kölner folgte dem anderen. Balladen, wie „Liebesleed“, „Helfe kann dir keiner“, „Wellenreiter“ und vor allem „Jupp“ klangen aus mehr als 400 Kehlen. Sänger Drotbohm hörte man immer nur „Wahnsinn, was hier los ist“, sagen. Und dann die Kracher im BAP-infizierten Lantershofen: „Verdamp lang her“, „Kristallnaach“ oder „Do kanns zaubere.“ Mehr als drei Stunden lang, ohne Pause, spielten MAM auf ihr Publikum ein, das von einer Begeisterungswelle zur anderen schwappte. Da folgte man am Ende auch gerne der Jubiläumsbitte der Festreigen-Veranstalter, die MAM nochmals bekräftigten: „Häng de Fahn eruss.“

Veranstaltungsankündigung

1000 Lantesche Jahre – Das Konzert

Unter dem Pseudonym „Sieben ´Ühnchen“ standen die Kölsch-Rocker von BAP bereits 1994  auf der Bühne im Lantershofener Winzerverein und übten für ihre damalige „Pik-Sibbe-Tour“. 25 Jahre später sind die Hits aus den ersten Jahren der erfolgreichen Band wieder in Lantershofen zu hören, dieses Mal dargebracht von der Cover-Band MAM, die ebenso wie das Original aus Köln stammt. MAM ist eine von vielen BAP-Cover-Bands, weithin gilt sie als die beste. Dies dürfte in erster Linie daran liegen, dass Sänger Klaus Drotbohm mit exakt der gleichen Stimme ausgestattet ist, wie BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken. MAM begeistert dazu schon seit vielen Jahren als musikalisch erfahrene Live-Band vor allem durch große Spielfreude. Wolfgang Niedecken und Ex-Gitarrist Klaus „Major“ Heuser haben die Band schon gesehen und waren beeindruckt. Beim Tourstart 2011 in der Bonner Harmonie durfte MAM den „Major“ sogar als „Special Guest“ präsentieren – eine Anerkennung für die Band wie sie größer wohl nicht sein kann.

Die bis zu dreieinhalb Stunden dauernde BAP-Tribute-Show lässt mit den großen Hits der 80er-Jahre, wie „Frau ich freu mich“, „Do kanns zaubere“, „Kristallnaach“ oder „Verdamp lang her“ das BAP-Feeling der Durchbruchzeit wieder aufleben und garantiert einen mitreißenden Kölschrock-Abend. Das MAM-Konzert finden im Rahmen der Veranstaltungen „1000 Lantesche Jahre“ statt.

27.04.2019: RAINALD GREBE

Provokation auf höchstem Niveau

Mit Rainald Grebe war in Lantershofen ein Star und Zyniker der Szene zu Gast

„Das war der Ritterschlag für unsere kleine Bühne“, da war man sich beim Grafschafter Verein „Kulturlant“ einig. Gemeint war der letzte Auftritt im Rahmen des Kabarett-Abo-Programms 2018/19 im Lantershofener Winzerverein, wo am Samstagabend Rainald Grebe zu erleben war. Der im Jahr 2012 mit dem deutschen Kabarettpreis ausgezeichnete Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist und Autor präsentierte sein „Elfenbeinkonzert.“ Mit Konzert hatte das durchaus etwas zu tun, ließ sich Grebe doch immer wieder am Flügel nieder und stimmte zu Gesang und nachdenklichen Texten an. In der Summe war sein Programm, das mitsamt vier Zugaben fast drei Stunden lang dauerte, eine Mischung aus Kabarett und Theater, vor allem aber große Kunst.

Grebe hielt auf seine ganz eigene Art der Gesellschaft, und damit auch dem Publikum in der seit Monaten ausverkauften Vorstellung den Spiegel vor, indem er in ihre Rollen schlüpfte. Schon das Outfit war eine erste Provokation: Sakko, Hemd, Krawatte, Turnhose. In der Hand den großen, sprechenden Koffer mit all dem, was er zu sagen und zu zeigen hat, schluffte der 48-jährige durch den Saal auf die Bühne, von wo aus er ständig mit seinem Techniker Franz kommunizierte. „Ohne den geht es nicht“, stellte Grebe schnell fest. Aber erst einmal wurde ihm wegen eines kleinen Malheurs flugs die Kündigung ausgesprochen.

Grebes Mantra an diesem Abend war die Vermittlung des deutschen Liedguts an Afrikaner. Aber welches deutsche Liedgut? Etwa das, das unter dem Namen Hip-Hop längst sein Reimschema verloren hat. 1992 war alles noch gut, als die Fantastischen Vier mit ihrem schwäbischen Kehrwoche-Hip-Hop noch Reime präsentierten. Das ist verloren gegangen. Aber wo? Kann man das den Ivorern an der Elfenbeinküste, wo Grebe als Kulturbotschafter 2016 einen Volkslieder Kurs im Goethe-Institut gab, vermitteln? Oder doch besser Helene Fischers Schlagerknaller „Atemlos durch die Nacht“, den die Ivorer schließlich fröhlich anstimmten. Dem Publikum in Lantershofen wurde das und manches andere auf der Leinwand vorgeführt. „Atemlos“ erfüllt hat die Kriterien eines Volkslieds, also eingängig, gut singbar und identitätsstiftend. Tja, kommentiert Grebe die Einspieler, „das ist Kolonialismus auf Augenhöhe, sagen wir es mal so.“ Was ist der Mann für ein Zyniker!

