10.05.2018: LOKALDERBY

„Lokalderby“ könnte eine Zukunft haben

Erstes Mini-Festival mit regionalen Musikern bei Kulturlant kam gut an

Für den Grafschafter Verein „Kulturlant“ endete am Mittwochabend die Spielzeit 2017/18, der rührige Kulturverein begibt sich nun die Sommerpause. Nachdem bundesweit bekannte Kabarettisten und Musiker im vergangenen halben Jahr auf der Bühne im Lantershofener Winzerverein präsent waren, stand diese nun regionalen Künstlern zur Verfügung. Erstmals, möglicherweise aber nicht zum letzten Mal, fand das Festival „Lokalderby“ statt. Idee und Konzept dazu hatten Gernot „Monty“ Montkowski und Stephan Maria Glöckner erarbeitet, 150 Zuschauer verzichteten bei sommerlichen Temperaturen auf den abendlichen Grillspaß zugunsten der Musik. „Man singt deutsch“ hatte Glöckner das Festival untertitelt und spielte dabei auf den Kult-Spielfilm „Man spricht deutsch“ mit Komiker Gerhard Polt an, der vor 30 Jahren über die Kinoleinwände flimmerte.

Glöckner selbst eröffnete das kleine Festival, lobte den gastgebenden Verein für dessen kulturelles Engagement überschwänglich und griff in bester Singer/Songwriter-Manier zur Gitarre. Glöckners musikalische Wortspiele handelten vom „Chaos im Kopf“ und der Aufforderung „Macht Spiele“ statt Machtspiele. „Ohne jeden Plan“ war der Ahrtaler Musiker entgegen seinem Song keineswegs. Die Titel seiner Stücke kurz und prägnant: „Ziehlos“, „Kür“, „Raum“ oder „Rään.“ In einer gesungenen Persiflage setzte er zudem dem Sting-Song „Englishman in New York“ einen neuen Text auf und sang vom „Kölsche in Düsseldorf.“

„Monti“ durfte mit seinem aktuellen Bandprojekt „Montkowski“ als zweites ran. Was für ein Unterschied. Erst der bedächtige Liedermacher Glöckner, dann der Wirbelwind Montkowski mit dunkler Stimme, die teilweise bedrohlich wirkte. Montkowski brachten allesamt eigens getextete und komponierte Songs zu Gehör. Die Band, bei der neben Sänger „Monty“ noch David Stricker am Bass, Klaus Saal (Gitarre) und Wolli Köhler am Schlagzeug mitwirkten, unterhielt das Publikum rund eine Stunde lang mit klug vertonten Lebenssituationen. „Komm geh“, „Was besseres gibt es nicht“, oder „Und dann“ mit einprägsamen Melodien waren zu hören, das hatte schon eine gewisse Ohrwurm-Qualität.

Die jüngsten und nach der Einschätzung des Publikums auch die Besten kamen zum Schluss: Lampenschirm. Die vier Jungs mit Wurzeln in der Grafschaft haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie musikalisch viel drauf haben. Die Chance, nach dem Nachwuchswettbewerb „Toys2Masters“ eine professionelle CD zu produzieren, packte das Quartett beim Schopfe und ließ das Werk „Lauter Lichter“ entstehen. Songs, die „An dich“, „Keine Spur“ oder „Irgendwas fehlt“ aus dem Album waren in Lantershofen ebenso zu hören, wie gut gecoverte Hits von Westernhagen oder Sportfreunde Stiller. Dem Publikum schien die Mischung der drei Bands zu gefallen, man fühlte sich wohl beim Lokalderby, so dass Stephan Maria Glöckner bereits über eine Fortsetzung mit dem Versuch, ein solches Mini-Festival heimischer Bands zu etablieren, nachdachte.

Veranstaltungsankündigung

LOKALDERBY Festival | Man rockt deutsch
mit Montkowski, Lampenschirm und Stephan Maria Glöckner Solo

Montkowski

Eine Band, die man kennt, stellt sich vor: Vier Köpfe und 12 Jahre Bandgeschichte. Die Liebe zur Musik vereint die Band um Frontmann und Namensgeber Monty (Gernot) Montkowski, Komponist, Texter, Sänger und Gitarrist, David Stricker am Bass, Klaus Saal, Gitarre und Wolli (Wolfgang) Köhler am Schlagzeug. Nach mehr als einem Jahrzehnt, öffnet das Quartett neue musikalische Türen und setzt auf Lieder in der Muttersprache. Direkt, ehrlich, aus dem Leben, mitten ins Herz. Unverkennbar “Montkowski” mit Ohrwurmgarantie. Echte Musik mit Live – Qualität und vier einzigartigen Typen.

Lampenschirm

Die Band Lampenschirm aus dem Kreis Ahrweiler/Köln ist seit 2010 in der Musikszene unterwegs. Neben eigenen deutschsprachigen Songs, die im Bereich Pop/Rock anzusiedeln sind, covert die Band auch Songs aus diesen Genres. Nachdem sie bereits im Jahr 2011 ihre erste EP “Licht an” veröffentlicht hat, erschien am 05. Dezember 2015 das erste eigene Album “Lauter Lichter”. Darauf zu hören ist eine geballte Mischung deutschsprachiger Rock-Pop-Lieder, die von gefühlvollen Balladen bis hin zu mitreißenden und aufregenden Rhythmen reicht.

Stephan Maria Glöckner Solo

Die Umsetzung seiner Ideen war schon immer die große Leidenschaft von Stephan Maria Glöckner. Seine Band ‚menino’ präsentiert seit über 20 Jahren brasilianische Beats und portugiesische Texte aus eigener Feder. Das Kinder-Projekt ‚RingoTingo’ errang Preise und Chart-Platzierungen, er singt Jazz in der Koblenzer Big-Band, schreibt Mundart-Lieder für Kölner Bands, arbeitet für internationale Trance-DJs und moderiert seit 2004 das Koblenzer Horizonte-Festival. Gemeinsame Projekte gab es  mit Katja Ebstein, Purple Schulz, Götz Alsmann, dem ‚Fluch der Karibik’-Komponisten Klaus Badelt und den Weather Girls.

Der studierte Grafiker und ausgebildete Musiker und Maler gründete die Werbeagentur shapefruit AG und das Marienthaler Atelier. Sein Musik- und CD-Artwork zeichnet und entwirft er selbst. Für eine Kultur-Idee, die mit Volkswagen realisiert wurde, erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Heute singt er sich quer durch sein großes selbstgeschriebenes Repertoire, das von deutschen Songs über Mundart bis zu englischen oder portugiesischen Texten reicht. Hauptsache aussagekräftig, gehaltvoll und melodiös. Seine extrem Sting-ähnliche Stimme lässt die Performance sehr charismatisch klingen.

 

06.05.2018: MATTHIAS NINGEL

Auf der Bühne will der Ningel flügge werden

Mit Matthias Ningel war einer der begehrtesten Nachwuchs-Kabarettisten in Lantershofen

Kann man bei einem Musik-Kabarettisten, der binnen weniger Jahre bereits zehn hochwertige Kabarett- und Musikpreise abholen durfte, überhaupt noch von Nachwuchs reden? Die Antwort ist ein klares „Vielleicht.“ Jedenfalls bei Matthias Ningel. Der wurde gerade 30 Jahre alt, steht schon knapp die Hälfte seines jungen Lebens auf der Bühne und macht dies seit einigen Jahren professionell. Dafür schmiss der im kleinen Eifelort Hambuch geborene Nigel einen gar nicht so schlechten Job: an der Mainzer Musikhochschule unterrichtete er die Fächer Musiktheorie und Gehörbildung.

