„Im Land der Dichter, Denker und Sitzenbleiber“
Kabarettist Volker Weininger zeigte sich in Lantershofen schonungslos
Beim Grafschafter Verein Kulturlant e.V. hat am vergangenen Donnerstag die neue Spielzeit begonnen. Dabei erlebten knapp 140 Besucher die Vorpremiere des neuen Programms „Bildung. Macht. Schule“ des Bonner Kabarettisten Volker Weininger. Weininger, der gerade dem rheinischen Publikum aus seiner Rolle des angetrunkenen Sitzungspräsidenten bekannt ist, startet in diesen Tagen sein zweites Kabarettprogramm, in dem er sich explizit mit dem Bildungssystem in Deutschland beschäftigt und dabei schonungslos den Finger in jede sich zeigende Wunde legt. Dabei hält er keineswegs nur den Pädagogen den Spiegel vor. Weininger rechnet mit all den ab, die in irgendeiner Weise mit dem Bildungssystem in Berührung kommen. Das ist beinahe jeder im Staat, außer den 4,2 Millionen Analphabeten. Aber die werden ja bald eingeschult und dürfen sich dann ebenfalls als Teil des Kabarettprogramms fühlen.
Dass Deutschland als eines der wenigen Länder eine Schulpflicht hat, hat seine Gründe: „Der Staat verbietet den Hausunterricht, damit keiner merkt, was in der Schule so alles schief läuft“, so der Kabarettist zum Auftakt. Er berichtet vom Lehrerehepaar: er ausschließlich Sportlehrer und damit auf der nach oben offenen Eierschaukelskala ganz vorn; sie ebenfalls Sportlehrerin mit einem Zweitfach, nämlich dem „textilen Gestalten.“ Für Weininger ist das der Nachfolger der Prügelstrafe, das „Waterboarding“ der Pädagogik. Auf der anderen Seite die übervorsichtigen Eltern, die ihren Behütungsmarathon für Einzelkinder ausleben: Kettcar mit Stützrädern, Wattebausch am Geigenbogen oder mit Fahrradhelm auf der Schaukel. Und diese Kinder werden mit 10 Jahren selektiert: Gymnasium, Realschule, Hauptschule. Wer soll das entscheiden? Eltern oder Lehrer? Beides ist falsch im Land der Dichter, Denker und Sitzenbleiber.
Weininger ist längst dabei, seinen Rundumschlag weit über die Pädagogik auszudehnen. „Warum verdient der Pfleger einer Software mehr, als der Pfleger eines Menschen?“ Was läuft falsch in unserem System, fragt er sich. „Ist es korrekt, dass die Putzfrau mit ihren Steuergeldern ein Zahnarztstudium finanziert.“ Da geht der Kabarettist doch lieber in die Christmette, buht die Kinder beim Krippenspiel aus und holt sich den Eintritt aus dem Klingelbeutel zurück. Schließlich muss doch heute alles optimal laufen und funktionieren, was beim Krippenspiel nicht der Fall war.
Zweieinhalb Stunde heizte der Bonner, der schon für sein erstes Kabarettprogramm „Euer Senf in meinem Leben“ mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet wurde, dem Publikum in Lantershofen ein, dabei testete er alleine im ersten Abschnitt rund 75 Minuten, was beim Auditorium ankommt, was nicht. Nicht jeder Gag, der bei einer Vorpremiere zu hören ist, schafft es auch ins Programm. Aus dem Vorgetragenen etwas zu streichen, dürfte Weininger allerdings schwer fallen, keine Pointe fiel durch, Ironie und Bissigkeit kamen an und auch nach zwei langen Halbzeiten verlangte das Publikum noch nach einer Zugabe. Für die zog sich Volker Weininger das rote Sakko um und setzte die Narrenkappe auf, um als Sitzungspräsident noch einen Einblick in sein Karnevalsprogramm zu geben.

Nach dem großen Andrang im vergangenen Jahr in Lantershofen hatte der Grafschafter Verein „Kulturlant“ Comedian Markus Krebs ein zweites Mal zur Vorstellung seines Programms „Hockerrocker“ eingeladen. Knapp 180 Gäste im Haus des Dorfes in Leimersdorf dürften sich dabei einen gehörigen Muskelkater im Bauch zugezogen haben. Irgendwie sprach der Duisburger Krebs nicht nur aus seinem Leben, sondern auch so manchem Gast aus der Seele. Krebs‘ Leben findet eigentlich in einer Duisburger Kneipe namens „Oase“ statt und eben über dieses Leben berichtet er in seinem zweiten Soloprogramm, mit dem er derzeit erfolgreich durch Deutschland tourt und dabei überall auf volle Hallen und Säle trifft. Markus Krebs ist damit nicht nur der ungekrönte König des Kneipenwitzes, er haut die meist kurzen Gags auch im Sekundentakt und zu Hunderten am Abend raus. Witze erzählen will gelernt sein, Krebs hat es drauf und verliert auch den roten Faden nicht, obwohl er immer wieder ausholt und die Charaktere um ihn herum ausgiebig zu beschreiben weiß, insbesondere die seines Kegelclubs „KC Udo zahlt alles“, die beim Kegeltour-Ziel zwischen der Reeperbahn und den Trombosetagen in Boppard wählen konnten.