Grebe sprang von Rolle zu Rolle, hatte die Jugend auf dem Kicker und bescheinigte ihr, dass der Sprachschatz irgendwo zwischen Selfie und „Lol“ doch was Gutes sei. Dabei gab es die per „Face Swapping“ verballhornten Snapchat-Fotos und Musikvideos, die Teenies mit der App Musically gebastelt haben, zu sehen. Kultur der Zukunft. Was bleibt für die Älteren, außer „Raus in die Arena“, per Song wird die Routine des Tages provokant dargestellt. Dann schon lieber ein Leben wie das des „Dirk“, der schon Grandmaster Flash hörte, als Grebe noch Reinhard Mey verehrte.

Die Show läuft, dann aber der Moment, der dem Publikum beim Lachen das Blut gefrieren lässt. Grebe berichtet von seinem Afrika-Trip und scherzt über die Gefahrenzulage für Mitarbeiter des Goethe-Instituts, von der die alte Freundin, die ihm den Job in Abidjan antrug, berichtete. Doch dann kommt es: „Henrike ist im März ermordet worden, zufällig, zusammen mit 15 anderen am Strand, niedergemäht von Islamisten.“ Das Publikum war mucksmäuschenstill, Grebe schwenkt um, wird wortwitzig, seziert die Gesellschaft noch mehr und lässt einen starken Abend ausklingen. Nach Hause gehen will niemand. Auch nach der vierten Zugebe bleiben die 250 Gäste sitzen und hoffen auf einen weiteren Nachschlag. Dieses Mal vergeblich.

Und warum kommt Grebe, der auch schon Mal vor 10.000 Leuten Konzerte in Berlin gibt, ins kleine Lantershofen? Der Star löst das Rätsel. Sein Musical-Projekt „Effzeh! Effzeh!“ zum Thema 1. FC Köln zog ihn zu Club-Archivar Dirk Unschuld. Der wohnt in Lantershofen und machte für seine Hintergrund-Infos den Auftritt bei Kulturlant zur Bedingung. Grewe willigte ein und legte als Gage die

Bezahlung in Weißwein und Eifelgeist fest. Kistenweise wechselten die Getränke den Besitzer. Was für eine Nacht!

Veranstaltungsankündigung

Das Elfenbeinkonzert

Er tut es wieder. Vier Jahre nach seinem letzten Solo Das RainaldGrebeKonzert setzt sich Rainald Grebe wieder allein ans Klavier. „Alles ging damit los, daß eine alte Bekannte anrief, ob ich nicht einen Volksmusik- Workshop in der Elfenbeinküste machen wolle, mit ivorischen Deutschstudenten, sie sei jetzt Leiterin des Goetheinstituts dort in Abidjan. Dann sagte sie noch, daß das Goetheinstitut einen Steinwayflügel besitzt, und einen Klavierstimmer gibt es auch, den einzigen in der Cote d ´Ivoire. Der betreut etwa ein Dutzend Instrumente und eins davon steht beim Goethe im Institut. Ich sagte zu. Aber was ist jetzt bitte heute Volksmusik, und wie kann ich Deutschland am Äquator musikalisch vermitteln. Und warum nicht auch tänzerisch? Und was ist Volksmusik in der Elfenbeinküste… Oder an der Elfenbeinküste? Ich bin ja jetzt Botschafter. Mit meiner zarten Arthrose meldete ich mich in Berlin erstmal bei einem Breakdanceworkshop an. Eigentlich hab ich für Afrika gar keine Zeit. Ich hab hier 8 Theaterprojekte parallel zu betreuen. Wie immer. Und dann ging die Reise los…“ Das Elfenbeinkonzert ist Rainald Grebes fünftes Soloprogramm. Premiere am 21.10.2016 in der Kölner Philharmonie.

Pressestimmen:

  • „Seine Komik ist ein intellektueller Kollateralschaden auf dem Kriegspfad gegen die Einfältigkeit. Der Grebe 2012 vertieft das Renommee eines unglaublich innovativen Unterhalters.“ (Allgemeine Zeitung Mainz, Feb 2012)
  • „Irgendwie scheint die Logik seiner Gedanken nie von dieser Welt zu sein. Doppelbödig ist das alles nicht – mindestens sieben Böden lassen sich vermuten. Wie falsches Leben im falschen funktioniert – bei ihm erhaschen wir eine Ahnung davon.“ (Thüringer Allgemeine, Feb 2012)
  • „Absolut beeindruckend, wie Rainald Grebe im einen Moment krass überzeichnet, und beinahe im selben Augenblick tief berührt.“ (Siegener Zeitung, Jan 12)
  • „Und weil sein Ego-Trip auch eine Generationenbeschreibung ist, finden sich so viele im Publikum in ihm wieder und bejubeln ihn – nicht zuletzt wegen seiner kleinen, aber scharfen politischen Spitzen.“ (WZ, Jan 12)
  • „Es gibt Kabarettabende, da weißt du nach zwei Minuten, dass es wieder gut wird.“ (Nürnberger Nachrichten, Juni 2012)
  • „Geniale Verschmelzung von Text, Musik und deklamatorischer Wucht“ (Kölnische Rundschau, Juli 2010)
  • „Eine Mischung aus Udo Jürgens und Helge Schneider. Genial!“ (Stern, April 2010)
  • „Grebe besitzt ein immenses Gefühl für Dynamik und Dramatik, Bühnenelemente, die er gnadenlos auszuspielen vermag.“ (Plärrer, Nürnberg, April 2010)
  • „Kabarett in gut. Ja, so was gibt’s. Markenzeichen: aufgerissene Augen. Zwischen der Bissigkeit Wiglaf Drostes, der Eloquenz Dieter Nuhrs und der Romantik Funny Van Dannens.“ (Intro, April 2010)
  • „Bei Grebe…ist das Abseitige Programm. Und wie er mit Kalauern und Sottisen, höherem Blödsinn, schwarzem Humor und Schlagerverhohnepipelung die hohe Kunst der Komik variiert, hat Klasse.“ (FAZ Mai 2009)
  • „Zurzeit scheint er an allen Ecken und Enden zugleich zu brennen. Grebe, seien Sie bitte gut zu sich! Wir brauchen Sie.“ (Die Welt, Mai 2008)
  • „Wer ist schuld, dass uns diese Granate jahrelang vorenthalten wurde?“ (Süddeutsche Zeitung Februar 2007)
  • „Eine unbeschreibliche Melange aus Balladen, die er selbst fulminant am Flügel begleitet, und absurden Betrachtungen“ (tz München, Februar 2007)
  • „Grebes Heimat ist zweifellos die Bühne, und sollte er auf einer in Ihrer Nähe zu sehen sein: Gehen Sie schnell hin!“ (Titanic, April 2007)
  • „Lyrik mit Heimtücke … sublimer Blödsinn mit wetterfester, tragischer Grundierung.“ (Der Spiegel im März 2006)
  • „Hier steht ein Ururenkel des Dadaismus auf der Bühne, ein kluger Kindskopf, der sämtliche Erwartungen bricht.“ (Kölner Stadtanzeiger, Oktober 2004)

 

 

07.04.2019: DIE MAGIER 2.0

Magische Momente und etwas Klamauk

Im Lantershofener Winzerverein wurde gezaubert

Nicht erst, seitdem die Ehrlich Brothers mit ihren magischen Shows in Deutschland ganze Arenen füllen, sind Zaubershows wieder in. In Lantershofen waren jetzt „Die Magier 2.0“ zu Gast. Mehr als 200 Gäste ließen sich am Sonntagabend in Deutschlands erfolgreichster Magic Ensemble Show verzaubern. Dabei ist der heutige Zauberer längst ein Entertainer, vorbei sind die Zeiten von schwarzem Zylinder, Zauberstab und Simsalabim. Was die Show von der der ostwestfälischen Zauberbrüder unterscheidet? „Hier guckst Du nicht aus weiter Entfernung auf riesige Leinwände neben der Bühne, hier bist Du hautnah dran“, so Ober-Magier Christopher Köhler. Er und seine Kollegen ließen das Publikum sogar mittendrin dabei sein. Mitmachen war angesagt, da fand man sich schnell auf der Bühne wieder. So wie Robert aus Birresdorf, der Christopher Köhler bei einem Kartentrick auf den Leim ging, auch wenn dieser mehr im Bereich Klamauk statt Zauberei angesiedelt war. Lars Ruth lockte gleich drei Probanten auf die Bühne, um deren Gedanken zu lesen. Immerhin, bei zweien gelang das. Irreführung und Manipulation seien sein Thema, so der Hypnotiseur und Mentalist. Er hatte zuvor das ganze Publikum verblüfft, ließ scheinbar deren Finger wachsen, was auch bei rund einem Viertel der Gäste zu klappen schien, zumindest hatten diese den entsprechenden Eindruck. Interessant auch die Hypnose von Lars Ruth an Andrea aus dem Publikum. Die wurde in eine Zeit zurückversetzt, in der sie noch nicht einmal lesen konnte. Und tatsächlich, die gezeigten Wörter konnte die Hypnotisierte nicht als solche erkennen, das Publikum aber schon.

Zwischenzeitlich war Sam Cole auf der Kulturlant-Bühne eingetroffen, im gelben Anzug mit Hut und schriller Feder ließ er Dinge aus einem vermeintlich leeren Gefäß wandern und Kugeln oder Feder wie von Geisterhand durch den Raum schweben. Und dass er schließlich mittels dreier Rohre eine Weinflasche in rund ein halbes Dutzend Flaschen verwandeln konnte, entzückte das Publikum.

Ein wenig mystisch kam schließlich „Swann“, der Maskierte daher. Auch er suchte sich seine Mit-Zauberer im Publikum. Diese ließen nur mit ihrer Konzentration Gläser zerplatzen oder schafften es, durch eine vermeintliche Glasscheibe zu fassen. Swann ließ derweil offenes Feuer durch den Winzersaal fliegen und produzierte aus der hohlen Hand Unmengen von Konfetti. Nur Christopher Köhlers Tricks entpuppten sich zunächst als fauler Zauber. Er machte lieber den Conférencier und gut gelaunten Gastgeber, der das Publikum immer wieder zum Lachen brachte. Schließlich machte aber auch Köhler ernst und präsentierte dem Auditorium einige tatsächlich zauberhafte Kartentricks, bei denen am Ende jeder im Saal gefordert war, mitzumachen. Und tatsächlich konnte am Ende der Vorstellung jeder der Gäste ein wenig zaubern.