Für den Begriff „Nachwuchskünstler“ steht auf jeden Fall der Inhalt seines zweiten Soloprogramms. In „Jugenddämmerung“ berichtet Ningel vom Abschied von besagter Jugend, dem Rauskomplimentieren aus elterlicher Umgebung, der verpassten großen Liebe und all dem, was das Erwachsenwerden sonst noch mit sich bringt. Dabei lief Ningel jedes Mal zu großer Form auf, wenn er sich an den Flügel setzte. Und das tat er am Samstagabend auf der Kulturlant-Bühne in Lantershofen unentwegt. Der junge Mann mit Old-School-Handy, der nur die Eltern-App kennt und bei der eigenen Großmutter den „Enkeltrick“ versuchte, muss „endlich in die Pötte kommen“, wie er es ausdrückte. Aber wie soll das gehen, bei einem Menschen der „Generation Y-ohweiwei“? Diese Jugend ist doch gar nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen. „Ist jemand meines Alters hier“, fragte Ningel. Ja, einer. „Gratulation, Du hast tatsächlich eine Entscheidung getroffen, nämlich hierher zu kommen“, frohlockte der Lockenkopf auf der Bühne. Warum ist die „Generation Y“ so entscheidungsschwach? Klarer Fall für Ningel, die Fernsehserien der 1990er-Jahre sind schuld.

Da hatte er es sich noch leicht gemacht. Aber was haben die Gleichaltrigen aus seiner Umgebung vollbracht? Ningel nahm sie alle unter die Lupe und aufs Korn. Karl-Leonhard, den mit acht Jahren schon sadistisch ausgeprägten Spielplatz-Schurken. Oder Rolf, das Feindbild, wollte der doch der geliebten Ilona an die Wäsche und führt heute ein „Hyper-Hyper-Leben“, bei dem der Samstag der Qualitäts-Tag in Sachen Familienleben ist. Jedenfalls für eine halbe Stunde zwischen zwei Terminen. Und immer wieder Ilona, für die er zum 18. Geburtstag sogar ein Lied geschrieben, es aber nie vorgesungen hat. Stattdessen schenkte er ihr lieber einen Tankgutschein und bekam prompt die Quittung dafür. Den Song bekam immerhin das Lantershofener Publikum zu hören, und da hieß es zwangsgereimt: „Ilona – wär ich ein Drucker, wärst Du Toner.“ War er aber nicht und der Papierstau ließ grüßen. Der Song erfüllte nach Ningels Aussagen übrigens die Merkmale eines Schlagers, unter anderem wegen des „zwiefachen (Andy) Borg“ in der Melodie, die beim Schlagerfan unwillkürlich zu silbereisener Hühnerhaut führt. Ein kleiner Exkurs in Ningels alten Job.

Aber irgendwie schaffte es Matthias Ningel in seinem Programm nicht, der Jugend zu entfliehen, da trug er doch lieber immer mal wieder den zerfledderten beigefarbenen und viel zu großen Pullover, für den sich seine Freunde fremdschämen, der aber das junge Ningel‘sche Leben in all seinen Facetten miterlebte. Oder aber er setzte zur Hymne auf die Eifel an, ein Hohelied, mit dem er den meisten im Saal auf der Seele sang: „An jedem Haus ein Garten und in jedem Garten ein Trampolin.“ Da brauchte Ningel gar nicht erst lange nach dem Selbstverständnis der Besucher zu fragen: „Grafschafter Land-Ei oder urbaner Szenemensch?“ Der Ausmarsch in die große, weite Welt, bringt sowieso nichts, auch nicht für befristete Zeiten. So jedenfalls war in Ningels Zugabe zu hören, in der er über „Traurige Touristen“ sang.

 

Veranstaltungsankündigung

Nachdem Matthias Ningel mit seinem ersten Programm Omegamännchen über sieben (nämlich acht!) Kleinkunstpreise erntete und deutschlandweit konzertierte, scheint er seine künstlerische Reifeprüfung erfolgreich bestanden zu haben. Heißt das, er ist jetzt endlich erwachsen? Ist da ein Küken flügge geworden? Wohl kaum! Als junger Milder seiner Generation vermeidet er es weiterhin sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Mit Gesang, Klavierspiel und Wortbeiträgen widmet sich Matthias Ningel in seinem zweiten Programm Jugenddämmerung den Schwierigkeiten des  rwachsenwerdens. Humorvoll und nachdenklich seziert er spielerisch sich selbst, sowie die ominöse Generation Y, analysiert deren Eigenschaften, Ängste, Spleens und Sehnsüchte. Da entlarvt er eine Perspektivlosigkeit aufgrund zu vieler Möglichkeiten, entdeckt die Hintergründe multipler Medienabhängigkeit und vermutet eine tiefe Sehnsucht nach dem Klinkerhaus auf dem Land. Er schildert die Vorteile und Probleme von Fernbeziehungen und diagnostiziert den Artgenossen eine aus dem Gleichgewicht geratene Work-Life-Balance.

Der süße Vogel Jugend beabsichtigt das Nest zu verlassen. Wird ihm dieser Flugversuch auch gelingen? Ist er überhaupt windelfrei? Unter beherzten Flügelschlägen entstehen hinreißende Abgesänge auf die Zeit im Hotel Sorglos. Ein Musikkabarettprogramm für alle Generationen.

Auszeichnungen:
Deutscher Meister Kabarettbundesliga 2016 (Erster Platz)
Leedermokker Wettbewerb Mainz 2015 (Erster Platz)
Goldener Rottweiler 2014 (Publikumspreis)
Emmendinger Kleinkunstpreis 2014 (Jurypreis + Publikumspreis)
Troubadour 2014 (Jurypreis + Publikumspreis)
Nightwash Talent Award 2014 (Zweiter Platz)
Melsunger Kabarettwettbewerb 2014 (Nachwuchspreis)
Kabarett Kaktus 2014 (Erster Platz)
Online-Voting-Gewinner beim Jugend kulturell Förderpreis 2014 “Kabarett & Co”

Link: www.matthiasningel.de

Keine Informationen unter:
#comingofagekabarett, #qualitytime*

* Nicht jedem Hype muss man gerecht werden. Hashtags existieren in diesem Programm lediglich als musikalische Versetzungszeichen, denn (und das ist die gute Nachricht!) der Künstler ist am Klavier auch mit den schwarzen Tasten vertraut.

28.04.2018: EMMA6

Emma6 lockt Besucher aus ganz Deutschland nach Lantershofen

Kölner Band war erstmals in diesem Jahr live zu erleben

„Zugegeben, Lantershofen kannten wir bisher auch noch nicht.“ Emma6, recht erfolgreiche Band mit Wurzeln in Heinsberg bei Aachen und heute in Köln beheimatet, zeigte sich am vergangenen Samstag im Lantershofener Winzerverein recht erstaunt. Weniger von der Spielstätte in dem Grafschafter Ort, als vielmehr von der Tatsache, dass Fans aus der ganzen Republik dorthin gekommen waren, um die Band mal wieder live zu erleben. Weil Emma6 nach ihrer letztjährigen Deutschland-Tour derzeit nämlich nur im Studio arbeiten und es der erste öffentliche Auftritt in diesem Jahr war, schien dies für den ein oder anderen wohl ein „Muss.“ „Wir haben Tickets nach Stuttgart, Berlin, Frankfurt oder Dortmund verschickt“, war beim veranstaltenden Verein Kulturlant zu hören, der gerne noch mehr Musikfreunde aus der Region begrüßt hätte.

Emma6, die es im Jahr 2011 mit ihrem Song „Paradiso“ schon einmal auf Platz 60 der deutschen Singlecharts geschafft haben und deren aktuelles Album „Wir waren nie hier“ ebenfalls den Weg in die Hitparaden gefunden hatte, spielten natürlich die Songs aus ihrer aktuellen Veröffentlichung. Was den Zuhörern geboten wurde, war äußerst melodischer deutscher Pop. Kein Kitsch und kein Schlager, sondern Texte mit Hintergrund. Ein Beispiel hierfür bildet die aktuelle Single „Kapitulieren“, in einem Song über das „Alt-Sein“ heißt es dort „Du kannst hier drinnen bleiben und dich blenden.

