18.01.2020: FEE BADENIUS

Liedermacherin schämt sich für gar nichts mehr

Fee Badenius und Band waren im Winzerverein Lantershofen zu Gast

Das war mal ein entspannter Abend: Liedermacherin Fee Badenius stand am vergangenen Samstag mit ihrer Band, die ebenso entspannt „meine kleinen Liedchen zu Musik machen“ (Badenius), auf der Bühne im Lantershofener Winzerverein. Es war ein Abend im Rahmen des Lantershofer Kabarettprogramms. Nach zuletzt schwerer Kabarettkost für das Kulturlant Kabarett-Publikum sorgte der Auftritt der jungen Musikerin und ihrer Band für fröhliche Mienen im Publikum. Zumindest die meiste Zeit. „Aber warum eigentlich Kabarett?“ dürfte sich manch einer der rund 200 Besucher dennoch gefragt haben. Ganz besonders, als es zum Ende des Konzerts doch recht melancholisch wurde, als Fee Badenius tiefe Einblicke in ihr Leben preisgab und vom Tod der Mutter im vergangenen Jahr erzählte, dazu das stark autobiografisch inspirierte Stück „Dein Lachen“ und dann übergangslos das Lied vom Tier. Besser: vom Menschen, den man mit ganz bestimmten Tieren vergleicht, Löwe, Papagei oder Fisch. „Mensch sein ist schon tierisch schwer“, sang Fee Badenius. Einer der vielen überraschenden Aussagen, die dem Publikum ein Lächeln auf die Lippen zauberten oder oftmals ein beherztes Lachen auslösten.

Denn bei so manch einer Moderation, aber auch in den Liedtexten, wurde deutlich: Fee Badenius hat es faustdick hinter den Ohren, präsentiert nicht nur den hintersinnigen Witz, sondern lässt oft genug Kracher aufs Publikum los. Wie beim frühen Stück „Für dich und deine Liebe.“ Was tut man da nicht alles für den anderen, steht sogar früh zum Hausputz oder würde in die Grafschaft ziehen. „Aber würdest du es von mir verlangen, wäre die Antwort: du kannst mich mal“, so der unverhoffte Abschluss.

Fee Badenius berichtete vom roten Faden, den die Musikfolge ihres Konzerts eigentlich haben sollte, der sich dem Publikum aber oft genug nicht erschließe. Daher musste sie die Gäste an besagtem Faden entlangführen, wenn sie erst von ihrem lebenslangen Partner, dem eigenen Körper und der Diskrepanz zum Kopf mit anderem Handeln als eigentlichem Wollen sang. Was für besagten Körper gut ist, muss für die Seele nicht immer genauso gut sein. „Ich habe die besten Jahre meines Lebens mit Selbstkritik verbracht, jetzt schäme ich mich für gar nichts mehr“, so drückte die Sängerin es im Lied „An anderen Tagen aus.“

Zurück zum roten Faden. Der hangelte sich an der Ballade „Zuhause“, die von der Geborgenheit beim Partner erzählt, hin zum „Aufräumen“, was für besagtes Zuhause auch einmal gelten muss. Dabei hätte das Stück „Blos nicht aufräumen“ heißen müssen. Oder, wie Fee Badenius es machte: „Ich habe eine Kiste für all die Kuscheltiere angeschafft, damit es bei uns mal wie bei Erwachsenen ausschaut. Aber in der Kiste bekommen die gar keine Luft, jetzt sitzen sie im Wohnzimmer auf der Kiste.“ Selbst das Schlumpfdorf kann man doch nicht wegwerfen. Alles muss da sein, wenn die Schenkenden zu Besuch sind, aus Gründen der Wertschätzung ihnen gegenüber. Sagt sie, um dann musikalisch den Zusammenhang zwischen „Ich hab Dich im Herzen“ und dem Herzinfarkt zu finden. Irgendwie war dann doch der ganze Abend hintersinnig und damit musikalisches Kabarett. Zum Schluss gab es dann auch noch das, was man im Publikum kannte: „Fleisch-ess-lust.“ Obwohl es nach eigenen Worten das erste Konzert war, bei dem man die Sängerin nicht schon in der Pause nach besagtem Lied fragte.

Veranstaltungsankündigung

Fee Badenius – TOUR 2019/20

Fee Badenius wandelt auch in ihrem neuen Programm zwischen den Welten, sowohl musikalisch, als auch textlich. Ihre Lieder pendeln zwischen Sehnsucht und Melancholie, zwischen Zartheit und Stärke, haben aber auch immer Bodenhaftung und intelligenten, hintersinnigen Witz. Dabei ist es vor allem der charmante Vortrag und die anschmiegsame Stimme, die bereits unzählige Zuschauer im ganzen deutschsprachigen Raum begeistert haben. Fee Badenius hält uns und sich selbst den Spiegel vor, zertrümmert ihn aber nicht, sondern malt mit einer ordentlichen Portion Optimismus ein Lächeln auf die beschlagene Scheibe. Mit großer musikalischer Vielfalt und Spielfreude unterstützen sie ihre hervorragenden Musiker. Die Band um Fee Badenius macht aus kleinen Melodien große Hymnen, und aus einfachen Liedern, Musik, irgendwo zwischen Liedermacher, Pop und Jazz, einfühlsam und leidenschaftlich, aber vor allem immer so, dass das große Ganze sinnvoll unterstützt wird.

Wer ein Konzert von Fee Badenius besucht, schließt sie und ihre Band ins Herz und erlebt einen Abend, der Kopf und Herz gleichermaßen zum Klingen bringt.

Oder, wie es der Liedermacher Stephan Sulke sagte:

„Sie ist ein bildhübsches, absolut süßes Ding, das man in die Vitrine zum Anbeten stellen möchte, sie hat einen Humor, der das Gift zweier schwarzer Mambas ersetzt, sie ist sturz-blitz-gescheit – und das Wichtigste, sie wickelt das Publikum um den Finger zum Neidischwerden. Sie hat einen Stil gefunden, irgendwo im Niemandsland zwischen Satire, Chanson und Wehmut.“

www.feebadenius.de