Veranstaltungsankündigung

Nach der ersten erfolgreichen Deutschland Tour kehren DIE MAGIER mit einer brandneuen Show auf die Bühne zurück. Erleben Sie vier von Grund auf unterschiedliche Magier Charaktere, die alle Meister ihres Fachs sind und erleben Sie eine magische sowie unglaublich unterhaltsame Show, die abwechslungsreicher nicht sein könnte. Mal emotional, mal poetisch. Zum einem unheimlich bizarr, zum anderen zum Kreischen witzig. Eine Achterbahnfahrt der magischen Unterhaltung wie Sie es noch nicht erlebt haben. Und SIE sind live und hautnah dabei! Erleben Sie die neue Show von den Magiern, die so nah und intim wie keine andere Bühnenshow ist. Das sind DIE MAGIER 2.0!

CHRISTOPHER KÖHLER ist „DER LUSTIGE“
Der Rheinländer ist der Gründer und Moderator von DIE MAGIER und macht Schluss mit dem aalglatten und langweiligen Image eines Zauberkünstlers. Auf Augenhöhe mit dem Publikum zeigt Köhler mit saloppem Mundwerk Publikums-Improvisationen die einmalig, saukomisch und absurd sind. Köhler kann man nicht beschreiben. Man muss ihn gesehen haben! Seit nunmehr 10 Jahren begeistert er live sein Publikum und war schon in zahlreichen TV Sendungen zu sehen.

LARS RUTH ist „DER SEHER“
Feinfühlig und empathisch nimmt Lars Ruth Sie mit auf eine Reise in die Welt des Übersinnlichen, in der auch Sie zweifeln werden, ob Ihr Reiseführer „die Gabe“ besitzt und ob Sie Ihren Sinnen trauen können. Folgen Sie Lars Ruth auf eine Expedition ins Reich der Wahrsager und Visionäre, der Hypnotiseure und Traumdeuter. Als ehrlicher Scharlatan weiht Lars Ruth Sie auf Ihrer Reise in diese Welt der Wunder ein.

SWANN ist „DER MASKIERTE“
Die einzigartige Verschmelzung von Illusionen, Musik, Schauspiel, Licht und Tanz begeistert bereits seit 20 Jahren viele Menschen auf der ganzen Welt. Der Kölner hat die Gabe unvergessliche Bilder und eine Atmosphäre auf der Bühne zu schaffen, die mit Worten kaum zu beschreiben sind. Erleben Sie wunderbar liebevolle Magie mit eindrucksvollen Illusionen und geben Sie sich selbst die Möglichkeit mal wieder zu träumen.

SAM COLE ist „DER VERRÜCKTE CHARMEUR“
Gutaussehend, charmant und schräg – das ist Sam Cole! Durch einen Unfall in einer radioaktiven Magnetfabrik in Chicago hat er leider seinen Verstand verloren, dafür aber magische Kräfte entwickelt. Swingen, tanzen oder klatschen Sie mit bei diesem eher ungewöhnlichen Künstler. Erleben Sie außergewöhnliche Zauberei, schnelle Tänze und unvergessliche Musik.

(DIE MAGIER 2.0 ist nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet.)

 

29.03.2019: PHILIPP WEBER

Endlich mal eine Trink-Show statt Koch-Shows

Mit seinem Programm „Durst“traf Kabarettist Philipp Weber den Nerv des Publikums

Immer nur Koch-Shows. Damit war Schluss in Lantershofen. Dort präsentierte der Verein Kulturlant mit dem Programm „Durst – Warten auf Merlot“ des Kabarettisten Philipp Weber zur Abwechslung mal eine Trinkshow und traf damit voll den Nerv des Publikums. Und dessen Leber gleich mit. Mehr als 200 Gäste im Lantershofener Winzerverein waren von dem Pointen-Feuerwerk des Schnellredners aus dem Odenwald vollauf begeistert. Weber hatte ein Programm auf Lager, dass der Deutschen liebste Kultur beschrieb: die Trinkkultur. „Bei uns im Odenwald ist es sogar die einzige Kultur“, ließ der Komiker kaum ein gutes Haar an seiner Heimat. Und dabei haute der Wein-Genießer einen Klops nach dem anderen raus. Beispiele: Aldi-Bier zum Spottpreis eigne sich hervorragend, um den Dackel zu entwurmen. Und ein Smoothie unterscheidet sich vom Fruchtsaft dadurch, dass man beim Schlucken würgen muss.