Doch das, worauf du wartest, kommt ziemlich sicher nicht.“ Ein weiteres schönes Beispiel für die Visionskraft des Albums ist das Stück mit dem Titel: „Das Haus mit dem Basketballkorb“, das für viele eigene Assoziationen sorgt. Und in „10 Jahre“ reflektieren Emma6 ihre nun schon ein ganzes Jahrzehnt andauernde und recht erfolgreiche Musikkarriere. „Vor 10 Jahren hab ich mich gefragt wer bin ich in 10 Jahren? Habe ich ein Lied geschrieben, dass alle Leute lieben?“, fragt Sänger Peter Trevisan und macht klar: „Wenn man gar nichts vermisst ist alles gut. Das Leben ist so schön wie es wehtut.“ Trevisan gründete die Band einst mit seinem Bruder und Schlagzeuger Henrik. Dritter im Bund des Studiotrios ist Bassist Dominik Republik. In Lantershofen wurden die drei, deren Auftritt nah nur 75 Minuten endete, noch von Gitarrist ‎Florian Sczesny begleitet.

Auf das Konzert eingestimmt wurden die rund 150 Besucher vom heimischen Singer/Songwriter Silvan Dünker, der mit seiner Band ein halbes Dutzend eigener Stücke, unter anderem von seiner aktuellen CD „Ein bisschen weniger mehr“ präsentierte.

Veranstaltungsankündigung

„Wir waren nie hier“

Eine gute Band öffnet Dir Welten – ganz gleich ob exotisch fremde oder angenehm vertraute. EMMA6 gelingt es dabei, schon mit wenigen Worten, mit ausgesuchten Bildern so viel Welt sichtbar zu machen, als wäre ein Song eines dieser 180-Grad-Kinos, die es früher auf dem Jahrmarkt gab. 180-Grad-Kino?Was soll das denn für eine Referenz sein? Nun, man könnte auch schreiben, „Songs wie eine Virtual-Reality-Brille“, aber das trifft es nicht. EMMA6 besitzen einfach etwas zutiefst Analoges. Nullen & Einsen, Cyberphantasien spielen woanders. Ein schönes Beispiel für diese Visionskraft ihres dritten Albums ist das Stück mit dem Titel: „Das Haus mit dem Basketballkorb“. Die eigene Assoziationsmaschine rattert sofort los! Endlich mal wieder Pop, der sie kitzelt und nicht alles bereits hermetisch und eindimensional vorgibt. EMMA6 geben einem mit Songs wie diesem ganz viel zu verstehen. Der Rest steht hier: Die heute in Köln beheimatete Band begegnete sich schon in ihrer Jugend – und in ihrer ganz persönlichen Kleinstadt. Heinsberg, kaum größer als ein Dorf und fast übertrieben nah an der Grenze zu den Niederlanden. Wobei der Nukleus der Band sich sogar auf eine noch kleinere Einheit zurückführen lässt: Peter und Henrik Trevisan sind nicht nur Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger des Trios sondern auch Brüder. Bassist Dominik Republik teilte Schulwege mit den beiden – und vom Kicken kannte man sich ohnehin schon eine lange Zeit. Eine Jugend in den 90ern.

Die Texte verwischen das nicht, im Gegenteil. Sie suchen, sie forschen, sie graben. Warum ist man heute der, der man ist? Und welche Aussage trifft das eigentlich über das, was noch kommt? Wobei die Texte immer so gehalten sind, dass die eigenen Assoziationen weiter getriggert werden, die Fragen, die sich diese Band und diese Platte stellen, werden schnell zu den eigenen – vermutlich weil sie es schon immer waren. So hängt man schnell mit Haut und Haaren in diesem Album. Wie wichtig diese Platte der Band selbst ist, spürt man dabei in jedem Moment. Die erste nach dem Abenteuer, bei einer Major-Plattenfirma unter Vertrag gewesen zu sein. Die erste nach einer Zeit, in der es um Charts, Budgets und Marktförmigkeit ging. Die erste … eigene. „Wir waren nie hier“ fühlt und hört sich an wie Befreiung. EMMA6 steht dafür, lieber mal laut zu hupen, statt beflissen das eigene Profil unsichtbar zu schleifen. Man muss nicht EMMA6 oder gar Musik studiert haben, um zu merken, wie gut dem Sound die Absenz einer alles gleichmachenden Majorproduktion tut. Und wie gut aber auch für die Texte die damit einhergehende Unsicherheit ist. Jetzt gehört man sich also wieder selbst, und was fängt man damit an?

Link: www.emma6.de

14.04.2018: ANKA ZINK

Keiner will da sein wo er gerade ist

Anka Zinks Kabarett mit Feinschliff begeisterte mehr als 200 Gäste in Lantershofen

Buchstäblich mit auf die Reise nahm die Bonner Kabarettistin und „Springmaus“-Mitgründerin Anka Zink am vergangenen Samstag mehr als 200 Besucher der Kulturlant-Bühne im Grafschafter Kulturzentrum Winzerverein Lantershofen. Doppeldeutig war der Name ihres aktuellen Programms: „Leben in vollen Zügen.“ Ob sie das Leben tatsächlich derartig genießt, wurde dabei nicht so ganz klar, wohl aber die Tücken ihrer vielen dienstlichen und privaten Reisen, von denen auch letztere manches Mal gar nicht gewollt waren. Nur konnte sie sich nicht entscheiden, an entscheidender Stelle „nein“ zu sagen. Aber von vorne: Zink machte zunächst einmal ihre Definition von Kabarett und Comedy deutlich und erklärte: „Ich mache Comedy mit Relevanz. Ich sage zum Beispiel nichts über Donald Trump. Dazu fällt mir sowieso nichts mehr ein.“

Anka Zink hatte sich vielmehr aufs Reisen versteift und fragte das Publikum, warum heute keiner mehr da sein will, wo er gerade ist. Macht Reisen Spaß, auch in jedem Alter? Oder heißt es irgendwann mal: „Mobilität dank Mobilat“ oder alternativ „vom Roller zum Rollator“? Schon der Start ist problematisch, zumindest wenn er an einem Freitag stattfindet. „Da gibt es um 15 Uhr auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen 170 Kilometer Stau. Andere Bundesländer haben gar nicht so viele Autobahnen.“ Und wer steht dort: SUV’s, also Geländewagen, die nicht ins Gelände dürfen, aber mit Dreckfolien beklebt werden, damit es so aussieht, als wären sie im Gelände gewesen. „Gehen sie nachts mal durchs Villenviertel, da hören sie hinter den Garagentoren die SUV’s weinen“, verriet Zink. Und auch das: „Die Staus werden von Warnbaken produziert, hinter denen es keine Baustellen gibt. Es ist nur billiger, die Baken auf der Autobahn lagern, als in großen Hallen.“

Schnell wechselte sie das Thema, vom Straßen- zum  Flugverkehr. Da findet vieles in englischer Sprache statt. „Du musst aber nur zwei Wörter kennen: „delayed“ und „cancelled“, also „kommt später“ oder „kommt gar nicht.“ Und das Wort „Berlin“ in Zusammenhang mit Flugverkehr geht gar nicht: „Air Berlin fliegt nicht und am Flughafen Berlin fliegt nichts.“ Dafür aber werde der Fluggast von Anfang bis Ende wir ein Terrorist behandelt. „Das beginnt schon am Fummel-Check“, so Zinks Definition der Sicherheitskontrolle.

Im Verlauf des mehr als zweistündigen Programms hatte Anka Zink noch jede Menge Reiseerlebnisse parat, sei es der all-inclusive-Urlaub mit der Schwester oder der ungewollte Besuch des Neffen in Ecuador am Äquator, anstelle der Schwester. Ein Fazit von beidem: „Nichts ist einfacher, als sich im Ausland daneben zu benehmen.“ Dabei redete die Kabarettistin ununterbrochen, manchmal ohne Punkt und Komma, aber immer mit einem gewissen Feinschliff, wobei sie beinahe in jedem Satz einen Lacher produzierte, oftmals mit ihren unerwarteten Nebensätzen. Das Publikum in Lantershofen zeigte sich begeistert und zollte der Bonnerin einen donnernden Applaus.

Veranstaltungsankündigung

Eine kabarettistische Reise von und mit Anka Zink

Niemand will da sein, wo er gerade ist. Darum ist fast jeder gedanklich die meiste Zeit des Tages ziemlich weit weg. Das nennt man: Fernweh!