Der Kabarettist ging der Frage nach, ob man mit Alkohol auch vernünftig umgehen könne. Seine Freundin verneint es, aber: „Mein Arzt sagt ja. Aber nicht sie, Herr Weber.“ Weber berichtete vom Alkoholmissbrauch, der keine Altersgrenzen kenne: „25.000 Jugendliche sind letztes Jahr mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gekommen. Aber auch 27.000 Rentner.“ Vernünftiges Trinken will also gelernt sein. Da zitierte Weber auch gerne mal seinen Onkel Rudi, der nach dem Tod und vor der Einäscherung noch nüchtern werden musste, sonst wäre er verpufft. Des Onkels Verkostungen vom Selbstgebrannten trugen nicht umsonst den Beinamen „Blindverkostung.“ Dazu passte auch die Erkenntnis: „Wenn Gott gewollt hätte, das der Mensch Wasser trinkt, hätte er nicht so viel davon versalzen.“

Weber selbst unterbrach seine Dauerbelustigung ab und zu mit Fakten, die dann gar nicht so lustig waren. Dem täglichen virtuellen Wasserverbrauch der Deutschen zum Beispiel, in dem die Herstellung von Lebensmitteln und dem anderen täglichen Bedarf eingerechnet ist und der bei rund 4.000 Litern liegt. Und dem ständig weniger werdenden Trinkwasser, der steten Ausdehnung der Wüsten und dem damit verbundenen immer größer werdenden Flüchtlingsstrom.

Einen Schweif ins aktuelle Geschehen gab es obendrein. Zum Thema Nationalismus und Unzufriedenheit in Europa prognostizierte er: „Wenn das so weitergeht, sind in zwei Jahren nur noch die Briten in der EU.“ Besonders angetan hatte es ihm die leicht sexistische Fahrradhelm-Kampagne von Bundes-Verkehrsminister Scheuer: „Welches Leben soll denn gerettet werden, wenn ich im Bett einen Fahrradhelm trage“, fragte Weber, der nach mehr als zwei Stunden, in denen er das Zwerchfell der Gäste im Lantershofener Winzerverein aufs Äußerste strapazierte, mit lang anhaltendem Applaus und lauten Zugabe-Verlangen bedacht wurde.

Veranstaltungsankündigung

DURST – Warten auf Merlot

Vernünftiges Trinken will gelernt sein. Millionen Deutsche schlucken heute missbräuchlich Alkohol. Im letzten Jahr mussten deshalb 23000 Rentner stationär behandelt werden. Wie heißt es so schön: „Viele ältere Menschen müssen nachts öfters raus“. Es wird aber nie gesagt wohin. Jetzt wissen wir es: Zur Ü-80-Party mit betreutem Trinken! Auch die Leistungsträger dieser Gesellschaft langen kräftig zu. Es gibt Krankenhäuser, da schwankt die Chefarztvisite als Polonaise ins Zimmer. Und im Flugzeug kann man nicht mehr sicher sein: Wer hat mehr getankt, die Maschine oder der Pilot? Droht Deutschland in seinem eigenen Durst zu ertrinken?

Die Antwort auf diese bierernsten Fragen ist erschütternd komisch: Tee macht fahruntüchtig ab 0,8 Kamille. Kakao ist Koks für Kinder. Milch ohne Fett ist keine Milch, sondern Quatsch. Für eine gute Tasse Kaffee braucht man 140 Liter Wasser. Der Mensch lebt nicht allein von Kefir. Stille Wasser sind nicht tief, sondern teuer.

Doch der eigentliche Skandal ist, was dem Menschen im Lande des Reinheitsgebotes als trinkbar vorgesetzt wird: Red Bull! Das Zeug schmeckt wie der Morgenurin eines zuckerkranken Gummibärchens. Manche glauben sogar, dass da Stierhodenextrakt drin ist. Dann wäre Red Bull kein Energydrink, sondern eine Ochsenschwanzsuppe. Oder Nektar! Ein Drittel der Deutschen halten einen Frucht-Nektar für ein besseres Getränk als einen Fruchtsaft. Dabei müssen in Nektar gerade mal 5 % Frucht enthalten sein. Der Rest ist Wasser, Zucker, Farbstoffe … Wenn Sie ein „Shampoo Kiwi-Mango“ kaufen, haben Sie mehr Obst im Korb. Lug und Betrug wohin das Auge schweift.

Wer bringt Klarheit in die trüben Gewässer der deutschen Trinkkultur? Philipp Weber. Der studierte Chemiker und Biologe ist Deutschlands radikalster Verbraucherschützer und hat sich mit Leib und Leber Ihrem Wohl verschrieben. Der Autor und Macher des Sensations-Programms „FUTTER – streng verdaulich“ widmet sich nun den flüssigen Gaumenfreuden. „DURST – Warten auf Merlot“ ist ein furioses Meisterwerk der komischen Volksaufklärung. Denn Weber will mehr: lachende Gesichter, glückliche Menschen und eine bessere Welt. Doch vor allem: den Ministerposten für Verbraucherschutz!

(Wer nach diesem Abend kein Kind von ihm will, war in einer anderen Vorstellung.)

Pressestimmen

  • Es dauert keine fünf Minuten, bis Philipp Weber das Publikum in Hochstimmung versetzt hat. Pausenlos lässt der Turboquassler in der Lach- und Schießgesellschaft die Pointen prasseln. – Süddeutsche Zeitung
  • Scharfsinnige Beobachtungen zu gesellschaftlich relevanten Themen, perfekt gesetzte Pointen und ein ordentliches Paket an Selbstbewusstsein. – Passauer Neue Presse
  • Er verquickt Wissen mit Witz, Biologie mit Blödelei, Chemie mit Charme. – Nürnberger Nachrichten
  • Es sind knallharte Wahrheiten, die Philipp Weber seinem Publikum um die Ohren haut. Das kann er gut, dazu noch so amüsant, dass man zum Ende des Programms nicht nur eine Menge über das Trinkverhalten der Deutschen und die Zusammensetzung von RedBull weiß, sondern Bauchschmerzen und Schnappatmung vor Lachen hat. – Main-Echo

Philipps Preise & Auszeichnungen

  • 2010 Deutscher Kleinkunstpreis mit dem Ersten Deutschen Zwangsensemble
  • 2009 Bayerischer Kabarettpreis Senkrechtstarter
  • 2008 Lachmessepreis Leipziger Löwenzahn mit dem Ersten Deutschen Zwangsensemble
  • 2008 Deutscher Kabarettpreis Förderpreis, Burgtheater Nürnberg
  • 2007 Salzburger Stier mit dem Ersten Deutschen Zwangsensemble
  • 2004 Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg
  • 2002 Passauer Scharfrichterbeil

Links: www.weberphilipp.de | Facebook

23.02.2019: YOUNG SCOTS TRAD AWARDS WINNER TOUR

Spiel- und Lebensfreude waren ansteckend

Schottlands bester Musikernachwuchs spielte in Lantershofen

Das war wahrlich ein Zungenbrecher: Young Scots Trad Awards Winner Tour. Dahinter stecken 18 Konzerte in ebenso vielen Tagen. Den Abschluss ihrer Tournee quer durch Deutschland machten vier junge Schotten am Samstagabend auf der Kulturlant-Bühne in Lantershofen. Präsentiert wurden die Ausnahme-Musiker von der Deutschen Petra Eisenburger, sie führte auch durch das Programm, das knapp 200 Gäste von der ersten Minute an begeisterte. Die jungen Schotten, die Siegerpreise in Wettbewerben traditioneller schottischer Musik gewinnen konnten, stellten sich nacheinander musikalisch vor, später spielten sie dann zusammen. Begleitet wurden die Preisträger dabei vom Gitarristen Luc McNally, der in den Jahren 2016 und 2017 ebenfalls begehrte schottische Nachwuchspreise gewinnen konnte. Ihm stand als erstes Charlie Stewart zur Seite, der das Geigenspiel an der Royal Conservatoire of Scotland studierte und für den der Begriff des Teufelsgeigers äußerst zutreffend war. Stewart brachte aber nicht nur die Musik authentisch rüber, er verkörperte zudem eine große Spiel- und damit verbunden, auch Lebensfreude. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht und begleitendem Taktspiel, teilweise mit beiden Füßen, sorgte Charlie Stewart gleich im ersten Stück für helle Begeisterung, sein „Fire-cross Song“ erntete tosenden Applaus. Ein klein wenig ruhiger ließ es „the voice“ im vierköpfigen Ensemble angehen. Iona Fyfe ist gerade einmal 21 Jahre alt, als Sängerin aber bereits weltweit unterwegs. Sie nahm das Publikum mit, animierte beim Song „Swing and Turn“ zum Mitsingen. „Take me out Drinking Tonight“ spiegelte die schottische Freude an der Geselligkeit wider. Dritter im Bunde der Preisträger-Tour war Paddy Callaghan, eine ebenso lustige, wie gemütliche Persönlichkeit. Sobald er aber zum Knopfakkordeon greift, explodiert er förmlich. „Schnell“ sei seine Musik, sagt er. Eines von zwei gelernten deutschen Wörtern. „Wunderbar“ ist das andere, auch weil sein Lieblingsort in Schottland „Bar“ sei. „The Trip to Dingle“ zeigte dem Publikum, dass Callaghan nicht zu viel versprochen hatte, auf der Bühne und im Saal ging sprichwörtlich die Post ab.

Im zweiten Konzertpart gehörte die Bühne im Lantershofener Winzerverein dann allen vier Musikern, wobei Iona Fyfe betonte, sie sei für den eher melancholischen Part zuständig. Das war übertrieben, auch wenn ihre Mitstreiter es immer dann, wenn Titel mit Gesang anstanden, ruhiger angehen ließen. Dafür hatte hier das Publikum wieder seinen Einsatz, ihm gehörte der stimmlich äußerst hoch angesetzte Refrain bei „Bonnie Lass of Fire.“ Wenn es dann instrumental zuging, gingen die drei Musiker in die Vollen, man fühlte sich im Winzerverein auf ein schottisches Volksfest oder in einen Glasgower Pub versetzt. Am Ende hielt es keinen mehr auf den Sitzen, zumal Kulturlant in Zusammenarbeit mit „Ahrland“ auch Biere und Whiskey aus Schottland reichte. Die Musiker bevorzugten derweil deutsches Bier und trockene Ahrweine, packten nach Mitternacht die Instrumente ein zweites Mal aus und spielt im Winzerverein noch bis tief in die Nacht im kleinen Kreis.

Veranstaltungsankündigung

Young Scots Trad Awards Winner Tour 2019 – die frische Musik-Brise aus Schottland!