Der moderne Mensch holt den Rollkoffer vom Schrank, schnürt den Funktionsrucksack oder aktiviert die Strandschläppchen, um endlich losziehen zu können in Richtung Freiheit und Glück!

„Leben in vollen Zügen“: Auf ihre ureigene, unverwechselbare Weise befasst sich Anka Zink mit der Sehnsucht, der Routine zu entfliehen – und der Erleichterung, sie endlich wieder zu haben.

Denn die Probleme des Reisens sind so alt wie die Menschheit: Schon bei Maria und Josef waren die Herbergen überbucht, ein singendes Sirenengrüppchen versuchte mit allen Mitteln, Odysseus von seinem All-inclusive-Roundtrip abzubringen und bereits auf der Arche Noah musste man sich mit vielen kleinen bissigen Tieren arrangieren.

Als Kabarettistin permanent „on Tour“, ist Anka Zink Fachfrau für Staumanagement, Streitschlichtung mit dem Navi, Turbulenzen im Flugverkehr und für diese wunderbare Vertrautheit von Pay TV und Minibar – ob in schwäbischen Pensionszimmern oder in der neuen Ferienanlage von Papua Neuguinea.

Das intimste und persönlichste Programm von Anka Zink lädt ein zum Träumen, zum Lachen und zur Reise in das Innere des Universums.

„Wenn Du im Urlaub jemand kennenlernen willst, musst Du mit jemandem verreisen, der so ähnlich aussieht wie du, nur etwas schlechter.“

Haben Sie schon gebucht?

Link: www.ankazink.de

15.03.2018: HG BUTZKO

Goldmedaille in der Disziplin Zurückrudern

HG Butzko gab sich in Lantershofen als tagesaktueller politischer Kabarettist

Eine gesunde Mischung aus politischem Kabarett und Satire gab es am vergangenen Freitagabend für rund 130 Gäste im Lantershofener Winzerverein auf die Ohren. Dort präsentierte der Grafschafter Verein Kulturlant den 2014 mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichneten HG Butzko. Knapp zwei Stunden lang setzte der gebürtige Gelsenkirchener, der heute in  Berlin lebt, zu einem Rundumschlag an, bei dem er seinen besonderen Fokus auf die Religionen legte und dabei explizit zu erläutern wusste, warum er sich nicht auf den Islam einschieße. Der bilde doch mit sechs Prozent in Deutschland nur eine Minderheit, die er nicht diskriminieren wolle. Minderheiten habe er als Kabarettist doch mit den Spitzenverdienern zu genüge „gewürdigt.“

Wer Butzko kennt, weiß, dass sein Programm immer tagesaktuell ist. Da war das Ende der überlangen Regierungsbildung vergangene Woche natürlich ein gefundenes Fressen. Abgeordneter im Reichstag wolle er übrigens nicht sein, steht doch dieses Wort nur am Ende der negativen Kette abgewiesen – abgelegt – abgeheftet – abgeordnet. Dass die aktuellen Parteien zudem mächtig Existenzangst wegen der AfD haben, gebe am Wahltag dem Begriff Urnengang eine ganz neue Bedeutung. Die SPD aber bezeichnete Butzko als „modern.“ Man müsse das Wort nur richtig betonen.

Zurück zu Butzkos Auseinandersetzung mit den Religionen und besonders dem Islam. Da zieht man doch gerne auch mal Vergleiche, die andere nicht so gerne hören. So gebe es doch auch unter Islamisten Homophobie, Sexismus und Antisemitismus. „Integration des Islam in Deutschland kann also gelingen“, so die markante Schlussfolgerung des Kabarettisten. Der forderte mit Blick auf die AfD und ihre Anhänger, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollte man bei selbst anfangen. Geht aber nicht, denn: „Wer mental den rechten Arm ausstreckt, kann sich nun mal nicht an die eigene Nase packen.“ Dass die rechtspopulistischen Aussagen zumeist jeglicher Grundlage entbehren und oft genug wiederlegt worden seien, habe vor allem eine Reaktion nach sich gezogen: „Wäre Zurückrudern olympische Disziplin, die AfD hätte mehrere Goldmedaillen“, so Butzko, nachdem er ein Zitat von Björn Höcke fachgerecht zerlegt hatte, um dann selbstkritisch festzustellen: „Wer mehr Bildung will, muss halt auch Klugscheißer ertragen.“

Da nahm Butzko dann doch lieber die Verteidigerrolle für die islamistische Minderheit hierzulande an und machte dem Populismus gegenüber klar: „Wer will, dass der Islam keine Sonderrechte bekommt, sollte erst einmal dem Christentum die Sonderrechte nehmen. Oder versuchen Sie doch mal als Geschiedener eine Anstellung in einem christlichen Krankenhaus zu erhalten.“ Butzko fand für seine Aussagen Zustimmung und Applaus, er sorgte auch für manchen Lacher, nicht nur beim Zitat der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen, die die Wiedereinführung der Todesstrafe für islamistische Terroristen forderte. „Für Selbstmordattentäter?“, hinterfragte Butzko.

Als der Kabarettist dann die obligatorische Kappe mit der wilden Perücke tauschte und in die Person der „Chris Di Motten“ schlüpfte, gab es fürs Publikum noch ein paar flotte und entspannende Sprüche zum Abschluss des Abends. Besagter Christ kam ja aus Geilenkirchen. Übersetzt: da wo die Gotteshäuser „gerammelt voll“  sind. Zeit für Kalauer. Am Ende blieb für Chris nur die die Frage offen, ob eine Hautcreme, die 20 Jahre jünger macht, für eine 19-jährige tödliche Folgen hat.

Veranstaltungsankündigung

– Veranstaltung im Rahmen der 3. Ahrweiler Freiheitswochen –

Als Captain Kirk und Mr. Spock mal einen entfernten Himmelskörper besuchten, kamen sie anschließend zu dem Fazit: „Es gibt keine menschliche Intelligenz auf diesem Planeten.“ Das funkten sie zur Erde. Einem Planeten, auf dem vor tausenden von Jahren ein paar Leute Stimmen hörten, über die anschließend Bücher geschrieben wurden, worin zu lesen war, dass man so leben muss, wie in diesen Büchern geschrieben steht, oder man kommt in die Hölle. Das Erstaunliche ist nicht, dass diese Bücher Weltbestseller wurden. Das Erstaunliche ist, dass bis heute Milliarden von Menschen ihr Leben nach diesen Büchern ausgerichtet haben. Die einen wollen dabei einen säkularen, die anderen einen Gottesstaat, die einen mit friedlichen Mitteln, die anderen mit AstroTV.

Aber ob Dschihadisten im Nahen Osten, oder Evangelikale im Wilden Westen, selbst CDU/CSU berufen sich in ihrem Namen auf einen Religionsstifter, und auch wenn sie sich in der Wahl ihrer Methoden unterscheiden, so haben sie alle etwas gemeinsam: Sie vermischen in übergriffiger und unzumutbarer Weise Religion und Politik. Wobei unterschieden werden muss zwischen Religionen und Religiosität. Religiosität ermöglicht dem Einzelnen eine Beziehung zum Ganzen. Religionen sind Kartelle zur Durchsetzung von Machtinteressen. Deswegen brauchen Religionen unbedingt religiöse Menschen, um ihnen Gottesfurcht einzuflößen. Während religiöse Menschen nicht unbedingt Religionen brauchen, um den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.

Höchste Zeit also für einen gläubigen Atheisten. Und wer wäre da nicht besser geeignet, als HG. Butzko, Dauergast in allen Kabarettsendungen des deutschen Fernsehens und Träger des deutschen Kleinkunstpreises. Stets tagesaktuell kommt sein satirisch-politisches Kabarett ohne Gebetsmühlen und Moralpredigt aus. Er jongliert nicht mit Keulen, sondern mit Gedanken, und wenn er singt, dann ist es das Hohelied der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Butzkos Argumente sind nicht immer bequem, aber dafür logisch statt ideologisch. Und manchen spricht er dabei ins Gewissen, vielen aus der Seele, doch vor allem immer Klartext. Im Namen des Geistes, des Herzens, und der heiligen Lust am Leben. Da weiß man, was man hat. Amen!

Links: www.hgbutzko.de

02.03.2018: SARAH LESCH

Von Opas, der Freundin und einem Kapitän

Die Liedermacherin Sarah Lesch startete ihre Deutschlandtournee in Lantershofen

„Und dann dachte ich mir, da muss ich ein Lied drüber machen.“ Das war nicht nur einmal für mehr als 200 Gäste, die am vergangenen Freitag den Tourneeauftakt der Leipziger Liedermacherin Sarah Lesch in Lantershofen erlebten, zu hören. Sarah Lesch erzählt in ihren Liedern aus ihrem Leben. Lieder, die von der Liebe handeln, von Kindern, aber auch Protestsongs und Stücke mit viel Sarkasmus waren dabei. Begleitet vom Berliner Liedermacher Lukas Meister, bot die 32-jährige dem Publikum, dass teilweise aus großer Entfernung angereist war, einen Rundumschlag ihren musikalischen Schaffens, bei dem Alben mit Namen, wie „Rummelplatzmusik“ oder „Lieder aus der schmutzigen Küche“ entstanden sind. Im Mittelpunkt des fast dreistündigen Konzerts aber standen Songs aus ihrem neuen Album „Da draußen“, mit dem sie mittlerweile ein großes Publikum erreicht. Den Titelsong, der über den alltäglichen Krieg auf den Straßen erzählt, gab es ganz zum Schluss des Konzerts zu hören, sozusagen als Höhepunkt. Hunderttausende haben den Titel bereits auf den Videoplattformen im Internet angeklickt.

Lesch, die das stinknormale Leben im Job als Erzieherin irgendwann Leid hatte, nutzte den Abend nicht nur für ihre Musik. Sie hatte zwischen den einzelnen Stücken viel zu erzählen, von sich und ihrer Familie. Poesie mit zumindest einem Gedicht gab es obendrauf. Das meiste aber erzählte Lesch in ihren Liedern, bezeichnete sie sich selbst doch als „Schisser, die Lieder schreibt, als wäre sie total mutig.“ Und darin begibt sie sich auf Touren, sucht in „Reise, Reise, Räuberleiter“ das Weite, sucht aber auch in ihrer privaten Nähe den eigenen „Leablingsbeatle.“ In ihrem „Testament“ aus dem Album „Von Musen und Matrosen“ protestiert Lesch gegen den Umgang mit Kindererziehung hin zum Einheitsbrei: „Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben, achtet auch Schönschrift und Lehrpläne und dass sie die Bleistifte spitzen. Die Götter lachen sich schief.“

Immer wieder zu hören ist Leschs Freiheitsdrang, dargestellt durch Musik, die mit eben dieser und dem weiten Meer verbindet. „Einer ist immer der Matrose“ erzählt eine solche Geschichte, vielleicht auch „Der Tag an dem die Flut kam“, aber ganz bestimmt „Der Kapitän.“ Hier vertonte sie die wahre Geschichte des Kapitäns, der für seine Flüchtlingsrettung ausgezeichnet und zugleich angeklagt wurde. „Schlimm, dass der Text auch heute noch brandaktuell ist“, bemerkte die Liedermacherin und sang Lieder für ihren trotz negativer Einstellung geliebten Opa oder die beruflich so erfolgreiche Freundin Anna, die doch viel lieber so bodenständig sein will, wie Sarah. Und umgekehrt.

Ehe die zierliche Sarah Lesch zu hören war, gehörte die Bühne Lukas Meister, der in fast schon kabarettistischer Art und Weise mit „Geballte Weisheit“ über die verbale Überlegenheit der Frau sang. Meister hatte den berühmten „Schalk im Nacken“, nicht nur bei seinem Lied über die Verlassenen, denen das oft genug als „gar nicht so schlimm“ vorkommt. Nur die Frage, was denn Leichtigkeit ist, ließ Meister musikalisch offen.

Kulturlant betrat mit dem Konzert ein wenig Neuland, eine Liedermacherin, wie Sarah Lesch, war auf der Lantershofener Bühne noch nicht zu hören. Das spiegelte sich auch im Publikum nieder, rund 80 Prozent der Besucher waren zuvor noch nie im Winzerverein gewesen.

Veranstaltungsankündigung

Sarah Lesch (*1986) lebt und arbeitet heute, nach vielen Jahren in Baden-Württemberg, in Leipzig. Sie schrieb Musik für Kindertheaterstücke und zählt seit Jahren zu den umtriebigsten und produktivsten Liedermachern, mit mittlerweile zwei Alben und unzähligen Konzerten in der Vita. Sarah Lesch ist Preisträgerin des Troubadour Chansonpreises , des FM4 Protestsongcontests , des Preises der HannsSeidelStiftung (Songs an einem Sommerabend) sowie des Udo Lindenberg Panikpreises 2016. Der Grundton der Songs ist in der Mehrzahl zwar lässig bis sonnig, doch bei genauerem Hinhören entdeckt man nicht selten einen hemdsärmeligen Sarkasmus. Keine Frage: Sarah Lesch ist eine Liedermacherin, die verbal hinlangen kann: Ihre Lieder handeln von Liebe, Leichtigkeit und Friedensfrikadellen, aber auch von Heuchelei, Ausbeutung und Ignoranz. Das aktuelle Album, “Von Musen & Matrosen” ist auf Reisen entstanden, geschrieben in ein schwarzes Notizbuch, in Tour Pausen am Strand, auf Dachterrassen über wechselnden Städten, hinter großen und kleinen Bühnen, an fremden Küchentischen. Gemacht aus Notizen, Inspirationsfetzen und Begegnungen, aufgenommen in Hotelzimmern, Kellerstudios und Künstlerateliers, bedient sich die Platte in bester Liedermachermanier bei diesem und jenem Genre, ohne sich dabei auf eines festzulegen. Rotzig und intim, klug und weltfremd zugleich, tanzt und springt sie zwischen den Welten.

Sarah Lesch fängt die Flüchtigkeit des Moments ein und lässt sie im nächsten Atemzug wieder ziehen. Ein Album, das gemeinsam mit der Künstlerin gewachsen ist, ungekünstelt und echt, und voller Liebe und Handwerk.

“Eine Geschichte, die sanft berührt und einem nicht mehr aus dem Kopf geht.”
Konstantin Weckers Webmagazin Hinter den Schlagzeilen

“Sarah Leschs Vortrag mit Gitarre atmet den Geist eines Hannes Wader …voller Aufbruchstimmung und Kraft.”
Thomas Lochte, Münchner Merkur

“Eine Mischung aus Reinhard Mey und auf der anderen Seite erinnert sie mich an Franz Josef Degenhardt.”
Peter Paul Skrepek / FM4 Protestsongkontest Wien

“Sehr persönliche Texte mit literarischer Qualität.”
Thomas Lochte / Nachtkritik Kulturhaus Bosco

Link: www.sarahlesch.de


Sarah Lesch Support: Lukas Meister

24.02.2018: BARBARA RUSCHER

Harte Männer wollen Duftkerzen aufstellen

Kabarettistin Barbara Ruscher schenkte in Lantershofen ganz schön aus

Bissiger Humor, viel Ironie und eine gute Prise Sarkasmus, all das vereint Kabarettistin Barbara Ruscher in ihrem Programm „Ekstase ist nur eine Phase“, mit dem sich am vergangenen Samstag auf der Kulturlant-Bühne in Lantershofen knapp 200 Besucher unterhielt. Zumeist am Flügel sitzend, erklärte die in Köln lebende, geborene Rheinbacherin dem Publikum ihre Welt und ihre Sicht auf die Dinge. Ruscher spielte kein starres Programm herunter, sondern fand immer wieder den Weg in die Aktualität. Dass Deutschland bei den aktuellen Olympischen Spielen so viele Medaillen im Rodeln gewann, erklärte sie beispielswese damit, dass es hierzulande kein Tempolimit gebe.