Nach der erfolgreichen Premiere der Young Scots Trad Awards Winner Tour in 2018 werden sich auch in 2019 vier junge schottische Ausnahmemusiker/innen vom 06.02. bis zum 24.02.2019 in 19 Spielstätten in Deutschland (und Österreich) konzertieren.

Wie bereits in 2018 geben Preisträger und Finalisten von renommierten Wettbewerben wie z.B. BBC Radio Scotland Young Trad Awards, BBC Radio 2 Folk Awards, MG Alba Awards und Molloy Award Zeugnis ihres Könnens.

Ziel dieser Wettbewerbe ist es, junge schottische Musiker zu animieren, schottische Musiktraditionen mit der eigenen musikalischen Virtuosität fortzuführen und zu beflügeln. Bei den BBC Radio Scotland Young Trad Awards beispielsweise bewerben sich jährlich zahlreiche Musiker – sechs Finalisten kämpfen anlässlich eines Prestigekonzerts beim berühmten Celtic Connections Festival im schottischen Glasgow um den ersten Platz. Der oder die beste Musiker/in wird mit dem BBC Radio Scotland Young Traditional Musician Award des entsprechenden Jahres ausgezeichnet.

Charlie Stewart (Geige), Iona Fyfe (Gesang), Paddy Callaghan (Akkordeon) und Luc McNally (Gitarre) begeistern ihr Publikum mit einer Mischung aus traditioneller Musik, die den Puls der Zeit trifft – Tradition trifft Moderne. Mit ihrer Solo-Performance im ersten Programmteil und ihrem gemeinsamen Auftritt in der zweiten Programmhälfte zeichnen Charlie, Iona, Paddy und Luc ein facettenreiches musikalisches Bild Schottlands.

Aus Rezensionen der Young Scots Trad Awards Winner Tour 2018:
„So authentisch, klangschön und leidenschaftlich interpretiert hört man schottischen, mit individueller Note versehenen Folk wohl selten.“ (Der Patriot, Lippstadt)
„Musiker bestechen mit Spielfreude und technischer Perfektion“, …“einmaliges Klangerlebnis…“ (Syker Kurier)
„Vier schottische Musiker begeistern Publikum im SWR-Foyer“… (Allgemeine Zeitung Mainz)
„Am Ende hat es sie von den Stühlen gerissen. Hielt das Publikum im Glashaus während des fulminanten Konzerts der „Young Scots Trad Award“-Gewinner zunächst noch auf den Stühlen durch – wobei diverse „Sitztanz“-Variationen zu beobachten waren –, brachen sich wippende Füße, klatschende Hände und nickende Köpfe am Ende Bahn: Die Leute standen in den Sitzreihen, manche tanzten an den Rändern (Hertener Allgemeine)

Charlie Stewart

Gewinner BBC Radio Scotland Young Trad Awards 2017, Gewinner Danny Kyle Award mit Duo “Ross Miller and Charlie Stewart”, Halbfinale der BBC Radio 2 Young Folk Awards 2016 mit Harfinistin Becky Hill

Instrument: Geige | Absolvent des Royal Conservatoire in Glasgow | Aktuelle Projekte: Bands Snuffbox, Sketch und Dosca

Iona Fyfe

ausgezeichnet mit dem Molloy Award beim “The Trip to Birmingham Irish Trad Fest 2017”, Birmingham, Finalistin Radio Scotland Young Trad Awards 2017; nominiert als “Scots Singer of the Year” bei den MG ALBA Scots Trad Music Awards 2017

Instrument: Vocals
Aktuelle Projekte: Iona Fyfe Band

Paddy Callaghan

Preisträger BBC Radio Scotland Young Trad Awards 2013, All-Britain Senior Ceili Band Trophy für “St. Roch’s Ceili Band”

Instrumente: Akkordeon
Aktuelle Projekte: Bands Paddy Callaghan Trio, Barrule

Luc McNally

Finalist 2017 des BBC Radio Scotland Young Trad Award, Gewinner “Battle of the Folk Bands” 2017 in Edinburgh, mit der Band Dosca

Instrument: Gitarre
Projekte: Bands Dosca, Snuffbox

09.02.2019: THOMAS FREITAG

Erschreckende Wahrheiten im Mantel des Kabaretts

Kabarettist Thomas Freitag sezierte die vielen Problemzonen Europas – Weckruf für Ahrweiler Freiheitswochen

Thomas Freitag, seit Mitte der 1970er Jahre als Kabarettist und Parodist auf Deutschlands Bühnen zuhause, hat den Nagel wieder einmal ins Schwarze getroffen, als er sich vor gut zwei Jahren dazu durchrang, sein 18. Soloprogramm zum Thema „Europa“ zu schreiben. Ein Thema, dass auch bei der 197. Aufführung des Programms am Samstag in Lantershofen aktuell ist und scheinbar täglich aktueller wird. Als politischer Kabarettist muss Freitag dabei natürlich tagesaktuell bleiben und vom Konzept schon mal abschweifen. Dieses Mal bekam Verkehrsminister Scheuer für seine jüngsten Einlassungen sein Fett weg: „Wir Europäer haben von den Ägyptern die Zahlen überliefert bekommen, die Null ist heute Verkehrsminister.“