Aber zurück zur Ekstase, die laut Ruscher ja in so vielen Lebensbereichen möglich ist. Ein Beispiel: Ekstase beim Mann, wenn der im Discounter eine Bohrmaschine für 9,99 Euro kaufen kann. Und noch eine, wenn diese auch nach zwei Wochen noch funktioniert. Es gibt auch lokale Unterschiede. In Hannover gerät man laut Ruscher in Ekstase, wenn man sich schon vor der Hochzeit duzt. Da will man dann auch gerne in andere Rollen schlüpfen, und so sang die Kabarettisten über harte Männer, die eigentlich alle nur Duftkerzen aufstellen wollen. Und über Frauen, die endlich mal ein Loch in die Wand bohren möchten, wobei der Mann den Staubsauger darunter zu halten hat.

Barbara Ruscher zeigte sich sprunghaft, minütlich wechselten die Themen. Von der Forderung, dass Mücken endlich aussterben sollten, ging in ihre ganz private Welt, nach Köln-Sülz, dem wohl kinderreichsten Stadtteil der Stadt, wo die Kaninchen auf der Wiese angesichts des menschlichen Verhaltens Komplexe bekommen. Und Ruscher mittendrin, ein krähender Hahn in Nachbars Garten zur einen und 50 Bienenhotels im Grün zur anderen Seite, wo der Nachbar ganz alleine die Welt retten will. „Da muss man ja bekloppt werden“, so ihr Fazit, als sie sich selbst beim Song über Veganer begleitete und mit Möhren auf einem Kürbis trommelte.

Und dann Freundin Lucy, der Gegensatz zum Veganer. „Die isst nur Fleisch aus Massentierhaltung, weil sie es voll fies findet, glückliche Tiere zu schlachten.“ Sie assoziiert dabei wie folgt: Bratengeruch ist gleich „Sonntag“ ist gleich „Eis zum Nachtisch“ und „Daktari.“ Nur die jüngeren im Publikum konnten damit nichts anfangen. Überhaupt hielt sich das Publikum bei den vielen Fragen von Barbara Ruscher zurück. „Wer möchte noch Kinder haben? Und wer möchte das nicht mit dem Partner, mit dem er heute hier ist?“ Niemand zeigte auf.

Ernährungskonzepte waren eines ihrer großen Themen: „Der Pavian ernährt sich überwiegend vegan – dann guckt mal, wie sein Hintern aussieht.“ Und immer wieder Köln-Sülz, wo die frühgeförderten Digital Natives natürlich bilingual aufwachsen. Sogar der Analphabet. „Der kann in zwei Sprachen nicht lesen.“ Manchmal blieb dem Publikum schon das Lachen im Halse stecken. Da gab es dann gleich noch eine Ansage hintendrauf: „Das hier ist Kabarett und nicht der Quatsch Comedy Club.“ Nach zwei Stunden endete Barbara Ruscher mit ihrer ganz persönlichen Hymne auf Multifunktions-Küchengeräte: „Ich mach aus Früchten Matsche, ich hab einen an der Klatsche.“

Veranstaltungsankündigung

Mit ihrem neuen Programm erobert die scharfsinnige Kabarett-Lady Barbara Ruscher charmant und intelligent nun auch die letzten Tabus unserer Zeit: sowohl die FIFA mit dem Großprojekt WM 2022 in Katar („Beckenbauer hat keine Sklaven gesehen, die Inklusion ist gelungen! Sehbehinderte Funktionäre sind voll integriert!“) als auch das globale Erotik-Phänomen „Fifty Shades of Grey“ („S-M ist normal geworden, selbst der Papst sagt, leichte Schläge sind erlaubt“). Der nahtlose Wechsel vom Politischen ins Erotische gelingt ihr ebenso charmant wie die Kunst, die Welt nicht moralinsauer, aber wunderbar ätzend zu spiegeln. Wer sie nicht gesehen hat, hat wirklich etwas verpasst!

Ekstase findet Ruscher in allen Bereichen: im modernen Verhältnis der Geschlechter, aber auch bei Massentierhaltung, beim Datenklau im Punktesammeln, bei der Billigproduktion und der Wahl von Ernährungskonzepten („Der Pavian ernährt sich überwiegend vegan – dann guckt mal, wie sein Hintern aussieht“) – all das wird von ihr souverän als Stand-up und am Klavier, getextet und gedichtet, lakonisch und bissig präsentiert.

Barbara Ruscher ist bekannt aus Sendungen wie „Satiregipfel“ (ARD), „Ladies Night“ (WDR/ARD), „Spätschicht“ (SWR), „Puffpaffs Happy Hour“ (3Sat), „Mitternachtsspitzen“ (WDR), „NightWash“ (EinsFestival), „Markus Lanz“ (ZDF) etc. und Finalistin bei zahlreichen Kabarett- und Comedypreisen sowie als bisher einzige Frau (Solistin) Preisträgerin der Kabarett-Bundesliga (2012).

Auch als Autorin äußerst erfolgreich liest sie auf der Bühne aus ihrem Bestseller „Fuck the Möhrchen – Ein Baby packt aus“, in dem ein manisch frühgefördertes Baby namens Mia die Absurdität der Erwachsenenwelt furztrocken auf die Schippe nimmt („Mama beschwert sich, dass Papa nur noch mit Bier vor der Glotze sitzt und sie nicht mehr attraktiv fände. Papa sagt, dass er ihre Attraktivität manchmal einfach nicht aushalten könne, und sich dann mit Glotze und Bier ablenken müsse.“)

Links: www.barbara-ruscher.de / Facebook

 

06.01.2018: JAZZ OHNE STRESS VOL. 14

Ein stressfreies Quartett aus zwei Trios

Bei „Jazz ohne Stress“ taten sich „Trey“ und „Tricycle“ zusammen

„Jazz ohne Stress“ heißt es zum Jahresauftakt auf der Grafschaft, und das nunmehr zum 14. Mal. Der Essener Saxophonist Jonas Röser, aufgewachsen in Lantershofen, nutzt die Bühne bei Kulturlant alljährlich, um musikalische Experimente und Projekte zu präsentieren. Das ist bei den Freunden des experimentellen Jazz längst zu einer lieb gewonnenen Tradition geworden. Der Name ist dabei Programm, Entspannung pur stand auf der Agenda des Abends. Für Röser geht es eigentlich zumeist darum, im Laufe des Konzerts weitere Musiker in sein Trio „Tricycle“ einzubinden, zu dem auch Schlagzeuger Dominic Brosowski und Bassist Caspar van Meel gehören. Die ungewöhnliche Besetzung lässt viele Spielarten zu. In diesem Jahr stand neben den dreien von Beginn an Bastian Ruppert auf der Bühne. Auch der Kölner Gitarrist bedient sich in seiner dreiköpfigen Formation „Trey“ der musikalischen Unterstützung von Brosowski und van Meel. Erstmals wurden nun die beiden Trios zur einem Quartett vereint, „Tricycle“ mit Gitarre verstärkt oder aber „Trey“ mit Saxophon. Die „gewollte Fusion zweier Lager“, wie es Jonas Röser betitelte, war eine Premiere, bei der die vier sich in erster Linie Musik aus der Feder van Meels bedienten. „Er hat so viele tolle Stücke geschrieben, die wollten wir alle dabei haben“ begründete Jonas Röser die Auswahl der musikalischen Vorträge. Da waren sanfte Balladen, wie „For Erik“ oder die „Ballade pur toi“ zu hören, da wurde es auch aufbrausend und flott. Gitarre und Saxophon ergänzten sich hervorragend und sorgten auch bei den Bands für ein ganz neues, knapp einstündiges Musikerlebnis. Mit „Gesucht gefunden“ hatte Bastian Ruppert, der in der deutschen Musikszene ein viel gefragter Gitarrist ist und der auch schon mit Lena Meyer-Landrut spielte, ein eigenes Stück für die Fusion der beiden Trios verfasst.