250 Zuschauer im ausverkauften Lantershofener Winzerverein erlebten einen launischen Thomas Freitag in der Rolle des Peter Rübenbauer. Der ist EU-Bürokrat und für die Entwicklung aller europäischen Kreisverkehre zuständig. Besser: er war es. War es doch ausgerechnet der Brite, der ihm im neuen Kreisel auf Lesbos entgegen kam und ihm den Unfalltod bescherte. Der Brite mit seinen Launen wie dem Linksverkehr, dessen Insel am besten ein paar Kutter aufs Meer Richtung Amerika schleppen würden. Nun findet sich Rübenbauer im Jenseits wieder, an einer verkommenen Haltestelle mit umgeworfenem Mülleimer. Zeit, nachzudenken. Über das, was Europa heute noch ist, was es mal war und was es eigentlich sein sollte. Zeit, im Jenseits auch ein paar Menschen zu treffen. Willi Brandt zum Beispiel, eine von Freitags Paraderollen als Parodist. Brandts übergroße Statue in der Parteizentrale sollte AFD-Chef Gauland für dessen „Vogelschiss-Eklat“ mal eine scheuern. Zeus war auch im Jenseits zu treffen und machte klar: „Das alte Rom war das erste zentrale Europa.“ Nur hielt damals die Philosophie Europa zusammen, heute ist es die Betriebswirtschaft. Dann die Religionen, vertreten durch den evangelischen Selbstmordattentäter, der mit alten Socken tötet, weil er nicht mit ansehen kann, wie die anderen faulenzen, während sein Luther doch der erste echte Arbeiter war. Thesen anschlagen war halt anstrengend.

Europa ist nicht jedermanns Sache, bestimmt nicht die vom Bürgermeister von Brunshausen, ist das doch die Geburtsstadt des Leberkäses. Und heute? Da produziert jeder Depp das Gericht, dass weder Leber, noch Käse beinhaltet. Sein Fazit: Europa ist eine gute Sache, man hätte es nur nicht mit anderen Ländern machen sollen. Apropos Länder: Freitag malte auf, was wäre, wenn Facebook ein Land wäre. Der größte Staat der Erde, wo jeder Emsländer das Mittagessen und die Hämorrhoiden-Salbe bewerten soll.

Das richtige Rezept, wie man mit Europa umgehen soll, damit es künftig nicht nur durch die Champions League geeint ist, fanden Rübenbauer und seine Leidensgenossen im Jenseits nicht, dafür hinterließen sie aber eine Menge Nachdenkliches bei den Besuchern der Kulturlant-Bühne. Mit dem Thema „Europa“ beschäftigen sich ab 13. März auch die Ahrweiler Freiheiter zweieinhalb Wochen sehr intensiv. Der Kabarettabend mit Thomas Freitag war sozusagen der Weckruf zu den vierten Ahrweiler Freiheitswochen, die dann mit einer Fülle von Vorträgen, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, Schülerwettbewerben und mehr aufwarten werden.

Veranstaltungsankündigung

„Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“ Europa! Was für ein erstaunlicher Erdteil! Ein Kontinent, der die Philosophie erfunden hat, die moderne Wissenschaft entwickelt und die Menschenrechte formuliert hat … und der es heute schafft, auf über 3000 Seiten zu erklären, wie viel Wasser maximal durch einen Duschkopf fließen darf. Europa ist eine große Idee. Die Idee, eines Hauses, in dem 28 verschiedene Nationen (je nach Laune vielleicht auch nur 27) zusammenleben und zusammenarbeiten. Wobei jeder, der mal versucht hat, in einer WG mit nur drei Leuten einen Spülplan zu entwickeln, ahnt: Das wird sauschwer! Europa steht nicht gut da im Moment. Früher suchten hier Touristen aus Übersee nach den Resten der alten Ruinen. Heute scheint Europa selbst die größte Ruine zu sein. Thomas Freitag wirft in seinem neuen Programm einen scharfen, satirischen und sehr komischen Blick auf Europa… oder das, was davon noch übrig ist. Er schlüpft dazu in die Rolle des EU-Bürokraten Peter Rübenbauer, der für die Entwicklung aller europäischen Kreisverkehre zuständig ist… bis der „worst case“ geschieht: Rübenbauer verunglückt in einem Kreisverkehr und findet sich nun auf der Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Himmel und Hölle, zwischen dem ewigen Licht und einer EU-Energiesparlampe wieder. Und er stellt sich hier die großen Fragen: Habe ich im Leben alles richtig gemacht? Habe ich meine Ziele erreicht? Und habe ich wirklich für Europa gekämpft? Für dieses seltsame Gebilde, das uns Skipisten in Dänemark, Schwarzwälder Schinken aus Lettland und zwei Millionen Kreisverkehre beschert hat …? Aber eben auch 70 Jahre Frieden und Wohlstand. In einem rasanten Monolog seziert Thomas Freitag das heutige Europa, schlüpft dafür in viele verschiedene Rollen, schlägt den Bogen von der Antike bis heute, von der Hochkultur zur Politik, von Gott bis in die Welt. Und er kommt den großen Wahrheiten damit ziemlich nahe. Ein himmlischer Abend für Europäer, die glauben, dass Europa vielleicht doch noch mehr ist als Song-Contest und Champions League. Ein himmlischer Abend für skeptische Europäer.