Im zweiten Teil des Abends kam dann Sängerin Hannah Köpf dazu. Nun standen Stücke auf dem Programm, die zu großen Teilen aus ihrer Feder stammten. Da passte es hervorragend, dass Gitarrist Bastian Ruppert auch Mitglied der Band Köpfs ist. Beim Stück „Bridges“ gehörte die Bühne den beiden alleine. Meist jedoch trat nun eine fünfköpfige Formation vors Publikum. In ihren ehrlichen und direkten Liedern erzählte die Songwriterin zumeist in englischer Sprache über Menschen. Menschen, die alles haben, aber in den sozialen Medien zu großen Nörglern werden. Menschen, die Frühlingsgefühle entwickeln oder die einfach ihre Träume leben. Oder über Menschen, die verliebt sind. Verliebt ihr ihr Smartphone. Da war hin und wieder ein gutes Stück Ironie in den Texten versteckt, die aus den drei bislang von Hannah Köpf produzierten Alben entstanden. Nur einmal griff die Kölnerin nicht auf ihre eigenen Texte zurück, nämlich bei der jazzigen Interpretation von Paul Simons „Diamonds“ aus dem  genialen Simon & Garfunkel-Album „Graceland.“ Da war sogar das Publikum gefragt, mitzusingen.

Röser nutze die Gelegenheit, dem Publikum zu erklären, wie ein solcher Abend zustande kommt: „Bei uns gibt es für Jazz ohne Stress keine Castings, wir versuchen einfach nur, passende Künstler zu finden und musikalisch zusammen zu bringen.“ Der Saxofonist macht sich derweil bereits Gedanken über die musikalische Mischung bei der 15. Auflage von Jazz ohne Stress, mit der der Verein Kulturlant dann das Jahr 2019 in Lantershofen musikalisch beginnen möchte.

Veranstaltungsankündigung

Die gewollte Fusion kreativer Lager

Zum mittlerweile 14. Mal konnte Saxophonist Jonas Röser kreative Köpfe für die Konzertreihe gewinnen. Verschiedene Künstler treffen mit ihren individuellen Ideen und Historien für einen abwechslungsreichen Konzertparcours aufeinander. Dabei eröffnen zwei Triobesetzungen den Konzertabend in gemeinsamer Sache. Zwei Besetzungen, die jeweils von den Qualitäten gemeinsamer Musiker profitieren. Neben Dominic Brosowski (Schlagzeug) und Caspar van Meel (Kontrabass), die ihren kreativen Input sowohl für „Tricycle“ als auch für „Trey“ geben und als kongeniale Rhythmusgruppe in beiden Bestzungen nicht wegzudenken sind, planen Jonas Röser (Saxophon) und sein Gegenüber Bastian Ruppert (Gitarre) ein gemeinsames Konzertprogramm in Quartettformat.

Der Kölner Musiker Bastian Ruppert tourte 2011 mit Lena Meyer-Landrut. Neben seiner Tätigkeit als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig bis einschließlich 2015 ist er vor allem in verschiedenen Theater- und Musicalproduktionen anzutreffen. Ebenso ist er Sideman der Hannah Köpf Band. Über ihre Bandkollegen sind sich die beiden Musiker zufällig über den Weg gelaufen und nun bietet sich ein konkretes Ziel: die gewollte Fusion, beide kreative Lager zusammenzubringen. Gemessen an musikalischer Vielfalt, eigenen Kompositionen und geteilter Freude an improvisierter Musik, gilt alle Aufmerksamkeit insbesondere dem gemeinsamen Dialog auf der Bühne.

Neben dem vielseitigen musikalischem Auftakt für Jazz ohne Stress Vol.14 wird Hannah köpf mit ihrer Stimme als weiterer musikalischer Act die Bühne betreten. Sie ließ sich gemeinsam mit ihrem Bandkollegen Bastian für die Konzertidee begeistern. Derzeit ist sie überwiegend mit ihrem Projekt Hannah Köpf Band  unterwegs.  Die Stimme ist bereits seit Jugendtagen ihr liebstes Instrument. Über verschiedene Stationen tastete sich die Kölnerin an ihre eigene Sprache, ihre individuelle Stimmgebung heran. Mit ihrem Erstling „Stories Untold“ in der CD-Reihe Next Generation überraschte sie 2010 die Fachwelt. Mit der Platte „Lonely Dancer“ mündet Hannah  in eine raffinierte Songwriting-Sprache. Elemente des Jazz als Merkmal ihrer überfließenden Kreativität gepaart mit Tupfern aus verschiedenen Untergenres der Popmusik. Es ist aber vor allem auch diese Stimme, die Hannah Köpf unverwechselbar macht: Klar, unprätentiös und unverbildet, ehrlich und direkt. Eine Stimme, in die man sich verlieben muss.

Links: www.jonasroeser.de | www.hannahkoepf.com | www.bastianruppert.de | www.casparvanmeel.com | www.facebook.com/dominic.brosowski

 

13.12.2017: GUILDO HORN & DIE ORTHOPÄDISCHEN STRÜMPFE

Die Weihnachtsshow des Guildo Horn begeisterte bei Kulturlant

Wenn der „Meister“ zum Engel wird 

Das Weihnachtsfest kann kommen, zumindest für mehr als 300 Fans von Party-König Guildo Horn, denen der „Meister“ am Mittwochabend im Lantershofener Winzerverein höchst weihnachtliche Gefühle zukommen ließ. „Guildo“ war mit seiner Band, den „Orthopädischen Strümpfen“, die er liebevoll als „meine Combo“ vorstellte, erstmals mit einem seiner als legendär eingestuften Weihnachtskonzerte bei Kulturlant zu Gast. Zwei Stunden lang begeisterte der Trierer das Publikum mit einer tollen Show nicht nur akustisch, sondern auch optisch. Beim Blick auf die Bühne wurde es nie langweilig. Da saß ein Messdiener am Schlagzeug, der sich später in einen Kardinal verwandelte. Da präsentierte sich „Guildo“ plötzlich oberkörperfrei und mit Engelsflügeln, da schwebte ein Esel über die Bühne und ein Tannenbaum spazierte umher, bis er schließlich gefällt wurde.

Im Mittelpunkt aber stand die Musik. Und die ging so: man nehme einen Ohrwurm, vornehmlich aus den 1970er oder 1980er Jahren und verwandle den Text in ein Weihnachtslied. Für den Ton sorgten die vier Profis an den Instrumenten, für den Text Guildo Horn. Da wurde aus „Y.M.C.A.“ plötzlich „Es weihnachtet sehr“ und aus dem Earth, Wind & Fire-Hit „September“ ganz einfach der „Dezember.“ Aus dem Showaddywaddy-Klassiker „Under the moon of love“ wurde folglich „Unter dem Weihnachtsstern.“ Der Winzerverein wurde so von der ersten Minute an zur riesigen Partyfläche, das Volke johlte, klatschte und versuchte mitzusingen, wo es nur möglich war. Und die „Strümpfe“ hauten einen alten Hit nach dem anderen heraus, ließen die Discowelle der 1970er mit „Ma Baker“ oder „Celebration“ hochleben, erinnerten an Pink Floyds „Another Brick in the wall“ oder ans erste professionelle Musikvideo und die Geburtsstunde des Senders M-TV, als One-Hit-Wonder „The Buggles“ sangen: „Video killed the radio star.“ Bei Guildo Horn hieß das dann „Ich freu mich, weil das Christkind ist da.“ Oder so ähnlich. War auch egal, Hauptsache feiern. Aber der Meister konnte auch Balladen, machte aus Abba“s „Chiquitita“ das Lied vom „Dicken Dieter“ und aus dem Elvis-Song „In the Ghetto“ wurde ganz einfach „In der Krippe“, auf die sich der Esel alljährlich freut, weil er den Rest des Jahres im Pappkarton leben muss. Da muss man auch erstmal drauf kommen.

Kulturlant hatte für das Konzert nicht nur die Fangemeinde des „Meisters“ aus dem Ahrkreis bewegen können, die Gäste kamen aus einem weiten Umfeld, um die bunte und musikalisch einwandfreie Show der Band zu sehen. Hinter der hingen an den Bühnenseiten überdimensionale Sterne. Derweil servierten die Gastgeber die berühmten Nussecken. Nach gut eineinhalb Stunden setzte Horn dann zum Zugabenteil an, jetzt wurde es wieder weltlich. Der Schlager lebte in Form von „Wunder gibt es immer wieder“ oder „Tränen lügen nicht“ auf, ehe die Europa-Hymne des Meisters Song-Contest-Beitrag „Guildo hat Euch lieb“ ankündigte. Bevor der Trierer Entertainer endgültig entschwand, machte er noch musikalisch deutlich: „Weihnachten bin ich zuhaus“, natürlich zum Sound von „Music was my first love.“

Veranstaltungsankündigung

Schlager unser: Das Weihnachtsfestival der Liebe

Ein jedes Jahr, wenn die zuckerwattige Weihnachtszeit beginnt, scharrt das Weihnachtshorn seine Orthopädischen Strümpfe um sich herum und gemeinsam wird sich auf die Schönste aller Touren vorbereitet: Die „WeihnachtsFESTival der Liebe“ Tour, der sogenannte Speckgürtel des absoluten Wohlbefindens.

Mandeln, Bratäpfel, Zimtsterne und Kokosmaronen werden verköstigt, eine Menge Glühpunsch erwärmt und während der Diaprojektor Weihnachtliches aus der glücklichen Kindheit der jungen Männer an die Wände projiziert, greifen die Musiker beherzt zu ihren Musikinstrumenten und füllen den Probenraum mit weihnachtlichen Klängen.

Die Vorbereitung christlichen und weltlichen Liedgutes weckt in den Orthopädischen Strümpfen eine nervöse Vorfreude und sie scharren ungeduldig mit ihren Füsschen um recht schnell mit ihrem Meister den weihnachtlichen Fackellauf durch Deutschlands schöne Städte zu beginnen.

Es wird serviert: traditionelles adventliches Liedgut gepaart mit „verweihnachtlichen“ Rock und Pop Klassikern, wie Dreamer, Timewarp, So this is Christmas, Under the Moon of Love, Eternal flame, das alles garniert mit den besten Schlagerfiletstückchen der 70er.

Eine wahrhaft göttliche Unterhaltung musikalisch unterstützt von seiner grandiosen Band „Die Orthopädischen Strümpfe“ und vielerorts auch dabei ist die Asoziale Blaszentrale Dessau.

Am Ende des Jahres sollte die Welt sich noch einmal so richtig verwöhnen zu lassen und wem könnte man sich da besser anvertrauen als einem der besten Live-Entertainer, den Deutschland zu bieten hat: Dem Meister Guildo Horn.

Link: www.guildo-horn.com

 

Hörbeispiel “Kinder, es weihnachtet sehr”

09.12.17: MARTIN ZINGSHEIM

Da blieb kaum Zeit zum Lachen

Der preisgekrönte Kabarettist Martin Zingsheim regte das Kopfkino an

Martin Zingsheim, gerade 33 Jahre alt und für seine jüngsten Programme auf der Bühne bereits mit 18 renommierten Preisen versehen, war am Samstag bei Kulturlant in Lantershofen zu Gast. Was er den rund 180 Zuhörern dort bot, machte schnell deutlich, warum der junge Mann schon so hoch dekoriert ist. Der promovierte Musikwissenschaftler, der auf dem Weg zum Traumberuf des Komponisten in die Kleinkunst abrutschte, begeisterte das Lantershofener Publikum im dortigen Winzerverein ausschließlich mit seinem Vortrag. Kein Tisch, kein Stuhl, keine Pflanze – überhaupt keine Requisite war auf der großen Bühne zu sehen. Nur ein Mikrofonständer. Nicht einmal das Licht wechselte während der knapp zwei Stunden. In denen ließ der Kabarettist, der eigentlich gar nicht weiß, ob er sich so bezeichnen sollte, einen ständigen Film mit etlichen Szenenwechseln in den Köpfen seiner Zuhörer abspielen. Kopfkino eben, das bei jedem anders aussieht, wie Zingsheim anschaulich verdeutlichte. Beispiel: man überholt ein Wohnwagengespann und der Fahrer assoziiert: „Wohnwagen – man müßte mal wieder nach Holland fahren.“ Der Beifahrer aber denkt: „Prostitution – man müsste mal wieder…“ Aber keine Sorge, schlüpfrig war es zu keiner Zeit, themenreich schon.

Obwohl, oder gerade weil Zingsheim deutlich machte, man solle nur darüber reden, wovon man Ahnung habe. Aber einen zweistündigen Vortrag über trinkbaren Rotwein unter zwei Euro wollte er dem Publikum dann doch nicht antun. „Ob der Abend sie letztlich aber weiterbringen wird, weiß ich nicht“, dämpfte er gleich einmal die Erwartungen, um sich seinen Themen zuzuwenden. Die „Sprache“ war eines davon. Was kann man damit so alles anstellen, und wie gefährlich kann Sprache in der digitalen Welt werden? Hin und wieder streifte Zingsheim dabei das politische Kabarett, referierte über die Begabung der Bundeskanzlerin, ihre Meinung in einem Satz komplett zu wechseln und schwenkte dann wieder zu ganz anderen, gerne auch schon mal banalen Themen. Das „Wildpinkeln“ beispielsweise, das unter teils drastischen Strafen stehe – außer man trägt eine Leine um den Hals und bellt. Das brachte Ideen auf: „Machen Sie doch einfach mal ganz verrückte Sachen“, empfahl der Anhänger des radikalen Konstruktivisimus, der jedem Menschen seine ganz eigene Sicht der Realität unterstellte.

Martin Zingsheim präsentierte dem Publikum ein Feuerwerk an Pointen, wer zu lange lachte, verpasste schon wieder eine. Die rasante Ein-Mann-Show jenseits aller Schubladen zeigte den wilden Gedankenstrom des promovierten Lockenkopfes auf, der sich statt einer Kindheit in den 90ern lieber eine in den 60ern gewünscht hätte. Wegen der Musik und der Party. Dennoch: „Bob Dylan hätte zum Logopäden gemusst.“ Zingsheim reflektierte, warum es Familientragödien immer nur in heterosexuellen Partnerschaften gebe und forderte im nächsten Satz dazu auf, die Kirche zu enteignen, wobei er dem Katholischen doch eine humoristische Grundstimmung unterstellte. Und er sieht das einzige Problem im Veganismus in den Veganern, die sich über Gütesiegel in der Fleischproduktion zum Thema „tiergerechtes Schlachten“ aufregen und fragte: „Gibt es so was auch bei der CIA, vielleicht mittels klimafreundlicher Folterinstrumente oder Elektroschockern mit Ökostrom.“ Die Frage blieb unbeantwortet, erzeugte aber eines: Kopfkino.

 

Veranstaltungsankündigung

Wäre Assoziations-Hopping olympisch, Martin Zingsheim könnte sich Hoffnung auf Medaillen machen. Im Sturm hat er die Kleinkunstszene erobert, zahlreiche Kabarettpreise eingeheimst und den Sprung ins Radio sowie ins Fernsehen geschafft. Jetzt ist das 31 Jahre junge Ausnahmetalent aus Köln mit  einem neuen Soloprogramm auf Welttournee durch den deutschsprachigen Raum und präsentiert eine rasante Ein-Mann-Show jenseits aller Schubladen. Die Dramaturgie des Abends folgt dem wilden Gedankenstrom des frisch promovierten Lockenkopfes. Ein sprachlich wie musikalisch virtuoses  Abenteuer über Gott und die Welt, Liebe und Hass, Erziehung und Pauschalreisen. Grandios verkopft ringt Martin mit Protagonisten der Kulturgeschichte, kämpft gegen die musikalischen Folgen einer Kindheit in den 90ern, erklärt Veganismus zu einer rein lexikalischen Herausforderung und plant den Sturz des herrschenden Systems durch getanzte Revolution.

Am Rande des Scharfsinns redet, spielt und singt sich der Senkrechtstarter durch seine eigenen Geistesblitze. Ist komisch, klingt aber so.

Am 22.02.15 wurde Martin Zingsheim mit dem Deutschen Kleinkunstpreis (Förderpreis) ausgezeichnet. Martin Zingsheim ist der deutsche Preisträger 2016 des internationalen Radio-Kabarettpreises “Salzburger Stier”.

Link: www.zingsheim.com